CAPTAIN CORK – das ultimativ andere Weinbuch

Kategorien bis 20€, Buchvorstellung, Kolumne, ab und an auch Pamphlet

Traue mich ja kaum noch darüber zu berichten, das Buch ist noch nicht mal einen Monat auf dem Markt und dennoch überall schon durchgekaut. Die ersten Rezensionen waren zumindest gefühlt nur wenige Sekunden nach dem Erscheinen zu lesen. captain cork captaincork

Die Lobeshymnen im Netz wollten dabei fast kein Ende nehmen, mehr Gegenwind als „dieses Buch braucht kein Mensch“ gab es aber kaum; also aufgemerkt! Spricht es für das Buch oder den Autor, wenn so mancher Kommentar den sonst häufig einsetzenden Sturm im Wasserglas nach einem Artikel von Cptn. Cork im Netz offenkundig vermisste?

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Der Captain und seine Crew auf großer Fahrt

Denn sonst schafft es ein stets ambitionierter Captain Cork mit seiner Crew auf seinem gleichnamigen Internetauftritt doch auch fast wöchentlich als Weinjournalist – wenn auch viele die Bezeichnung schmerzt -, die Gemüter in Sachen Wein und Drumherum zu erhitzen. Das ist auch gut so. Als „eine der wichtigsten Stimmen der deutschen Weinkultur“ (Dirk Würtz) regt er an, wie sonst nur wenige; Amüsement stets mit inbegriffen!

Auf den ersten Blick ist dieses Buch zumindest eine Steigerung gegenüber manch anderer Publikation zum Thema Wein. Das Format entspricht nicht dem eines intellektuellen Wälzers, zudem Flexcover. Auch das Layout ähnelt mehr dem eines Handbuches, eine sehr große Taschenkarte für Weinreisende. Am Rand ist es mit Marginalen (womit NICHT nebensächlich gemeint ist) in Form von Zitaten gespickt, die durchaus als Grundlage von Diskussionen verstanden werden können; auch kommen die einzelnen Autoren zu Wort, die mittels Bierdeckeln kenntlich gemacht werden. captain cork captaincork

Das Buch ist für Einsteiger und Fortgeschrittene gleichermaßen zu empfehlen. Zum einen wird viel Fachwissen verständlich und vom Duktus vergangener Jahre entstaubt vermittelt, dabei wird das Wesentliche der Weintrinkerei in den Mittelpunkt gerückt: Das Vergnügen, der emotionale Moment, der Spaß. Klimek geht auf S. 220 ins Elementare und erklärt den grundsätzlichen Wunsch des Menschen nach Rausch. Es geht beim Trinken von Wein um das Ausklinken, das Loslassen und Abstreifen von Zwängen und Konventionen. Man versinkt im Geist des Weines (Anm. d. R.; neudeutsch: „Geiler Scheiß“) und blendet alles andere dafür aus. Das mag spirituell anmuten, kann dem Captain aber in diesem Punkt nur zustimmen. captain cork captaincork

Captain Cork bleibt sich treu und zeigt einmal mehr, dass er doch eben was anderes ist, als der in Personalunion auch für Printmedien schreibende Manfred Klimek. In beiden Fällen sicher kein Besingen der ach so schönen Weinwelt, sondern die eigene Meinung bestimmt bei der Bewertung von Weingütern, Winzern und Weinen den rote Faden. Als Captain Cork dann aber eben immer eine Spur kämpferischer und bissiger. Allein die hohe Anzahl bereits bekannter und sehr bekannter Winzer empfinde ich im Buch als weniger provokant.

Das Buch räumt auf. Es räumt auf mit Weinmythen und widmet diesen ab S. 22 ein ganzes Kapitel. Andere werden geschaffen. Warum nämlich auf S. 87 zu lesen ist, dass große fränkische Weine besser in Schlegelflaschen statt Bocksbeuteln zu füllen wären, erschließt sich mir nicht. „Nur elegante Gebinde machen große Weine so richtig wertvoll“, warum Verpackungsästhetik bei gleicher Füllmenge den Wein wertvoller macht, muss mir der Captain nochmal genau erklären… captain cork captaincork captain cork captaincork
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Abb. S. 112: Innovatives Kartenmaterial inclusive

Einen nicht nur kleinen Fauxpas leistet sich der Captain im Kapitel Wein im Netz dann aber ab S. 199. „Es ist hart für das Nerd-Ego vieler Weinblogger, aber die Mehrheit interessiert sich nur gering für spontan vergorenen Biowein. Unser Rat: Hört auf zu missionieren“ Soll der Blogger lieber für die Masse, im Sinne von kaufstarken Zielgruppen schreiben? Auf einer Seite vorher wird noch der Untergang des Weineinzelhändlers ausgemalt, mangels Vielfalt im Netz… 
Es geht weiter: Eine weiteres Vergehen des Bloggers ist, dass er bei Weinvorstellungen auf Shops als Bezugsquelle verlinke und nicht direkt auf den Winzer zur Hofbestellung. Böser Blogger! Die Shops zahlen dann bei einem erfolgreichen Verkauf dem Blogger Provisionen aus. Click Benefits nennt man das und ist bei Weinbloggs eher selten, vielmehr betrifft das Weinsuchmaschinen wie Wein.cc. Wer im Glashaus sitzt: Verlinkt wird bei Cptn. Cork – auch bei deutschen Weinen – unter anderem zu den Platzhirschen Belvini, vinello usw. Wo will man denn in diesem Kapitel eigentlich hin? captain cork captaincork 

Aber viel wichtiger ist, das Buch appelliert zu einem offenen Umgang mit Wein. Auch wenn das nicht neu ist, es ist notwendig! Es prangert jene an, die glauben, mittels Sprache und dessen festem Vokabular bereits zu wissen, wie Wein zu beschreiben wäre.
Dass die Wahrnehmung schon aus biologischen Gründen nicht bei jedem Menschen gleich sein kann, sich man auch auf Grund verschiedener Erfahrungen immer nur beeinflusst einem Wein und dessen Geschmack nähern wird, erklärt dieses Buch ebenfalls. Grundlagenwissen. Liest man viel zu selten! captain cork captaincork
Wenn er dann doch endlich mal die Punktevergeberei auf seiner Homepage lassen würde…. Denn auf S. 73 wird deutlich gesagt, „objektive Verkostungen gibt es nicht. Auch professionelle Weintester haben persönliche Vorlieben, sind gestresst oder haben mal schlecht geschlafen“. captain cork captaincork

Dieses Buch ist sicher keine Bibel, kein reines Fachbuch, auch Wein ist am Ende für alle da! Eben deshalb verständlich gehalten und ein Lichtblick am Markt. Man geht mit dem Captain und seinem Schiff auf eine Reise, denn Wein ist eine stete Entdeckung. Man sticht in See, findet neue Welten und nimmt Eindrücke mit. Das grundlegende Plädoyer dieses Buches ist, die Augen in der Weinwelt stets offen zu halten, den Mastkorb zu besetzen um neue Gewässer weitestgehend unvoreingenommen zu erkunden. Dass es solch ein Buch gibt, ist bereichernd und erfreulich. Für einen selbst und hoffentlich auch, oder gerade für die online Weinszene ein Gewinn, denn dort wird sich noch immer viel zu sehr um das Recht haben gezankt, als über das Weintrinken gefreut. captain cork captaincork

Der Captain und seine Crew haben sich bewiesen, einer Beförderung steht nichts mehr im Weg. In jedem Buchladen um die Ecke zu haben, oder innerhalb eine Tages dort bestellbar!

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Rainer Balcerowiak, Manfred Klimek

Captain Cork. Das ultimativ andere Weinbuch

216 Seiten, Format 21 x 21 cm
Flexcover, mit ca. 60 Farbfotos, illustrierte Karten
Preis 19,90 € (D) / 20,50 € (A) / 28,50 sFr
ISBN 978-3-8338-3585-8

(Alle Abbildungen gemäß § 16 Abs.1 UrhG mit freundlicher Genehmigung des Gräfe und Unzer Verlag, Frau Uhr)

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