falstaff weinguideHans Mahr, der Herausgeber von Falstaff formulierte die Motivation und den Anspruch für dieses Buch so: “Daher war es höchste Zeit, dass der Falstaff als führendes Weinmagazin den deutschen Wein … unter die Lupe nimmt und einen Guide zusammenstellt, in dem man tatsächlich alles Wissenswerte über Deutschland und seine Weine erfährt.”

Das Zitat spricht für sich. Zumindest an Selbstvertrauen mangelt es nicht und dem Weintrinker vorzuschreiben, was wissenswert ist, grenzt ein bisschen an Anmaßung. Der 2.0 Weintrinker wird von solchem Gedröhn schlichtweg verschreckt!

Vor wenigen Monaten sickerte also durch, dass nun auch Falstaff – bisher bekannt als Hochglanzweinmagazin – einen Weinführer für Deutschland herausbringen wird, für Österreich und Südtirol gibt es diesen schon einige Jahre. Gelinde gesagt war das Echo in den so genannten sozialen Netzwerken, also Facebook enorm, dafür aber auch eklatant laut. Aufreger in den verschiedenen Weingruppen war vor allem, dass sich Weingüter mit ca. 500€ in diesen Guide einkaufen müssen.
Gerade unter VDP Betrieben stieß dies sauer auf, dennoch haben es dann natürlich einige getan. Dabei werden die Weine mittels Punkten eingeordnet, können somit auch als schlecht befunden werden. Weinjournalismus ist das keiner, dass möchte der Weingude 2014 von Falstaff auch nicht sein. Es geht am Ende um Empfehlungen, wer das Buch kauft, will auch genau jene haben!

Was ist zu erwarten von einem Buch, das mit verdächtig wenigen 19,90€ zu erwerben ist und offensichtlich in den Gewässern von Eichelmann (29,95€) und Gault& Millau (29,99€) fischt. Zumindest weniger Quantität. Falstaff führt 300 Winzer auf, im Eichelmann sind es fast 1000; das aber ist für mich noch kein Kriterium. Sage dass, weil  so mancher der Netzweinschreiber nasse Augen bekam und jetzt enttäuscht sein wird, dass sich Falstaff weitestgehend treu bleibt und gegenüber dem eigenen Magazin nicht um 180° dreht. 

Auch wenn jene Stimmen nicht müde werden, Falstaff und weitere Weinmagazine totzureden, deren Aufmachung und Inhalt entspricht nach wie vor dem, was große Teile des Weinmarktes wollen. Da hilft es dann auch wenig, wenn Blogger sich als „Nichtweinguidenutzer“ outen, dann aber seitenweise eben über genau diese schreiben.

Die in Facebook und auf Bloggs vertretenen Kommentare zur Weinwelt mögen mehr in die Tiefe gehen, mit den dort zelebrierten, immer gleichen 30 Winzern meinetwegen auch Avantgarde sein, sind aber bei weitem keine repräsentative Schnittmenge dessen, was jene Weintrinker interessiert, die zwar einerseits nicht mehr ins Weinregal im Supermarkt greifen, aber andererseits von Orange Wein und Co. eben auch nichts wissen wollen. Die Zielgruppe ist klar abgesteckt, dafür reicht dann auch schon ein Blick auf die Umschlagsrückseite. Das vorliegende Werk ist sicher ein Vertreter der klassischen Weinschreiberei.

Im Weinguide sind alle Weinbaugebiete Deutschlands alphabetisch gelistet. In dem Artikel zur Ahr vermittelt Sebastian Bordthäuser ab S. 26 zum einen Gundlagenwissen, was so auch in jedem anderen Weinguide stehen könnte. Er gibt ein paar Informationen für Reisefreudige mit dazu um dann in dieser Ausgabe für 2014 auf das Weinjahr 2011 einzugehen. Aha, man beschäftigt sich also mit der Lagerfähigkeit von Weinen, mit der Notwendigkeit von Reife z.B. beim Früh- und Spätburgunder.
Man bestreift weiter die physiologischen Stationen des Weinjahres, für den Leser sicher kurzweilig, und erfährt dabei, was in 2011 an der Ahr alles nicht schiefgegangen ist. Man bekommt Appetit!  Es folgt die Liste meist eher bekannter Winzer mit kurzem Portrait und Weinbeschreibungen. Diese sind erstaunlich trocken gehalten, keine Lyrik, kein Geschwülst von Autoren, die offensichtlich mehr Spaß an Worten, als an Weinen haben. Kurz und präzise werden verschiedenste Aromen-Assoziationen  abgefeuert, hier kann man sein Vokabular bezüglich Verkostungsnotizen noch erweitern. Die einzelnen Weine werden mit Punkten klassifiziert, mindestens 85 von 100 waren notwendig, um in den Weinguide aufgenommen zu werden.

Sachliche Patzer fielen mir nicht weiter auf. Ausnahme ist das gern auch von der Weinwerbung ewig repetierte Märchen der tagsüber speichernden und nachts an die Reben Wärme abgebenden Gesteinsböden so mancher Weinberge. Das mag an sich ja sogar sein, solange aber die Rebe nachts im Dunkeln steht, wird sie, ob nun muckelig warm oder nicht, keine Photosynthese betreiben, keinen Stoffwechsel haben und somit auch nicht zu einer besseren Qualität beitragen. Es gibt aber weitaus schlimmere Mythen…

Letztlich gilt also, dass dieser Weinguide – wie alle anderen auch – nicht Ultima Ratio ist und schon gar nicht bedeutend im Sinne des ersten Absatzes. Vielmehr spiegelt er den Geschmack von erfahrenen Fachleuten in Form einer Verkostungsredaktion wieder und lässt sich somit in die Reihe Eichelmann und Gault&Millau stellen. Auf den dritten Platz.
In Zukunft werde ich dennoch in drei statt nur zwei Bücher schauen. Leider wird es wohl häufiger passieren, dass das gesuchte Weingut nicht verzeichnet ist. Die Liste bekannter Namen an der Ahr und Mosel liest sich wie in so vielen anderen Publikationen ähnlich langweilig, in der Pfalz sieht´s kaum besser aus. An der Nahe wird Dönnhoff zum Erstaunen dann doch gemieden und mit Hexamer und Klostermühle Odernheim zwei Weingüter genannt, die bisher wenig stilisiert wurden.
Ganz kleine und unbekannte Weingüter hätten die Gunst der Stunde gegen 500€ Gebühr nutzen können… Werbungskosten kann man absetzen! Ja, es ist riecht gerade leider unglaublich nach Marketing, entsprechenden Etats und unschönen, weil nicht zur Märchenstunde passenden Marktrealitäten. Falstaff wird hier an Bedeutung gewinnen und seine Stellung ausbauen.

Eigentlich ein typisches Geschenk für all jene, die einem „der trinkt gern Wein“ nicht die x-te Flasche, sondern „mal was anderes“ schenken wollen. So gesehen eine deutlich sinnvollere Investition, als etwa 50€ oder mehr für einen Parker-Wein hinzublättern.

In jedem Buchladen um die Ecke zu haben, oder innerhalb eine Tages dort bestellbar! Weitere Besprechungen findet man hier und hier

Peter Moser, Axel Biesler und Sebastian Bordthäuser
falstaff. Weinguide 2014 Deutschland

386 Seiten, Format 22 x 15 cm
Softcover, durchgehend Farbfotos, illustrierte Karten
Preis 19,90 € (D)
ISBN 3902660309

(Alle Abbildungen gemäß § 16 Abs.1 UrhG mit Verlags-Genehmigung)

 

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