Erst vor kurzem hatte ich über einen besonderen Wein aus Churfranken berichtet. Churfranken… ja, was genau ist denn das? Wer Franken und die Franken kennt, wer wie ich in Franken lebt, weiß um Begriffe wie Ober-, Unter- und Mittelfranken, die Bayern da unten und wir hier in Franken. Aber Churfranken?
Das harte Leben eines Franken wird im Wesentlichen durch einen seit über einem Jahrhundert sowohl stolzen wie kühnen Kampf geprägt. Es ist der Kampf gegen Bayern, der Kampf gegen weiss-blaues Gschmarri und schlichtweg die Freiheit an sich. Die nagende Gewissheit, dass das wohl nichts mehr wird mit dem Freistaat Franken, spült man dann auch gern mit dem einen oder anderen Seidla Bier oder Wein herunter. Aufm Keller natürlich und nicht im Wirtshaus! Der gedankenlose Ausdruck „Franken im Freistaat Bayern“ kann in Städten wie Bamberg zu später Stunde mitunter lebensbedrohlich sein. Die Besetzung Frankens im Jahre 1803 durch kurbayerische Truppen fühlt so mancher Patriot im vom Kampf geschundenen (Sitz)Fleisch noch immer tief klaffen! Churfranken Wein Churfranken Wein Churfranken Wein

Nun, ganz Franken im Abwehrkampf gegen die Bayern? Churfranken will da nicht so recht reinpassen. Fragt man Verena Waigand, fränkische Weinkönigin 2010 und Juniorchefin des Weingut A. Waigand aus Erlenbach nach ihren historischen Wurzeln, stellt sich das „Chur“ fast schon als bedeutender heraus, als das restliche „Franken“. Nicht nur auf der Landkarte am äußersten Rand gerade noch in Bayern gelegen, lebt man hier eine eigene, historisch durchaus berechtigte Identität. Schließlich ist man bis 1806 churmainzisch gewesen, da taucht Franken als Begriff gänzlich unter.
In der Umkehr bedeutet das aber auch, dass, sobald man vom fränkischen Wein spricht, viele an die Würzburger Residenz, die Lage Würzburger Stein und dann in zweiter und dritter Reihe vielleicht noch an Iphofen und besagtes Kalb denken. Da hilft es wenig, dass selbst Riesenbetriebe wie der Staatliche Hofkeller dem churfränkischen Dorfprozeltener Predigtstuhl wohl einen der besten Frühburgunder des Betriebes entlocken.
Selbst der „heilige Bocksbeutel“ scheint den Winzern in Churfranken nur bedingt als Reliquie zu taugen. Man gehört zur Weinbauregion Franken, irgendwie… aber vor allem setzt man sich meiner Meinung nach von dieser auch qualitativ ab… und zwar deutlich! Die besondere Stärke, das Aushängeschild sind dabei die Rotweine.

In Churfranken drängeln sich die Weinberge entlang des Mains, eingeklemmt zwischen den südlichen Ausläufern des Spessart und dem nördlichen Odenwald; Steillagen mit 70° sind hier keine Seltenheit und wie gemacht für rote Burgunderweine, die – um auf die heutigen Beispiele einzugrenzen – auf dem roten Buntsandstein um Erlenbach und Bürgstadt vorzüglich gedeihen!

Der Kampf der Spätburgunder:

Churfranken Wein der weinblog

 

Es treten an Churfranken Wein Churfranken Wein Churfranken Wein Churfranken Wein Churfranken Wein

Weingut A. Waigand 09er Erlenbacher Hochberg Spätburgunder trocken, 15€
vs.
Weingut Helmstetter 09er Bürgstadter Centrgafenberg Spätburgunder -R- trocken, 17€

Beide Weine haben nun eine gewisse Reife hinter sich und ich bin fast geneigt eine Assoziation mit Pinot Noir aus dem Burgund vorzunehmen. Aber welches Burgund? Es bleibt nach wie vor ein Minenfeld… Alles muss man selber nachen: Beide Weine zeigen eine besondere Vielschichtigkeit, die bei genauerer Betrachtung aber dennoch zwei recht verschiedene Weine offenbart.
Im Glas geben sich die Kandidaten reichlich wenig, beide mit einem transparenten, vollem kirschrot und auch etwas rostigen Einschlägen. Erst nach einigen Tagen wirkt der 09er Bürgstadter Centrgafenberg -R- von HeImstetter ertwas oxidativer. Im Bukett dann offensichtliche Differenz. Während der Spätburgunder aus dem Erlenbacher Hochberg von Waigand mit deutlicher Kirschfrucht, aber auch leicht rauchiger Note startet, hat Erhard Helmstetter einen fülligeren, von Backpflaumen und leichter Würze geprägten Auftakt. So mancher Blog würde jetzt gleich wieder mit männlichen und weiblichen Attributen argumentieren. Ursula Heinzelmann, die sich in einem Beitrag des Slow Food Magazins zu Recht von solchen Begriffen distanzierte (hab das Heft gerade nicht da…), würde es mir letztlich nicht danken. Aber nicht wegen ihr, sondern einfach aus der Tatsache heraus, dass nicht alle Frauen nett und weich sind, kann ich daraus auch nicht ableiten, dass Winzerinnen einen grundsätzlichen, von männlichen Kollegen unterscheidbaren Stil hätten. Meinungen dazu bitte gerne unten ins Kommentarfenster!

Churfranken Wein Kellerromantik bei Helmstetter
Kellerromantik bei Helmstetter

Am Gaumen ebenfalls keine Einigkeit, Helmstetter geht den „bodennahen“ Weg, man hat Eindrücke von Laub, dunklen Beerenfrüchten, vielleicht sogar Pilzen. Jedenfalls muss ich spontan an die gestern mit Vergnügen verspeiste Jägerpfanne mit frischen Pilzen denken. Dabei auch eine spannende, leichte Bitternote, die man von Vernatsch aus Südtirol kennt und beim Bruder Trollinger aus Württemberg beinahe schmerzlich vermisst. Diese dann hier zu finden macht Spaß! Der Barriqueeinsatz schlichtweg gelungen. Präsente, mittlerweile weiche Tannine in einer Menge, die fast nach etwas mehr verlangt, der Wein bleibt aber ein Spätburgunder soll kein Tanninmonster sein. Churfranken Wein Churfranken Wein
Waigand wie schon in der Nase deutlich weniger bodennah, mehr in der Baumkrone zu Hause. Präzise Fruchtigkeit, saftige Extraktsüße beim dennoch trockenen Wein, am Gaumen weicher, der 15 monatige Ausbau im Barrique mit leichten Tönen von Vanille spürbar, die Bitternote ebenfalls vorhanden, wenn auch nur gehaucht. Dafür aber dann in der Säure etwas höher und somit gänzlich anders.  Beide Weine sind frisch und kühl mineralisch, hier wird die unmittelbare Verwandschaft der Böden wieder schmeckbar. Ist das schon Terroir? Antworten auch gerne im Kommentarfenster…

Die natürlich wichtigste Frage: Welcher ist jetzt “besser”? …puh *kopfkratz*! Ich jedenfalls brauche dringend Nachschub, von beiden! 😉

1 Gedanke zu „Churfranken, Rotweinfranken!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Blue Captcha Image

*