Domdechant Wernersches Weingut Hochheimer Hölle Riesling Kabinett 2010 Rheingau

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Domdechant Werner - derWeinblog

Wenn alle mal wieder nach wild und hipp schreien, ist der Griff zur Tradition manchmal gar nicht verkehrt!
von Alex. Schilling

Über den Rheingau wurde viel geschrieben und wird auch noch viel geschrieben werden. Bekannte Weingüter, noch bekanntere Lagen und deren dauernd gleich bleibende Reputation in so manchen Printmedien lassen den einen immer wieder von neuem Jubeln: „Der Rheingau gehört mitunter zu dem Besten, was die deutsche Weinwelt zu bieten hat“, manch anderer gibt auf und hofft, dass sich „irgendwann was tut“. Was sich dann aber tun soll, schreiben nur wenige. Domdechant Werner
Für mich war das zumindest Anlass, mal punktuell ein Weingut herauszugreifen, von dem ein größerer deutscher Weinhandel glaubt, einen für den Rheingau typischen Wein anzubieten.
Mir stellt sich die Frage, ob dieses „Mittelfeld“ tatsächlich zu den Weinen gehört, „die schon lange keinen Hund mehr vom Ofen locken“ oder eben – um dann gleich noch ein Klischee zu bedienen – nur noch Oma und Opa vorgesetzt werden können. Der gewählte Betrieb ist sicher keiner der Innovatoren und Vertreter der „Jungen und hippen Garagenwinzer“, vielmehr genügt auch ein Blick auf dessen Homepage um schnell zu sehen, dass ein Großteil der Weine ins Ausland verkauft wird, unter anderem Schweden und die USA. Keine Absatzprobleme = kein Innovationsdruck.

Auch taucht das Weingut in der deutschsprachigen Weinpresse kaum auf, allein das Portal wein-plus verleiht dem Betrieb drei Sterne. Die übrigen Stimmen kommen alle aus dem Ausland, mitunter wurde das Weingut auf der International Wine Challenge London 2013 gleich dreimal mit Gold ausgezeichnet, auch Robert Parker vergab schon für den ein oder anderen Wein aus dem Weingut Domdechant Werner 90 Punkte. Sei´s drum…
Denke also einen alteingesessenen, traditionellen Wein vor mir zu haben, ohne das negativ zu meinen. Gerade als Historiker ist mir bewusst, dass Tradition und das Rückgreifen auf Bewährtes nicht grundsätzlich schlecht ist. Eine Tatsache, die mancher Schreiber in der 2.0 Weinwelt gern etwas ausblendet! Domdechant Werner

Domdechant Werner bewirtschaftet heute ca. 14ha in bekannten rheingauer Lagen, erzeugt zu 98% Riesling, der vorwiegend im Holzfass ausgebaut wird. Das Weingut steht für durchweg mineralische und lagerfähige Weine. Ein Eindruck aber, der sich bei mir mit diesem Wein erst spät einstellte. Das erste mal durfte ich diesen Wein vor zwei Jahren auf einer Weinprobe kennen lernen. Zugegeben wusste ich derzeit wenig damit anzufangen, empfand ihn als flach, unzugänglich und somit recht dünn. Schon wollte ich wieder lospoltern über „alteingesessene Betriebe“, gerade gut genug für das „Bedienen von Kaffefahrten“ usw.,  beschloss aber, ein paar Flaschen in den Keller zu legen…

Verkostungsnotiz:
Heute präsentiert sich die Hochheimer Hölle von Domdechant Werner in einem kräftigen Gelb mit grünlichem Einschlag. Da ich immer die gleichen, handgespülten Gläser für meine Weine verwende, kann man einer leichten Schlierenbildung etwas abgewinnen, auch bei Schwenken zeigt sich, das Stöffchen hier ist ein bisschen dichter. Ein ganzer Früchtekorb kullert einem entgegen, reife Äpfel, Pfirsiche, etwas Quitte und Grapefruit liegen zum Greifen nah. Ganz versteckt ist da noch ein blumiger Touch, mag vielleicht sogar irgendein Rosacea-Gewächs sein. Vor allem deutliche Kräuternoten und, auch wenn einige sagen, dass das nicht möglich wäre, bereits jetzt deutlich mineralische Noten. Domdechant Werner
Am Gaumen wie im Glas bereits ersichtlich charmanter Schmelz bei aber auch packender Säure. Hinzu kommen etwas Mandel, Karamel und Bienenwachs. Schöne, auf den Zähnen spürbare Mineralik und hoher Extraktwert unterstreichen diesen sicher etwas kräftig geratenen Kabinett, der aber völlig überzeugt. Authentischer rheingauer, sogar authentische Hochheimer Hölle! Viele Weine aus dieser Lage kosten deutlich mehr, ohne aber mehr zu bieten! Zwei oder drei Jahre wird der Wein noch liegen können.

Den 11er gibt´s ab Hof für 9,75€

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einen weitereren, interessanten Blogbeitrag über das Weingut gibt es hier

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