Habe die Vespa ausgemottet. Knatter seit Tagen mit einem defekten Auspuff durch die Stadt – zum Leidwesen meiner Nachbarschaft. Fliehe vor der Hitze und denke darüber nach mal eben in Richtung Italien zu fahren. Auf ner 50er. Was ne´ Schnapsidee! Kühler wird´s da auch nicht sein.

leider nicht meine; Vespa T3 Primavera, Ende 1970er: shared mit magic4walls.com
leider nicht meine; Vespa T3 Primavera, Ende 1970er: shared mit magic4walls.com

[dropcap1]W[/dropcap1]ie holt man sich also sonst mal eben Italien her? Richtig, schütten, und zwar ins Weinglas. Begeistert und umgehauen hat mich eine Cuveé aus Umbrien. Die Gegend ist nicht unbedingt als eines der Aushängeschilder des italienischen Weinbaus bekannt, aber gerade deshalb einen Exkurs wert.
Früher war Umbrien mal bekannter. Mancher erinnert sich vielleicht noch an Orvieto, ein Weißwein der bis in die Achtziger weit verbreitet war, sich aber durch immer mehr Massenproduktion und Einheitsbrei selbst erledigte.

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Kaum eine Weinbauregion mag ästhetischer anmuten als die Toskana. Historisch noch vor der Romanisierung bereits bedeutend, lassen sich ich heute in Städten wie Arezzo die baulichen Spuren der Etrusker wie z.B. polygonales Mauerwerk immer noch finden. Fast jeder Blickwinkel der Landschaft hat das Potential, es als Panoramabild in diverse Sehnsucht erweckende Reiseprospekte, auf die Nudelpackungen dieser Welt oder die Leinwand zahlreicher Hobbymaler im Urlaub zu schaffen.

Die offene Architektur der Landhäuser mit ihren freien Dachräumen, sowie eine reichhaltige Kulinarik – abend´s, wenn die große Hitze vorbei ist – lassen einen bereits an die Rente und ein kleines Häuschen dort denken. Wer in die Toskana fährt, kommt mit Fernweh zurück!

Chianti außerhalb der Hauptreisezeit: viel schöner im September? Vor allem nicht so heiß UND Erntezeit. Bild: Francesco Sgroi

 

[dropcap1]D[/dropcap1]ie Toskana ist auch Antinori-Land. Das Weingut, besser die Familie dahinter, ist eine recht große Nummer. Begonnen hat das alles vor über 600 Jahren, mittlerweile wirtschaftet die 26. Generation. Mit mehreren Weingütern in der Toskana und einem in Umbrien ein Magnat der Seinesgleichen sucht. antinori chianti classico riserva weinblog
Dazu gehören die Weingüter Pèppoli, die weltberühmte Tenuta Tignanello, Badia a Passignano, das Castello della Sala, die Tenuta Pian delle Vigne, Tenuta Guado al Tasso und schließlich das Stammhaus Antinori; zusammen mal läppische 760ha Rebfläche.

"Villa Antinori Chianti Classico Riserva 2011 Toskana" weiterlesen

Klar, das kann nur einer sein. Lukas Krauß. Liefen vor einigen Jahrzehnten sicher noch viele Winzer mit dieser „Berufskleidung“ durch den Wingert, am besten noch mit grüner Kittelschürz´, hat das heute Seltenheitswert Pornfelder

[dropcap1]D[/dropcap1]er in den sozialen Medien permanent herumgereichte Lukas Krauß, aber auch vom konventionellen Druckwerk immer häufiger „entdeckte“ Lambsheimer ist sicher ein Phänomen unserer Zeit. Mit bewusstem Nonkonformismus schafft er sich einen nachhaltigen Widererkennungswert. Marketing kann er, muss man heute auch können! Auch er muss seinen Wein letztlich wie alle anderen verkaufen. Dazu gehört Arbeit, dazu gehört Werbung, ohne Fingerschnippen geht´s halt nicht! Pornfelder

Lukas Krauß erneuert ohne das Rad neu zu erfinden: Wo andere mit Sternchen, bunten Kapseln oder was auch immer ihre Qualitätsampel bedienen und klanglos in der Masse verschwinden, setzt er dieser einfach den Hut auf.
Ein Hut sind die Gutsweine, zwei Hüte die goldene Mitte und drei Hüte die besonderen, die großen Gewächse… Eigentlich ganz einfach, nicht prätentiös, vor allem sympathisch entspannt.

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