de gustibus et coloribus non est disputandum!

Im Glas zeigt sich der Grauer Burgunder trocken 2012 von Genheimer-Kiltz aus Gutenberg an der Nahe recht blass, auch schäumt der 12er noch richtig auf. Das Bukett bietet einen vollen Griff in die Auslage von tropischem Flugobst, primär deutlichste Banane, dann Ananas, Mango, bisschen Sternfrucht. Glaube aber auch heimisches wie Stachelbeeren und Erdbeeren wahrzunehmen. Das Weingut Genheimer-Kiltz betont auf seiner Homepage die „brilliante Frucht“ seiner Weine, ehrlich gesagt habe ich mit solchen Fruchtbomben Probleme.
Genheimer-Kiltz-der weinblog

Kein Wein muss spontan vergoren werden und Holz sehen, auch wenn dies einem Grauburgunder gut steht. Falschen Dogmatismus überlasse ich anderen. Reinzuchthefen sind für mich auch ok, aber einen so offensichtlichen Einsatz von Aromahefen finde ich heutzutage unnötig! Will keinem Winzer seine Arbeit erklären, aber das Ding ist mir einfach too much! Hier befindet sich trotz Handlese und Ertragsreduktion nicht nur der Weinberg, sondern auch viel Keller im Glas. Technisch ist der Grauburgunder völlig in Ordnung, sensorisch erlaube ich mir aber das Urteil, hier einen Exkurs an die Nahe vor dem Jahr 2000 im Glas zu haben, die Kundschaft gibt´s halt eben noch. Zuckerschwänzchen inclusive, das Ding ist nach dem Gesetz wohl noch gerade so trocken, bei etwas höherer Säure wohlgemerkt. Im Nachhall leicht würzig, ein Pefferl, wie man es vielleicht von Grüner Veltliner aus der Wachau kennt. Die Weinnummer 0512 des Weingutes Genheimer-Kiltz ist für 5,70€ ab Hof definitiv Geschmacksache!

Der Spätburgunder trocken 2010 hingegen ist ein richtiges Brett! Er zeigt sich als eine Herausforderung im besten Sinne. Er ist wunderbar kühl, zugleich ausdruckstark; hat keine barocken Schnörkel, dennoch einiges zu sagen ohne zu brabbeln. Schneller Trinkspaß ist möglich, wobei man besser mal zuhören sollte:
Ins Glas bringt das naturnah wirtschaftende Weingut Genheimer-Kiltz rebsortentypische Transparenz mit eindeutigem, rostigen Einschlag. In der Nase primär Eindrücke von Geräuchertem, Speck und dunklen Beeren. Sekundär Eindrücke von Tabak, Süßkirschen und Backpflaumen. Am Gaumen volles Aromentheater, wieder dunkle Beeren, getrocknete Wachholderbeeren neben ungewöhnlichen wie Weihrauch und Fichtenharz. Geschmeidige Tannine zeugen von einem gekonnten Einsatz der Barrique und bleiben wirklich fast ewig auf der Zunge liegen, Nachhall ist wunderbar rauchig und sogar mineralisch. Das zu erkennen fällt mir bei Rotweinen immer sehr schwer… In der Säure eher etwas dominanter, ein Spätburgunder für Rieslingfreunde. Der Kellerkandidat kostet ab Hof 6,90€.

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