Hexamer Riesling Porphyr Schlossböckelheimer in den Felsen 2011 Nahe

Kategorien 2011, bis 10€, Hexamer, lieblich, 18 - max 45g/l, Nahe, Riesling, Schlossböckelheimer in den Felsen, selektionierte Hefe, Stahltank

Hexamer derWeinblog Alex Schilling

von Alex. Schilling

Mineralisch und Restzucker? In einem der letzten Artikel habe ich angekündigt, mich genau dieser Frage anzunehmen. Für mich galt bisher, wenn ich einen „Steinewerfer“ haben will, muss der auch trocken sein. Mit trocken sind dann aber wirklich Zuckerwerte irgendwo bei maximal drei oder vier g/l gemeint. Die hat der 11er Riesling Porphyr von Hexamer aus Meddersheim an der Nahe nun wirklich nicht; er wartet mit beinahe 20g/l Restzucker auf .

Das Weingut Hexamer steht für die Erzeugung restsüßer und fruchtbetonter Weine. Beim Blick auf die Weinkarte fallen einem eine ganze Reihe halbtrockener und vor allem – nach eigenen Angaben – f ruchtsüßer, also lieblicher Weine auf . Gerade als in Franken lebender Weinblogger gehen mir Weine mit Zuckerschwänzchen nicht grundsätzlich ab. Aber man ist doch recht schnell geneigt, mit Begriff en wie Mittagsschoppen oder gar Schlimmeren zu hantieren; ein bisschen belächelt werden solche Säfte dann von so manchem Weinschreibenden hin und wieder schon.

Das Weingut Hexamer hat sich in den letzten zehn Jahren um sechs ha vergrößert und bewirtschaftet nun 18ha. Unter anderen ist die zu Bad Sobernheim gehörige Lage Marbach mit Riesling bestockt, aber auch Spätburgunder, Weißburgunder, Grauburgunder, Frühburgunder und Müller-Thurgau, sowie einige “Raritäten” wie Gewürztraminer und Sauvignon Blanc werden angebaut. Harald Hexamer, der seit 1999 den Betrieb führt, legt dabei auf das Ausdünnen der Triebe wert, auf intensive Arbeit am Blattwerk der Rebe und selektive Ernte der vollreif en Trauben. „Gute Weine wachsen im Weinberg; im Keller kann man nur versuchen, das Ganze zu optimieren und das herauszukitzeln, was einem die Traube gegeben hat“. Ok, eine Aussage, die mittlerweile jedes Weingut als “Betriebsphilosophie” auf die Gahnen schreibt. Harald Hexamer redet hier nicht nur, er macht es! Herausgekitzelt wird bei den Weißweinen mit eigenhändig selektierten Hefen konsequent im Stahltank. 2011 war nach eigenen Angaben ein besonders gutes Jahr, bereits sehr früh im September wurde mit der Lese begonnen, das Ziel waren fruchtbetonte Weine mit moderater Säure.

Wer sich mit der Nahe etwas beschäf tigt, merkt recht bald, dass derzeit viele der qualitätsorientierten Winzer mit 0,75l Flaschenabfüllungen zwei Ziele haben, zum einen so trocken wie möglich! Tesch aus Langenlonsheim ist einer der bekannteren Sprecher dieser Linie, wobei auch er zwischen vier bis sechs Gramm Zucker auf die Flaschen bringt, staubtrocken geht anders. Zum anderen Riesling, Riesling, Riesling… wer soll das alles saufen? Wo ist das kauf männische Denken, die breite, kundenf lexible Produktpalette? Wein wird doch für Menschen, sprich Kunden gemacht, oder habe ich da was falsch verstanden? Und wenn morgen der Sauvignon Blanc Mode ist, alles andere rausreißen und neu anfangen? Wohl kaum… das nimmt nämlich Jahre in Anspruch! An der Nahe wachsen durchaus auch andere Reben. Wir sehen aber, dass auch hier im Blog die Zugriffe auf Riesling immer größer sind, als zum Beispiel bei Spät- oder Frühburgunder, schade! Sex… äh, Riesling sells!

Zurück zu diesem Wein und der anf änglichen Frage: Sollte „nur trocken ist gut“ wirklich ein Qualitätsmerkmal an der Nahe sein, oder ist solch Postulat gar als evaluationsf reies Dogma zu verstehen? Ist es der richtige Weg, wenn ein Großteil der Winzer an der Nahe – auf der Suche nach Eigenständigkeit – von allem bisherigen Abstand nimmt, dadurch aber nur neue Uniformität erzeugen? Ist es gar als überzogene Antwort auf die „Liebfrauenmilch“ zu verstehen, die dem Ansehen der Nahe als Weinbaugebiet über Jahre im Weg stand? Der heutige Wein hat deutliche Zuckerhüften und ist dennoch mineralisch. Gefällt mir sehr gut, was zu einem persönlichen Paradigmenwechsel führt: Mineralischer Wein muss nicht trocken sein, auch halbtrocken kann und darf er Spaß machen!

Der Wein präsentiert sich im Glas goldgelb, eine dichtere Viskosität lässt sich bereits beim Schwenken erahnen. Im Bukett rassiger Eindruck mit deutlicher Zitrusaromatik, Mirabellen und Weinbergpfirsich. Eigentlich alles andere als leichtsinnig, eine frische Säure (7,4g/l) hinterlässt in der Nase einen deutlichen Eindruck. Cremig im Mund zeigt sich eine opulente Frucht, gelbe Äpfel. Die Säure verleiht dem Wein ein schönes Fundament, hier kommt die Restsüße in einem Frage-Antwort Spiel zur Geltung ohne dabei vulgär zu dröhnen. Im Nachhall zeigt sich eine dezente Mineralität, begleitet von
hefigen Eindrücken. Der Wein fing beim Einschenken auch noch ordentlich zu moussieren an.

Insgesamt ist dieser Riesling kein lauter Vertreter seiner Art, auch gar kein plakativer Zuckerstreuer. Feingliedrig, eher im Stil eines Kabinett zeigt er uns, dass es gerade die leiseren Töne wert sind, gehört zu werden. Mineralik und Restzucker kann also sehr gut miteinander funktionieren, wenn es in diesem Fall auch eher ein Steinchenwerfer, kein Steinewerf er ist. Man muss also hinhören und sich damit beschäftigen. Das macht doch auch erst die Freude am Wein aus, oder?

Für 8,50 ab Hof , meiner stammt von hier

www.derWeinblog.de

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