und Wein des Monats Juli 2015

[dropcap1]H[/dropcap1]eute gibt’s nen Außenseiter. Sauvignon blanc von der Nahe. Meist eine opulente bis fragwürdige Erscheinung; die Kunst der Zurückhaltung pflegt bei diesem Wein das Weingut Emmrich-Montigny aus Bad Kreuznach. Der seit 300 Jahren am Ort ansässige Familienbetrieb weiß mit Sauvignon blanc umzugehen und keltert daraus einen leckeren „hauwech-Wein“ ohne dick aufzutragen. Keine plakative Aufdringlichkeit, keine „Maul voll Gras“ oder Omas eingemachte Stachelbeeren von vor zwei Jahren.

Emrich-Montigny-SauvignonUnd wie es der Zufall will: Ein Anlasswein in der Art, wie es Manfred Klimek heute Morgen schon auf seiner Seite geschrieben hat. Das mag mir jetzt den Ruf des Trittbrettfahrers einbringen, mein Text war aber gestern Abend schon fertig, ehrlich… ach, auch eigentlich wurscht!

Sauvignon blanc muss nicht jeder Winzer im Programm haben. Häufig steht er auf viel zu schweren Böden, produziert dort wunderbar viele Trauben, ist dafür aber so lala. Magere Böden liefern hingegen die bessere Qualität, auch bewusste Reduktion und sorgfältige Laubarbeit sind unabdingbar. Was aber auch schon längst für alle Weine gilt.

Viele Winzer wollen ihn aber haben. Seit er durch besondere Klone weniger anfällig für allerlei Pilzerkrankungen ist und der Ertrag dadurch gesichert, ist er wirtschaftlich durchaus interessant. Dafür steht er in Frankreich auch Platz vier der am Meisten weißen angebauten Reben, weltweit sogar auf Platz zwei!

Ihren Ursprung hat die Rebe wohl an der Loire, so genau weiß man das nicht. Von hier stammt auch der Weltwein Sancerre, der nichts anderes als Sauvignon blanc ist. Von hier stammen hoch elegante, feinwürzige und zuweilen rauchige Weine, die in anderen Teilen der Welt umso rarer sind.
Gut, wer will kann auch bei Sancerre mächtig daneben greifen, ein Allheilmittel ist der Name nicht.

Umso erfreulicher für mich heute einen Sauvignon blanc aus Deutschland vorstellen zu können, der weitab großer Namen durch Inhalt überzeugt; die Sehnsucht nach Frankreich nicht nur weckt, sondern ein bisschen befriedigt.

Frisch, Schmelz, Frucht und moderate Säure; das heiße Wetter in diesen Tagen wird damit schon erträglicher. An der Nase gelbes Obst, gern auch etwas Pfirsich, am Gaumen etwas Paprika und genannte Beerenfrucht, im Nachhall würzig fein. Kein „intelektueller“ Wein (eh bloß Weingeschwafel!) sondern einer dieser aufschrauben und passt Weine!

Gibt es ab Hof für nicht mal 8€, zugreifen!

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