Castelfeder Schallerhof

Schallerhof derWeinblog Alex Schilling Wein
Rallye Alto Adige – Südtirol #01
von Alex. Schilling Castelfeder Schallerhof 

Werde in den nächsten Wochen eine kleine, virtuelle Weinreise durch Südtirol machen, mir verschiedene Weine anschauen und wie gewohnt im Zuge von Verkostungsnotizen kolumnenartig ein bisschen über das nördlichste Anbaugebiet Italiens plaudern. Beginnen will ich meine Reise mit einem eher günstigen Wein, der in Deutschland an fast an jeder (Internet) Ecke erhältlich ist.

Die jüngere Geschichte Südtirols zeigt eine alpine Enklave, die nach dem zweiten Weltkrieg, besonders ab den 1960er Jahren als Urlaubsdestination gerade von deutschen Touristen auch heute noch gerne bereist wird. Auf den Wein hat das ähnliche Auswirkungen gehabt, wie wir das z.B. von der Mosel und der Ahr, aber auch anderen Weinbaugebieten kennen. Die Qualität der Weine war gerade geeignet den Durst zu löschen; mit der zwei Liter Bombe war die Generation meiner Großeltern einfach zufrieden. Man sprach deutsch, so mancher Landwirt hatte als Gastwirt mitunter das bessere Leben, warum soll man sich da im Weinberg abmühen…

Südtirol entwickelte sich zum Massenproduzenten von dünnen, ausdruckslosen Weinen; viele davon wurden zum Verschneiden in die Schweiz verkauft. Oftmals ist dies aber dem Umstand von äußerst geringen Anbauflächen und somit kaum rentablen Aufwand anzurechnen. Noch heute lässt sich die Anzahl der selbst füllenden und vermarktenden Winzer beinahe an einer Hand abzählen. Die Masse der Winzer liefert nach wie vor an die 16 Genossenschaften und garantiert so ein kalkulierbares Einkommen. Die geringen Anbauflächen – oftmals kleinste Parzellen – bergen aber auch ein enormes Potential. Lagencharacter! Lokale Authentizität, deutliche Herkunft, von der so mancher Winzer in Deutschland angesichts des Weinbausgesetzes von 1971 nur träumen kann. Cstelfeder Schallerhof 
Vor bald 30 Jahren waren es erstaunlicherweise die auch bei uns im allgemeinen eher als träge bekannten südtiroler Genossenschaften, die den Weinbau umstellten. Es ging um Klasse, um Qualität, die mit dem Anbau von traditionellen Sorten wie Gewürztraminer – im Falle des Vernatch sogar mit einer angeblich autochtonen Rebsorte – eine anhaltende Reformation des Weinbaus einläutete. Neben der Verwendung dieser traditionellen Rebsorten wurden aber auch immer stärker Sauvignon blanc und Merlot angebaut, Tradition trifft Moderne. Castelfeder Schallerhof 

Castelfeder Schallerhof  KalternWeinstrasseSee
Südtiroler Weinstraße am Kalterer See
Heute möchte ich einen Wein des Weingutes Castelfeder vorstellen. Erst in den 1970 Jahren gegründet, ist es in der eben beschriebenen Zeit auf heute 50ha angewachsen. Nach eigenen Angaben versteht sich das Weingut mit Weinbergen entlang der Südtiroler Weinstraße als Lieferant im “gehobenen Standardsegment”, führt eine “jung, modern und dynamisch” Linie und schließlich ein Premiumsegment. Nachdem dieser Wein quasi als Aushängeschild Südtirols im deutschen Internethandel an jeder Ecke angeboten wird, will ich mal schauen, wohin die Reise geht. Ist es ein Aushängeschild? Ist dieser Tropfen wie behauptet ein typischer Südtiroler, oder ist Südtirol doch heute vielmehr ein Hort von Characterweinen?

Leider wurde mir der Wein in einem Fachgeschäft im Großraum Nürnberg/Fürth als “individuelles Winzerkunststück” angedreht. Muss man jeden Wein kennen, sollte der Fachhandel genau so etwas nicht machen? Naja, dass es sich um einen vermeintlichen Massenwein handelt und ich beinahe zwei Flaschen für den Preis im Netz dafür bekommen hätte, soll die Einschätzung hier nicht weiter trüben, möchte am Rande aber auf diesen Artikel von Martin Kössler hinweisen. Castelfeder Schallerhof 

Verkostungsnotiz:
Im Glas sehr helles rot mit leicht rostigem Einschlag. 90% Vernatsch und 10% Lagrein. 10 Tage Maischegärung und acht Monate Ausbau im Stahltank sind die groben Eckdaten. Gehe davon aus, dass es sich um eine Cuvée und nicht einen historischen, gemischten Satz handelt. Vernatsch kennen wir übrigens als recht helle, säure- und tanninarme Rebsorte auch in Deutschland. Der vorwiegend in Baden “heimische” Trollinger ist nichts anderes; als solcher hat er es allerdings schwer, überregional überhaupt als Wein Anerkennung zu finden. Castelfeder Schallerhof
Fruchtiger Auftakt mit Brombeeren mit deutlicher Neigung zu Süßkirsche. Leider etwas dropsig, dann aber auch nasses Laub in der Nase. Die ungestüme Sensorik haucht am Ende ein paar Veilchen hinterher. Frage mich, ist das gewollt, ist das Vernatsch, oder soll ich´s einfach als interessant verbuchen? Am Gaumen dann eher Sauerkirschen mit süßer Vanille. Da der Wein aber nie Holz gesehen hat, auch hier wieder etwas Verwunderung, woher die Vanille Note kommt… manche denken sich jetzt sicher was dabei. Sind Chips und dergleichen in Italien eigentlich verboten?
Definitiv typisch und nicht verwunderlich ist eine leichte Bitternote, die am ersten Abend fast ein bisschen streng, nach einem Tag Belüftung für mich sogar gefällig war, man aber meiner Oma niemals näher bringen wird! Die fing nämlich gleich an: “Och früher war der aber viel fruchtiger und süßer, und…” Zurück zum Thema: Überraschend überzeugendes Tannin, frische Säure im Mund. Ausgewogen, aber auch nicht zu komplex bei immer leicht bleibendem Körper.

Da ich keinen Schinken zu Hand hatte, wie das in Südtirol zu diesem Wein üblich ist, verhalf ich mir mit einem Wurstbrot! Und da gehört er auch hin, es ist ein Brot und Butterwein. Schmeckt wie fränkisches Rauchbier erst mit dem zweiten Glas, dann aber immer besser. Castelfeder Schallerhof 

Der “Fachhändler” hat mir dafür 13€ abgeknöpft, im Netz für ca. 8€ zu haben, was dann auch ok ist. Als kritischer Einstieg nach Südtirol nicht verkehrt. Castelfeder Schallerhof  Castelfeder Schallerhof  Castelfeder Schallerhof 

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