Der Kampf der Frühburgunder

luckert hofkeller derWeinblog Alex Schilling

von Alex. Schilling

Zehnthof Luckert 2008 „Sulzfelder Cyriakusberg“ Frühburgunder *** trocken, Franken vs. Staatlicher Hofkeller Würzburg 2009 „Dorfprozeltener Predigtstuhl“ Frühburgunder trocken, Franken. Der heutige Beitrag widmet sich der Fragestellung, ob denn teure Weine auch “besser” sind. Wie immer erf olgt die Bewertung rein subjektiv, wenn das jemand auch objektiv kann, so lasse er es mich wissen.

Frühburgunder wird in Deutschland mit etwa 250ha nun wirklich nicht viel angebaut, seinen bekannteren Bruder Spätburgunder kennt man dann immerhin von der Ahr, vor allem aber in üppiger Quantität aus Baden. Auch in Franken gibt es hier und da  Spätburgunder, aber nach Frühburgunder muss man dann schon sehr bewusst suchen, was mich zum Vergleich mit einem preislich weit unterhalb angesiedelten Wein zwingt, so aber die anfängliche Frage auf geworfen hat.

Wie der Spätburgunder ist auch der Frühburgunder keine Turbo – Rebe, keine eierlegende Wollmilchsau. Vielmehr ist seine Kultivierung von vielen Faktoren abhängig und letztlich auch im Keller f ür den Winzer mit gewissen Hürden verbunden. Vergärt man dann noch spontan ohne erfolgsgarantierende Reinzuchthefen, steht f ür den Winzer unter Umständen wirklich viel Geld auf dem Spiel; Luckert stellt sich diesem Risiko als kleiner Familienbetrieb im Besonderen. Mit ein Grund, warum solche Weine dann of tmals „etwas“ teurer sind, als halbtrockener Dornf elder aus der Literf lasche f ür 1,99€. Due heutigen Weine sind zudem im  Barrique ausgebaut. Diese Fässer zu 225 (227) Litern kosten in der Anschaffung schon mal im vierstelligen Eurobereich und können auch nicht Jahre lang benutzt werden. Möchte der Winzer seinen Wein in neuen Fässern ausbauen, muss er auch jedes Jahr neue Fässer kaufen.

Die Herkunftsbetriebe der beiden Probanden können unterschiedlicher nicht sein. Zum einen der Staatliche Hof keller in Würzburg, ein fränkischer Magnat mit Ersterwähnung im Jahr 1128, mit einem jährlichen Ausstoß von etwa 850.000 Flaschen bei 120h Rebfläche, VDP Mitglied und eines der größten Weingüter Deutschlands. Zehtnhof Luckert, ein Familienbetrieb mit 15h Rebf läche, zum Vollbetrieb (vorher auch Viehwirtschaft usw.) erst 1960 gewandelt und mit einer Produktion von unter 100.000 Flaschen; ebenfalls VDP Mitglied. Von Zehnthof Luckert hatten wir bereits einen überirdischen Blauen Sylvaner unter der Lupe.

Sensorik:

Die ersten Unterschiede bemerkt man beim Blick ins Glas, habe versucht dies auf dem Foto auch halbwegs zu zeigen. Beim Hofkeller ist die Filtrierung des Weines sofort zu erkennen, bei Luckert hingegen sind deutlich mehr Feststoffe enthalten, es wurde, wie er auch auf der Homepage schreibt, nicht f iltriert. Auch in der Nase sind sogleich Unterschiede auszumachen. Luckerts Wein kommt mit herben Fruchtnoten daher, Brombeeren, schwarze Johannisbeere und einer ganzen Hand voll
Piemontkirschen sowie leichten Vanille- und Holztönen mit Eindrücken von kalter Asche vom Barriqueausbau. Dieser Eindruck verstärkt sich nach dem Schwenken des Glases und dem benetzten der Glaswand mit Wein enorm! Letztlich kommt dann noch ein leicht balsamischer Ton dazu.

Die Nase beim Hof keller hingegen fällt deutlich fruchtbetonter aus. Die etwas hellere Farbe im Vergleich zu Luckert passt auch eher zu Himbeeren und Erdbeeren, die Vanillenote fällt etwas deutlicher aus, wobei dann aber die Holztöne fehlen. Es muss aber schon recht rabiat geschwenkt werden um hier nochmal eine Maximierung des Duf tes zu erreichen. Insgesamt bietet Luckert eine deutlich ausgeprägtere und komplexere Nase als der Hof keller.

Gaumen:

Hier legt der Frühburgunder von Luckert richtig los. Sofort wieder Fruchtaromatik, nun die schwarzen Johannisbeeren vordergründig mit etwas Cassis. Den Ausbau im Barrique merkt man sof ort, ohne dass dieser aber alles übertönt. Dennoch könnte dies f ür weniger holzaf ine Menschen ein Problem sein, hier fordert der Wein ein bisschen. Wer aber Holz mag ist da richtig. Auf der Zunge liegt er wunderbar weich, zeigt viel mollig rundes Tannin mit einer perf ekt harmonisierenden Säure. Das Ganze in wunderbarer Überleitung zum Nachhall, es leben Aromen von allerlei Gewürzen wie Zimt und Nelken auf . Der Nachhall macht es schwierig jetzt noch einen Wein zu probieren, daher halbe Stunde Pause und etwas Brot futtern.
Der Hof keller zeigt ebenfalls reife rote Früchte, Kirschen, Himbeeren und ganz entfernt etwas Cassis. Die Gerbstoffe fallen schwächer aus, sind ebenf alls weich und samtig. Besonders schön bei diesem Wein ist allerdings das Säurespiel, was ihn etwas knackiger und frischer als den Wein von Luckert macht. Er sollte auch etwas kühler als Luckert getrunken werden. Insgesamt sind die Holznoten dezent vorhanden und somit f ür jene sicher angenehmer, die kein Holz mögen. Vermute, dass hier nicht nur neue, sondern auch Fässer in Zweit- oder Drittbelegung zum Einsatz kamen (kostenrelevant!!!). Im Nachhall allerdings fällt der Wein dann im Vergleich zu Zehnthof Luckert Luckert herunter. Er ist da, ebenfalls mit würzigen Noten, aber hier geht dem Wein dann etwas die Puste aus. Luckert Hofkeller Luckert Hofkeller Luckert Hofkeller

Der Frühburgunder vom Hof keller ist und bleibt mit ganz oben was in Franken mit dieser Rebe angeboten wird. Die Frage also, ob der Preisunterschied auch im Glas spürbar wird, ist mit einem eindeutigen JA zu beantworten. Wem also die Kohle völlig egal ist und wohl so einen der besten (=komplexesten) Frühburgunder Deutschlands probieren will, sollte sich Zehnthof Luckert sichern. Aber auch der Hof keller bietet hier einen fränkischen Frühburgunder in der Königsklasse an. Luckert Hofkeller Luckert Hofkeller Luckert Hofkeller Luckert Hofkeller Luckert Hofkeller Luckert Hofkeller Luckert Hofkeller Luckert Hofkeller
Den Frühburgunder von Luckert gibt es für knappe 40€ bei K&U aus Nürnberg, der Frühburgunder vom Staatlichen Hof keller stammt von einem Weinladen in Forchheim bei Nürnberg. Für ca. 11€ aus dem Weindepot Weiß, übrigens Importeur feinster Piemonteser zu vernünftigen Preisen.

Puh, harte Arbeit , jetzt trink ich erst mal ein großes Glas Wasser Luckert Hofkeller Luckert Hofkeller Luckert Hofkeller Luckert Hofkeller Luckert Hofkeller Luckert Hofkeller Luckert Hofkeller Luckert Hofkeller Luckert Hofkeller Luckert Hofkeller 

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