Während also die Weinwelt unter den Eindrücken der asiatischen Kirschessigfliege, Pilzdruck und viel Feuchtigkeit noch über den unbekannten Ausgang des Weinjahres 2014 diskutiert, flüchtet der Weinblog in das traditionsreiche Piemont zu einem gelungenen Tröpfchen aus 2010 barbera incisiana weinblog
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Wein des Monats: Oktober 2014

[dropcap1]H[/dropcap1]eute im Glas ein Barbera d´Asti welcher mit Kraft und Tiefgang überzeugt, noch ein paar  Jährchen im Keller liegen könnte und für mich ein eindeutiges Signal ist: Piemont ist wieder da!
Nach dem die Schatzkammer der großen italienischen Weine Barolo, Barbaresco und Barbera die letzten Jahre etwas in der zweiten Reihe stand, man dafür aber immer wieder gute Tropfen für gutes Geld fand, tut sich was. Man (be)lebt wieder die Tradition, sucht die Ursprünglichkeit und erzeugt Weine, die nicht in irgendeine Richtung geprügelt werden.

 

Back to the Roots

In den Gläsern zeigen sich zwar keine hochkomplexen Weine, aber eben trinkfreudige Kreszenzen, die so ganz ohne den Beigeschmack des heute technisch Möglichen auskommen. Der Barbera d´Asti Incisiana ist keiner jener Weine, wie man sie heute dem Kunden als Wein von “internationaler Stilistik” gerne mal aufschwatzt. Auch kommt er ohne “Charisma” aus, was meist keine Kunst, sondern Lärm ist. “Kultweine” sind eh nur religiöse Anhängerschaft und für den täglichen Gebrauch kaum zu vermitteln. Mag man diese Weine nicht, versteht man nix von Wein… Bullshit! Selbst entscheiden!

Warum alles so kompliziert, warum die Wellen, was soll der Lärm? Einen absoluten Moment der Erfüllung kann doch schon so etwas banales wie der Blick in den Mond sein. Momente der Entschleunigung: das ist, was wir eigentlich suchen. Nehmt diesen Barbera dorthin einfach mit!

Auf der mit 10ha eigentlich recht kleinen Azienda Incisiana passiert genau das, was deutlich größere Betriebe oft nicht schaffen. Man kümmert sich um seinen Weinberg, man hat genug Ressourcen, um den Weinberg nicht nur vom Schlepper aus zu sehen.
Gerade bei der Rebsorte Barbera ist das wichtig. Barbera ist genügsam, wächst auf fast allen Böden in rauen Mengen und verdankt dieser Eigenart wohl auch letztlich seine heutige Existenz. Nachdem die Reblauskatastrophe in Europa ganze Weinlandstriche – so auch im Piemont – leergefegt hatte, erkannte man die Vorteile der Barbera. Barbera ist nach dem Sangiovese die am meisten angebaute Rebsorte in Italien. barbera incisiana weinblog

 

Biowein? Jein! barbera incisiana

barbera incisiana weinblogGlücklicherweise rollte die Barriquewelle der 1980er Jahre an der Azienda Agricola Incisiana vorbei, die zugegeben in dieser Zeit auch etwas vor sich hin schlummerte. In 1999 wurde die Azienda Incisiana durch die Önologen Florian Oelssner und Eckhard Fischer wieder aus dem Dornröschenschlaf geweckt.
Da man eine biologische Bewirtschaftung auf dem Gut für selbstverständlich hält, wird auf eine Zertifizierung verzichtet. Dahinter steckt auch der Gedanke, dass sich eigentlich der zertifizieren sollte, der eben nicht biologisch und natürlich arbeitet. Darüber kann man heiße Diskussionen führen. BIO Winzer kann nur sein, wer die entsprechende EU Zertifizierung, hat sagen die einen; andere zweifeln am BIO Siegel grundsätzlich und sehen dieses vor allem unter dem Stern der Lebensmittelindustrie. Biowein darf aber am Ende nur der auf seine Flaschen schreiben, der zertifiziert ist und die europweiten Vorgaben dazu aus Brüssel erfüllt.


Eine Reise nach Astibarbera incisiana weinlog

Im Glas ein offensichtlich unfiltrierter Wein, hoher Extraktwert; zu deutsch also einiges drin. Deutliche Beerenfrucht, opulente Brombeeren, Kirschen und auch frische Pflaumen auf der Zunge. Die reinsortige Barbera liegt kraftvoll würzig auf dem Gaumen, ist erdig mineralisch und trotzdem leicht. Die Tannine sind reif, werden aber in den nächsten Jahren noch weicher werden.
Ein Gerbstoffwunder ist die Barbera d´Asti der Azienda Agricola Incisiana nicht, das würde auch der Rebsorte nicht gerecht werden. Vielmehr setzt man auf seidigen Genuss, lässt den Barriqueinsatz ganz bewusst bleiben um die Rebe für sich sprechen zu lassen. Kein verkleideter Modewein, kein Gedöns drum herum. Barbera d´Asti, punto e basta!
Knochentrocken, eine strukturierende Säure offenbart einen wunderbaren Begleiter zur italienischen Küche. Ob das nun ein Fleischgericht mit viel Aufwand ist, oder eben einfach „nur“ Pasta in Tomatensugo, bleibt einem selbst überlassen.

  • Barbera d’Asti DOCG 2010 Azienda Agricola Incisiana für 10.90€ bei WeinPORT

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