Seit mehr als 1000 Jahren wird an der Nahe Wein angebaut. Als Spitzenerzeuger wirklich etablieren konnten sich die Betriebe zwischen Bingen am Rhein und Meisenheim am Glan aber erst in den letzten 15 Jahren. Zu lange stand das eher kleine Anbaugebiet im Schatten von Rheingau und Mosel als internationale Player und Aushängeschilder der Republik

[dropcap1]D[/dropcap1]abei wäre es dem Anbaugebiet und dessen Winzerschaft wirklich zu gönnen, ebenfalls als Vorzeiger zu gelten. Qualitativ gibt´s da nämlich nix zu deuteln. Im Gegenteil: Tradition kann schwer wiegen und wirklich im Wege stehen. Oftmals wird um längst erkaltete Asche getanzt und übersehen, dass der Kunde nach neuem Feuer, Glut und der Besinnlichkeit eines Lagerfeuers verlangt.

Weinbaugesetz 1971Zu Verdanken hat man den langsamen Aufstieg an der Nahe sicher auch dem in der Weinszene immer mal wieder heiß diskutiertem Weinbaugesetz von 1971. Ohne Herkunft und Profil geht aber nichts, der Paragraph definierte die Nahe als eigenes Weinbaugebiet, zuvor sprach man lapidar vom „Rheinwein“.

Längst werden an der Nahe in den einschlägigen Weinführern bestimmte Namen endlos repetiert, derWeinblog möchte aber dazu ermutigen nicht andere entdecken lassen, sondern selbst zu entdecken! Wie immer lohnt sich der Blick in die so genannte „zweite Reihe“, ganz besonders nach Bad Sobernheim.

 

 

Unerhört!

Im Falle des Weingutes K.H. Schneider aus Bad Sobernheim allerdings von zweiter Reihe zu sprechen wäre nicht fair. Auch gern benutzte Begriffe wie „talentiert“, „Jungwinzer“ und ähnliches sind nicht richtig. K.H. Schneider ist weit mehr als das. Das Weingut gehört nach meiner bescheidenen Meinung als bloggender Weintrinker längst zu den Top 10 im gesamten Anbaugebiet.

khschneider_Andi_ChristophMächtig Aufsehen erlangte man in Bad Sobernheim mit der Trockenbeerenauslese „Marbach“ aus dem Jahr 2011. Das Weingut räumte auf der Vinum Riesling Champion mal eben den ersten Platz damit ab; und zwar bundesweit! Obwohl vorwiegend als Produzent von feinem Riesling wahrgenommen, bekam man mit dem Marbacher Spätburgunder aus 2012 auch den deutschen Spätburgunderpreis verliehen.

Ob Weinautoren wie Hendrik Thoma und Stuart Pigott, oder Weinzeitschriften wie Falsstaff und Fine sind sich über die Qualität der Weine einig und freuen sich über einen neuen Stern am Rieslinghimmel der Nahe.

 

Tradition, dann irgendwie doch

Das Weingut K.H. Schneider ist ein 1957 gegründeter Familienbetrieb. Mit Andi Schneider ist seit 2007 die dritte Generation am Zug. Zusammen mit seinem Bruder Christoph arbeitet er federführend im Weinberg und Keller. Auch die Eltern sind im Betrieb voll involviert. Vater Bernd Schneider letztlich als Betriebsinhaber; nimmt sich aber mittlerweile auch gerne die Zeit, um mit der Harley durchs „Revier“ zu tuckern. Mutter Marion arbeitet in der klassischen Rolle der Verkaufsabwicklung und Buchhaltung.
Selbst die Großeltern denken mit ihren über 80 Jahren nicht ans Aufhören, täglich sieht man den Großvater auf dem Schlepper durch Bad Sobernheim fahren – auf dem Weg zur Laubarbeit, Spritzen usw. – was eben so anfällt.

khschneider_Domberg

Die traditionelle Arbeitsweise mit alten Stückfässern, das zum großen Teil spontane Vergären der Weine und die strenge Lagenkultur lassen den Vergleich mit den TOP 10 der Nahe mühelos zu. Wer bei Andi Schneider immer noch von „Jungwinzer“ und „talentiert“ spricht, sollte sich den enorm schwierigen Jahrgang 2014 genauer vornehmen.

Souverän arbeitete man sich durch das Jahr. Mit Schrecken erinnert sich Andi Schneider an ein mehr als ungünstigen Jahresverlauf. Die Kirschessigfliege fiel über Europa ein. Dann kam zur Erntezeit enorm viel Nässe in den Weinberg und alles musste ganz schnell eingebracht werden.
Gut ein Drittel der zuvor mühsam erzeugten Trauben landete bei K.H. Schneider auf dem Boden, nur die besten und gesunden Trauben durften auf die Kelter. Das Ergebnis ist in der Menge bescheiden, in der Qualität aber atemberaubend. Hier arbeitet jemand, der es kann. Chapeau!


2014 – jedes Jahr ein bisschen besser

Das Portfolio aus 2014 ist ebenfalls überzeugend. Erwähnen möchte ich einen absolut empfehlenswerten Roseé, einen Grauburgunder der endlich nicht mehr langweilig ist wie so viele seiner Art, ein Sauvignon blanc, der natürlich Andis Lehrzeit in Neuseeland wiederspiegelt.

Marbach_Domberg_Felsenberg

Dann die Rieslinge: Angefangen bei einem knackig frischem, trockenen “Basis” Riesling, bringt das Weingut auch überzeugende Ortsweine auf die Flasche. Der Sobernheimer Riesling „Roter Tonschiefer“ macht seinem Namen alle Ehre, mineralisch, rauchig im Nachhall; mit dem Riesling „Vulkanstein“ aus dem über die Grenzen hinaus bekannten Schloßböckelheim bekommt man eine trockene, leicht verspielte und elegante Fruchtbombe, die stilistisch an große Vertreter der Mosel anknüpfen könnte.


Marbach – Domberg – Felsenberg, Lagen, die man sich merken sollte

Während Andi und meine Wenigkeit beim Verkosten noch debattieren, ob denn nun der Riesling „Domberg“ oder „Marbach“ der Bessere ist, bestechen beide durch ihren eindeutigen Lagencharacter und bekunden Herkunft.
Am Ende entscheide ich mich für den Riesling „Marbach“. Nicht ohne noch zu erwähnen, dass die Lagenweine mit dem Riesling „Felsenberg“ aus Schloßböckelheim ein Trio ergeben, welches unbedingt einmal nebeneinander probiert werden sollte.

Wie geht´s weiter? Der Lagencharacter wird sicher noch geschärft werden. Es liegt in der Hand der Schneiders die zugegeben relativ unbekannten Sobernheimer Lagen Marbach und Domberg mit ihren Weinen bekannter zu machen.
Nachdem sich das Weingut von Racknitz aus Odernheim auf Grund privater Zerwürfnisse derzeit verkleinert und beinahe 10 ha Rebfläche abgegeben hat, wäre dies eine gute Möglichkeit zum Zukauf gewesen. Das Paket wäre aber für den momentan auf ca. 14 ha wirtschaftenden dann doch etwas zu groß gewesen. Die ein oder andere Fläche wird aber in den nächsten Jahren sicher noch dazu kommen.

[box type=”info” style=”rounded” border=”full”]Verkauf: Familie Schneider Mo–Sa: 10.00–18.00 Uhr Rebfläche: 12,6 Hektar Jahresproduktion: 70.000 Flaschen Beste Lagen: Sobernheimer Marbach und Domberg, Schlossböckelheimer Felsenberg Boden: Schiefer-Quarzit, roter Tonschiefer, oberes Rotliegendes, Porphyr http://www.weingut-schneider.com/[/box]

1 Gedanke zu „Domberg – Marbach – Felsenberg

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