Joh. Jos. Christoffel Erben 2011 Ürziger Würzgarten Riesling Mosel

Cristoffel Erben derWeinblog Alex Schilling Wein
Wenn der Name, nicht der Wein nachhallt…
von Alex. Schilling

Moseldoppelpack, betriebsinternes battle beim Weingut Joh. Jos. Christoffel Erben. Es treten an, aus demselben Jahrgang und Weinberg ein feinherber Kabinett, sowie eine trockene, demnach „durchgegorene“ Spätlese; zudem aus alten Reben.

1. Joh. Jos. Christoffel Erben 2011 Ürziger Würzgarten Riesling Kabinett feinherb
2. Joh. Jos. Christoffel Erben 2011 Ürziger Würzgarten Riesling Alte Reben Spätlese trocken

Auch wenn der Begriff alte Reben gesetzlich nicht geschützt ist, kann man in diesem Fall von Rebstöcken in einem Alter von mindestens 30 Jahren ausgehen. Das ist nicht nur Marketing, sondern bei Betrachtung der lebenszeitlichen Leistung eines Rebstockes durchaus ein Qualitätsmerkmal. Man muss da aber sehr auf passen, der demographische Wandel in Deutschland scheint sich recht “stark” auf die Rebstöcke auszuwirken. Überall alte Reben… Würde mir eine gesetzliche Regelung des Begriffes mittlerweile sehr wünschen.

Das traditionelle Weingut, welches gerade in den 1980er und 90er Jahren einer der auch international anerkannten Spitzenbetriebe der Mosel war, ist Mitglied des VDP und seit 2001 an Robert Eymael verpachtet, der wiederum das Weingut „Mönchhof “ sein eigen nennt. Der Besitzer Hans Christoffel verblieb aber als Kellermeister noch lange im Betrieb, wer allerdings heute als Kellermeister verantwortlich ist, entzieht sich meiner Kenntnis.
Da die Weitergabe dieses 400jährigen Traditionsbetriebes innerhalb der Familie ungewiss ist, fristet das Weingut momentan mehr oder weniger einen Dornröschenschlaf und dümpelt weitab der früheren Qualitäten herum. Geld kosten die Weine immer noch, auch die Lage verspricht eigentlich – wenn auch Großlage – recht charaktervolle Weine.

Der Ürziger Würzgarten ist mit über 50h Rebfläche sehr groß. Auf ihm tummeln sich einige bekannte Weingüter wie Dr. Loosen, Markus Molitor und S.A. Prüm aber auch viele kleinere Weingüter für den studentischen Geldbeutel. Seine südöstliche Ausrichtung beschert ihm reichlich viel Sonne, die Traube erreichen hohe Reifegrade. Zu 80% erfüllt der Wingert die Kriterien für eine Steillage, der Rest bildet Hanglagen aus. Man sagt dem Ürziger Würzgarten nach, dass sein Name  Programm ist; er steht für kräftigen, teils auch exotisch würzigen Riesling. Seine Bodenzusammensetzung aus so genanntem Rotliegenden (durch einen hohen Anteil an „Eisenoxyden“) und Schiefer macht ihn nicht nur an der Mittelmosel, sondern an der gesamten Mosel zu einer geologischen Besonderheit. Im spezialisierten Handel sind ältere Jahrgänge vor dem Jahr 2000 nicht unter 90€ zu haben. Die Messlatte hängt also heute sehr hoch!

Querverkostet:
Im Glas wirken beide sehr hell, reingelb ohne grünen Stich. Auffallend ist, dass beim feinherben Kabinett anscheinend noch ordentlich Kohlensäure vorhanden ist. Er braucht doch eine ganze Weile sich zu beruhigen, vor allem bildet er beim schwungvollen Eingießen eine fast geschlossene Schaumdecke. Und wieder die bange Frage, ob man damit nicht vielleicht noch hätte warten sollen?
Im Bukett liegen beide leider doch sehr nah zusammen. Die Spätlese wirkt nur einen Hauch seriöser, der Feinherbe spielt  – wie zu erwarten war – mit etwas mehr Frucht. Allgemein zeigen beide, gelbe Äpfel, etwas Birnen und auch Pfirsisch.  Begleitet werden diese Aromen von leicht exotischen Anklängen, irgendwas zwischen Zitrone und Grapefruit. Es sind aber auch würzige Komponenten wie eine leicht pfeffrige und an frische! Paprika erinnernde Note dabei, die beiden Weinen in der Nase schon fast Finesse verleihen. Unverkennbar ist aber auch bei beiden eine subtile Säure, die vor allem der Spätlese besser steht. Beide haben eine leicht salzige Zungenspitze gemein, wenn auch beim Feinherben erstaunlicherweise stärker ausgeprägt.

Riesling Kabinett feinherb:
Der feinherbe Kabinett zeigt sich am Gaumen weicher und in der Säure weniger direkt. Wie sich das bereits in der Nase ankündigte, ist er in der Frucht etwas betonter. Der Zuckergehalt trägt dazu wesentlich bei, er bleibt auf andere Weise dennoch recht frisch und kühl. Die würzigen Facetten der Spätlese drücken sich beim Kabinett in einer betonteren Paprikanote aus, die pfeffrigen Töne gehen ihm dann aber völlig ab. Dadurch bleibt er im Nachhall etwas leiser und kürzer. 

Riesling Alte Reben Spätlese trocken:
Die Alten Reben zeigen sich am Gaumen würzig, auf der Zunge bleibt er fast schon pikant liegen. In der Säure recht hoch, aber für Rieslingnerds dann im Gesamtbild eben doch der Unterschied zwischen Masse und …ja, etwas besser. Gehauchte Reminiszenz an Grüne Veltliner, Anklänge von weißem Pfeffer und Paprika, ganz am Ende auch leicht mineralisch, am Gaumen bleiben eher zarte Eindrücke von Maracuja. Für Rieslingfans kommt der Wein kaum über die Kategorie „trinkfreudig“ hinweg. Er bietet nicht genügend Argumente, um sich damit länger auseinandersetzen zu wollen, zeigt weder Kanten, noch Finesse. Leider sehr geradlinig, dass er als Basiswein für 6,90€ gegenüber dem Kunden fairer vermarktet wäre. Viele, sicher nicht alle! Weingüter bekommen sowas für unter 10€ recht gut hin.

Resultat:
Trotz der ausführlichen Betrachtung liegen die Weine sehr nah beieinander. Beinahe könnte man die Etiketten auch einfach tauschen. Von derart unter verschiedenen Vorzeichen abgefüllten Weinen kann man mehr Charakter und weniger Uniformität erwarten!
Am Ende zeigt sich, dass der Ruf des Weingutes aus früheren Zeiten nachhallt, Name und Lage
noch lange keine Berechtigung für dieses Preisniveau sind. Hier müsste der VDP.handeln… Platzhirsch an der Mosel? Eher nicht (mehr)! Die Lieblosigkeit im Umgang mit diesem Weingut als reine Profitsache schmeckt man ganz offensichtlich!

Beide für etwa 15€.

2 Gedanken zu „Joh. Jos. Christoffel Erben 2011 Ürziger Würzgarten Riesling Mosel“

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