Claretum Wein – Aperitif Klostermühle Odernheim Nahe

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claretum - derWeinblog - Alex Schilling

Natur vs. natürliche Aromen… bitte was?
von Alex. Schilling

Wein des Monats Juni 2013

[dropcap1]J[/dropcap1]eder kennt es, jeder weiß es, Erdbeerjoghurt ist nicht echt! Die Mengen an Erdbeeren, die wir tatsächlich bräuchten um Erdbeerjoghurt herzustellen, gibt es nicht. Gleiches gilt für Himbeeren, Brombeeren usw. Diese Lücke schließen nicht mal die Chinesen mit ihren Plantagen, also werden so genannte „natürliche Aromen“ verwendet. Schmeckt (ein bisschen) wie Erdbeeren, hat sogar was mit „Essen“ zu tun, steht dann aber doch schon am Ende der Nahrungskette! Bei „natürlichen Aromen“ handelt es sich um biotechnische Erzeugnisse. Im Klartext: Man setze verschiedene Pilze oder Bakterien auf ihr Lieblingsfutter und hinten kommt dann Erdbeere raus… 

Bin kein Umweltaktivist, auch passiert beim Wein und dessen Vergärung fast nichts anderes. Hefen futtern Traubensaft und hinten kommt Wein raus. Aber: Die Pilze und Bakterien dürfen bei der Erzeugung von Aromen gentechnisch verändert werden, Vanillearoma ist z.B. ein Abfallprodukt der Papierherstellung, die Angaben auf Verpackungen für den Verbraucher absichtlich nichtssagend gehalten. Viele Menschen wissen solche Dinge einfach nicht. Gerade bei Gentechnik werde ich, was die Verträglichkeit angeht, vorsichtig. Denn Langzeituntersuchungen gibt es noch nicht!

Auch in der Getränkeindustrie gibt es solche natürliche Aromen. Erfreulich ist daher für mich der immer noch anhaltende Trend in der Erzeugung „naturnaher“ Limonaden, dennoch werden die „Kollegen“ des heutigen Getränkes, Aperitife wie Aperol und Co. immer noch weitestgehend künstlich hergestellt. Wasser, Zucker, Alkohol und Aromen. Sonst nichts.

Was hat das hier im Blog zu suchen? Meine Weinreisen – unter anderen an die Nahe – haben mich zu einem ganz besonderen Betrieb geführt. Das Weingut Klostermühle Odernheim hat mich nicht nur als Historiker und Weinmensch; sondern auch als Konsument überzeugt, der immer mehr auf Herkunft und Authentizität achtet. In den heutigen Zeiten von Bio – Supermärkten auch schon wieder (fast) leere Worthülsen, dann will ich das Pulver mal liefern.

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Gesellschafter und Kellermeister:  Thomas Zenz

Es ist erfreulich, dass es Betriebe gibt, die sich erfolgreich gegen künstliche, über Jahrzehnte etablierte geschmackliche Normen (wer weiß denn noch, wie echte Früchte schmecken?) stemmen, deren Identität darin liegt, einfach anders und eben nicht „einfach einfach“ zu sein.

Das Weingut Klostermühle Odernheim hat eine unglaublich lange und komplizierte Geschichte hinter sich. Ursprünglich gehörte es im Mittelalter zum Kloster Disibodenberg, in dem keine geringere als Hildegard von Bingen wirkte. Ihre Aufzeichnungen zur Pflanzenkunde sind heute ein Kulturgut. Später kam das Gut im 18. Jhd. in weltlichen Besitz, 1992 wurde es von den heutigen Gesellschaftern übernommen. Im Weingut weiß man um seine Herkunft, diese wird aktiv gelebt, der Begriff “Herkunft” ist Teil der Unternehmensstrategie. Vor vier Jahren wurde dann 2009 nochmals umstrukturiert, es entstand eine weitere Gesellschaft namens Boos von Waldecksche Hof Meisenheim, im Besitz der gleichen Gesellschafter wie der Klostermühle. Jener Hof hat sich der Erzeugung von hochwertigen Obst- und Tresterdestilaten verschrieben, ohne diesen wäre Claretum nicht möglich.

Bei Claretum handelt es sich nach dem Weingesetz um ein “Wein – Aperitif”. Erzeugt wird dieser aus Riesling vom Disibodenberg, der mit hauseigenem Fruchtlikör aus Brombeeren verfeinert wird. Dazu werden noch verschiedene Blütenblätter wie Rosenblätter extrahiert. Keine weiteren Zusätze, kein Zucker, keine zugesetzten “Erungenschaften” der Lebensmittelchemie, Korken drauf! Tatsächlich ist Claretum als Hommage an Hildegard von Bingen zu verstehen. Sie wird gern als „frühe Mitarbeiterin“ des Weingutes bezeichnet, historisch gesehen ist das nicht mal falsch…

Claretum hat sich bei uns am sonntäglichen Mittagstisch allerdings als Digestif etabliert, was aber doch letzlich egal ist. Es gibt heute wenige Möglichkeiten in meinem Leben, in denen Frucht so eindeutig echt am Gaumen spielt und man ohne Geblubber, Eiswürfel und weiteres Gedöns im Glas einfach zufrieden mit sich und der Welt ist. Doch, früher, als ich als Kind vor dem Brombeerstrauch stand, mir die Arme zerkratze und den Mund vollstopfte… Wer will, kann natürlich mit etwas Sekt mischen, was besonders bei den Damen enormen Zuspruch findet. Ich bleibe bei Erfrischung pur!

Gibt´s für 9,90€ hier, oder auch hier

1 Gedanke zu „Claretum Wein – Aperitif Klostermühle Odernheim Nahe

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