Mein erstes Rendezvous mit einem Schweizer ist steinig. Gut, kommt ja auch aus den Bergen. Am Ende geht die Begegnung sehr gut aus. Es bleibt aber die Frage, warum der Handel bezüglich Schweizer Weine so dermaßen laut schnarcht, dass es einen  – gerade angesichts des heutigen Weines – schon fast wütend macht!

[dropcap1]D[/dropcap1]as Wallis ist eine kleine, feine Weingegend der südwestlichen Schweiz. Nicht nur von der Rhône geteilt, läuft durch das Wallis auch eine Sprachgrenze. Im Oberwallis wird Walliserdeutsch gesprochen; südlich der Rhône bedient man sich einer der drei Amtssprachen der Schweiz, man spricht französisch. Da ich beides kaum verstehe, hab ich mir mal Wein besorgt. germanier wallis

Der nächste Urlaub? vielen Dank an Andreas Durst


Nicht nur in ihrer Sprache unterscheiden sich die Menschen im manchmal zynisch genannten „Röstigraben“ doch sehr. Den “Deutschen” sagt man nach, sie seien hart, verspannt und viel zu streng. Südlich von Bayern und immer noch Preußen? Anscheinend ja… Die “Franzosen” hingegen leben laissez faire und wären in ihrer Lebensart schon wesentlich südländischer geprägt. germanier wallis

Selbst in den Weinen schlüge sich das nieder, die oberwalliser Weine sollen kerniger und herber sein, wogegen die südlichen Weine mehr Frucht und Charme zeigen. Sei´s drum… nur her damit!

Der Winzer Jean René Germanier ist eher für seinen aufwendig vinifizierten Syrah bekannt. Selbst über die Landesgrenzen hinaus spricht man von Germanier aus dem französischsprachigen Vétroz.
Ok, so „nebenbei“ ist der Mann seit 2010 Präsident des Schweizer Nationalrates, da kommt man ein bisschen rum.
Dieses Glück wird den schweizer Weinen eher selten zuteil. Kaum einer spricht über sie, auch der Handel zeigt an der Schweiz wenig Interesse. Banken, Käse, Berge, ja, das kennt man; aber irgendeiner müsste mal mit den Weinen beginnen. Wer, wenn nicht der Fachhandel? Dieser versteckt sich leider heute immer häufiger nur noch hinter dem bunten Katalog des Großhändlers. Überprüfe ich mal eben schnell alte Bekannte aus vergangenen Zeiten: Nein, Schweiz haben die nicht… Wage noch einen Versuch, nein, keine Schweiz!

Schade! Ob das nur an den zugegeben etwas höheren Preisen für Schweizer Rebensäfte liegt? Machen wir den Anfnag: Der heutige Les Terrasses von Germanier ist ein Ur-typischer Schweizer, genauer Ur- Walliser. Und den gibt´s  für etwas über 10€. germanier wallis

 

Die “Schweizer Terrassenmosel”

Das Wallis ist eine wunderbare, wenig entdeckte Weinbaugegend. Beeindruckende Extremlagen, Steilhänge mit 70 Prozent Gefälle sind hier völlig normal. Dafür ist die Weinbereitung aber auch nicht eben günstig. Keine Maschine, kaum ein Hilfsmittel kann in diesen Bereichen eingesetzt werden. Hier werden Weine von Menschenhand erzeugt, das kostet Zeit und Geld. Im Wallis befindet sich der höchte Weinberg Europas, der Reiben. 1150 Meter hoch, Weltrekord der bergsteigenden Reben. Ohne Stützmauern würden aber auch die Reben nicht so hoch kommen, in jahrhundertelanger Tradition zeigt sich hier eindeutig, dass Weinbau kein Naturprodukt, sondern vielmehr ein Kulturprodukt ist. Im Wallis ist es meist trocken, der Herbst mild. Mit hohem Pilzbefall hatte man om Wallis in 2013 relativ wenig Probleme, andere – von Nebel geplagte Regionen in Europa – hatte dan deutlich mehr Sorgen. Der Chasselas. Rebsorte Nr. 1 im Wallis kann hier gemächlich vor sich hin reifen. germanier wallis

_DSC0244Der Fendant von Germanier – die Walliser Entsprechung für den Gutedel, letztlich Chasselas – macht einfach Party im Glas. In Deutschland ein meist recht dünnes Stöffchen, wenig Aroma, wenig Wein und wenig Party; macht man bei Jean René Germanier ein sehr anständiges Weinchen daraus. Sicher, kein Jahrhunderttropfen, gehört nicht in den Keller und brauch auch nicht viele Worte. Viele Flaschen wären da schon besser!
Wenn also Jean René Germanier aus Gutedel derart Erfreuliches machen kann, sollte der Rest des (mir) noch unbekannten Weingutes schleunigst erkundet werden. Ausguck besetzten und Leinen los! germanier wallis

Selten zeigt sich mir ein deutlicherer Eindruck von Feuerstein. Mineralique par excellence! Fruchtiges Spiel von Zitronen und Johannisbeeren, leicht gemüsiger Touch mit grüner Paprika. Der Walliser ist im Mund richtig frisch, leicht moussierend mit strukturierender Säure. Wer gemäßigten Sauvignon blanc mag ist hier genau richtig. germanier wallis

  •  Jean-René Germanier Fendant du Valais „Les Terrasses“ 2013, für 11,90€ bei weingood.

 

 

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