Kurzvisite im Elsass. Und wieder begeistert. Komme nicht drum herum immer wieder von diesem Flecken Weinparadies zu schwärmen. Wermutstropfen: Viele Weintrinker vermuten hier alles mögliche, nur eben kein Weinparadies. Eine Frage der Definition!

Wein des Monats: Mai 2015

 

[dropcap1]N[/dropcap1]un, es gibt im Elsass – ja, wie soll man sagen – gewisse Blüten der Weinstilistik die nicht jeden begeistern. Der häufige Vorwurf: Etwas belangenlos, gerne im Stil von vielleicht vorgestern, dazu immer süßer und internationaler. riesling-wymann-elsass
Wie das so ist, an jedem Ruf mag auch was dran sein, oder, wenn man nur lange genug mit Sch…. schmeißt, bleibt schon irgendwann was hängen. Bei all der Kritik die das Elsass immer wieder einstecken muss, es ist tatsächlich alles andere als homogen. Aber wer will das schon?

So wie es nicht DEN Wein gibt, wird es auch nie DIE Region geben. Auch im Rheingau und an der Mosel gibt es Schrott. Wein ist eine unglaublich von Moden und Ästhetik durchzogene Welt. So manche Region hat einfach das Pech nicht gerade en vogue zu sein. Wenn überhaupt einer nach Qualität fragt; die ist dann auch noch subjektiv: Verdammt! Kurzum, Gerechtigkeit gibt es in der Weinwelt keine. riesling-wymann-elsass

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Die Sache mit dem Schwefel ist gar nicht so einfach. Was bisher eher aus Italien und Frankreich bekannt ist, schwappt so langsam nach Deutschland. Aber: Auch wenn schwefelfreier Wein vom Handel „beworben“ wird, ist dieser ein Märchen. Es gibt ihn nicht! Wer von schwefelfreiem Wein spricht, meint ungeschwefelten Wein, aber der Reihe nach Schwefel im Wein

[dropcap1]G[/dropcap1]oogelt man nach schwefelfreiem Wein, fällt sofort auf, dass diverse online Shops diesen Begriff als Keyword hinterlegt haben um Kunden damit zu locken. Ist der Kunde erst mal auf der Shopseite, mangelt es aber an weiterer Information. Mal ehrlich: Wer fragt denn jetzt auch noch nach? „In google we trust!“ Schwefel im Wein
Natürlich steht dann bei der Produktbeschreibung enthält Sulfite. Das ist aber in der gleichen Auflistung ähnlich unscheinbar platziert, in der auch Alkohol, Zuckerwerte und Mengenangabe stehen. Überhaupt, was sind denn jetzt Sulfite?
Seit November 2005 verlangt der Paragraph die Angabe von Schwefel im Wein. Genauer dem Schwefeldioxid SO2, bzw. das in wässeriger Lösung gebildete Sulfit. Das Gesetz wird mit der Aufschrift „enthält Sulfite“ umgesetzt. Die zugelassenen Höchstmengen im Wein sind je nach dessen Qualitätsstufe und Zuckergehalt vom Gesetzgeber definiert. Faustregel: Je süßer der Wein, desto höher ist der Gehalt an SO2. Schwefel im Wein

Schwefel im Wein(Bildquelle: DWI)

Das letztlich aus Gründen der Konservierung eingesetzte Schwefeldioxid ist auch in Bioweinen erlaubt. So gilt z.B. für Rotwein aus ökologischem Anbau mit einem Restzuckergehalt von unter 2g/l eine zulässige Höchstmenge von noch immerhin 150mg/l Schwefeldioxid. Eines der vielen Totschlagargumente von halbseitig aufgeklärten Bioweinextremisten – Biowein sei ja gänzlich frei von Chemie und demnach auch schwefelfrei – wäre damit dann auch vom Tisch. Schwefel = böse Chemie,  so nämlich funktioniert die Geschichte eben nicht! Schwefel im Wein

Wie kommt “Schwefel” in den Wein?

SO2 wird eingesetzt um Weine mikrobiologisch zu stabilisieren, sprich haltbar zu machen. Der Winzer kauft Schwefeldioxid in Gasflaschen und pustet diesen dann in den Wein. Zusammen mit den anderen Säuren wird im Wein jenes „lebensfeindliche“ Milieu geschaffen, welches für die mikrobiologische Stabilität, also Haltbarkeit, notwendig ist.
Das ist keine Erfindung der Neuzeit, kein önologisches Breitschwert der industriellen Weinbereitung unserer Tage. Selbst die Römer benutzten Schwefel zur Weinbereitung, indem sie brennende Schwefelstücke in die Fässer legten und dadurch SO2 freigesetzt wurde. Die Dosierung war eher Glückssache, was z.B. im Mittelalter bei merklich hohen Konzentrationen immer mal wieder zu entsprechenden Erlässen der Obrigkeit geführt hat. Schwefel im Wein

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wymann weinblog pinot noir
Französischer Gestaltungswille trifft auf deutsche Schlegelflasche

Das Elsass ist für mich eine der spannendsten Weinregionen Europas. 
Das Elsass ist das einzige Weinbaugebiet Frankreichs, in dem heute der Anbau von Riesling erlaubt ist, die meisten Weine werden konsequent auf die Schlegelflasche gefüllt.
Die in Frankreich besonders bei den Rotweinen übliche Assemblage mehrerer Grundweine ist dem Vin d´Alsace weitestgehend fremd, auch schreibt der elsässische Winzer die Rebsorte groß auf die Flasche, als sich mit klingenden Namen wie Château Mayonnaise und Grand Vin de Irgendwo zu schmücken. wymann weinblog pinot noir

Das Elsass ist ein Schmelztiegel deutsch-französischer Weinkultur. Spricht man den Winzer darauf an, ob er sich denn nun eher zu der deutschen oder französischen Kultur hingezogen fühle, fallen die Antworten selten sehr deutlich aus, viele sehen in der Vermischung den großen Vorteil und antworten „deutsch, französisch?… Alors, elsässisch!“ und lächeln wissend.
Das Elsass erstickt nicht wie andere Weinbauregionen Frankreichs am eigenen Namen. Bordeaux – einst ein Stern am französischen Rotweinhimmel – fällt in den letzten Jahren stetig. Auch Burgund wird gern als überteuertes Minenfeld, weniger als durchgängig zuverlässiger Lieferant gesehen. Viele Weine sind für die breite Masse extra gefällig gemacht.
Im Elsass ist dies nicht der Fall, man hängt zu sehr an der facettenreichen Identität, was in unterschiedlichen Weinen zur Ausprägung kommt. Genau das ist das Potential des Elsass! wymann weinblog pinot noir

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