Kurzvisite im Elsass. Und wieder begeistert. Komme nicht drum herum immer wieder von diesem Flecken Weinparadies zu schwärmen. Wermutstropfen: Viele Weintrinker vermuten hier alles mögliche, nur eben kein Weinparadies. Eine Frage der Definition!

Wein des Monats: Mai 2015

 

[dropcap1]N[/dropcap1]un, es gibt im Elsass – ja, wie soll man sagen – gewisse Blüten der Weinstilistik die nicht jeden begeistern. Der häufige Vorwurf: Etwas belangenlos, gerne im Stil von vielleicht vorgestern, dazu immer süßer und internationaler. riesling-wymann-elsass
Wie das so ist, an jedem Ruf mag auch was dran sein, oder, wenn man nur lange genug mit Sch…. schmeißt, bleibt schon irgendwann was hängen. Bei all der Kritik die das Elsass immer wieder einstecken muss, es ist tatsächlich alles andere als homogen. Aber wer will das schon?

So wie es nicht DEN Wein gibt, wird es auch nie DIE Region geben. Auch im Rheingau und an der Mosel gibt es Schrott. Wein ist eine unglaublich von Moden und Ästhetik durchzogene Welt. So manche Region hat einfach das Pech nicht gerade en vogue zu sein. Wenn überhaupt einer nach Qualität fragt; die ist dann auch noch subjektiv: Verdammt! Kurzum, Gerechtigkeit gibt es in der Weinwelt keine. riesling-wymann-elsass

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Französischer Gestaltungswille trifft auf deutsche Schlegelflasche

Das Elsass ist für mich eine der spannendsten Weinregionen Europas. 
Das Elsass ist das einzige Weinbaugebiet Frankreichs, in dem heute der Anbau von Riesling erlaubt ist, die meisten Weine werden konsequent auf die Schlegelflasche gefüllt.
Die in Frankreich besonders bei den Rotweinen übliche Assemblage mehrerer Grundweine ist dem Vin d´Alsace weitestgehend fremd, auch schreibt der elsässische Winzer die Rebsorte groß auf die Flasche, als sich mit klingenden Namen wie Château Mayonnaise und Grand Vin de Irgendwo zu schmücken. wymann weinblog pinot noir

Das Elsass ist ein Schmelztiegel deutsch-französischer Weinkultur. Spricht man den Winzer darauf an, ob er sich denn nun eher zu der deutschen oder französischen Kultur hingezogen fühle, fallen die Antworten selten sehr deutlich aus, viele sehen in der Vermischung den großen Vorteil und antworten „deutsch, französisch?… Alors, elsässisch!“ und lächeln wissend.
Das Elsass erstickt nicht wie andere Weinbauregionen Frankreichs am eigenen Namen. Bordeaux – einst ein Stern am französischen Rotweinhimmel – fällt in den letzten Jahren stetig. Auch Burgund wird gern als überteuertes Minenfeld, weniger als durchgängig zuverlässiger Lieferant gesehen. Viele Weine sind für die breite Masse extra gefällig gemacht.
Im Elsass ist dies nicht der Fall, man hängt zu sehr an der facettenreichen Identität, was in unterschiedlichen Weinen zur Ausprägung kommt. Genau das ist das Potential des Elsass! wymann weinblog pinot noir

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