Berg Spätburgunder Beerenauslese 2003 vs. Heimersheimer Berg Spätburgunder Auslese 2009 trocken Ahr

Vor kurzem war ich mal wieder auf der Suche nach Raritäten und Ungewöhnlichem. Weine, die man weder im Supermarkt, noch im Fachhandel bekommt. Weine, die es wirklich nur beim Winzer gibt. Jakob Sebastian Beerenauslese weinblog 

Dank des Internets fand ich dann, was ich bis dahin auch gar nicht konkret in Worte fassen wollte: eine Spätburgunder Beerenauslese. Netterweise packte man meiner Bestellung noch einen zweiten Wein dazu, so dass dieser Artikel erst in dieser Form möglich wurde. Gerade deshalb hatte ich dann aber auch etwas Bauschmerzen den Artikel zu verfassen. Warum erfahrt Ihr im Text. Bähm! Überleitung wie in der Märchenstunde, naja fast… hab´s versucht! Jakob Sebastian Beerenauslese weinblogJakob Sebastian Beerenauslese weinblog

Das Weingut Jakob Sebastian an der Ahr geht bereits auf das 16. Jahrhundert zurück und befindet sich seitdem im Familienbesitz. Auf der Homepage wird die traditionelle Machart der Weine hervorgehoben, also klassische, offene Maischegärung ohne Erhitzung mit einer Standzeit von mindestens 20 Tagen. Ziel ist dabei die Konzentration von Gerbstoffen, die bei Spätburgunder eh nicht in großer Menge vorhanden sind. Dabei gilt es aber auch, keine Tutti Frutti Weine zu erzeugen, die außer herumballernden Fruchtaromen nichts haben.

Bei den vorgestellten Weinen handelt es sich übrigens um die gleiche Lage. Bis in das Jahr 2005 durfte die Einzellage „Heppinger Berg“, mit einer Gesamtgröße von etwa 3,5h, im Alleinbesitz der Familie Sebastian, auch als solche bezeichnet werden. Seit 2006 wird das Weingut (gerichtlich?) gezwungen, sie als „Heimersheimer Berg“ zu bezeichnen, somit entsteht also der Eindruck von zwei verschiedenen Lagen.

Der heute also als Heimersheimer Berg bezeichnete Wingert wird vom Weingut so beschrieben: „Unser wichtigster Weinberg ist geologisch eine klassische Mittelterrasse mit Lößverwehungsauflage – aber erheblich skelettreicher als der Daubhaus. Kiesel, Basaltstückchen, Kalk- und Buntsandsteinfragmente hat die Ahr auf ihrer „Wanderung“ durch das Gebirge hier hinterlassen und bietet uns heute die Grundlage für unsere „burgundischsten“ Spitzenweine – kraftvoll, tief , mit viel Ausdruck, Entwicklungspotential und vornehmer Feinheit.“ Jakob Sebastian Beerenauslese weinblog

Habe mich entschlossen, die beiden Weine des Gutes nebeneinander zu stellen und zu vergleichen. Das hat zwei Gründe. Zum einen hätte ich den 2003er nur ungern alleine vorgestellt, um keinen einseitigen Eindruck des Weingutes zu hinterlassen. Zum anderen möchte ich die positive Entwicklung des Weingutes der letzten Jahre unter Berücksichtigung der selbst auf erlegten Qualitätskriterien auf zeigen, wozu dann ein direkter Vergleich beiträgt.

Heppinger Berg Spätburgunder Beerenauslese 2003:

Die Beerenauslese von 2003 wollte ich erst gar nicht vorstellen, konnte mich mit ihr ehrlich gar nicht anfreunden. Generell habe ich mit halbtrockenen oder gar lieblichen Spätburgundern meine Probleme, aber daran lag es nicht! Das Öffnen der Flasche des mittlerweile 9 Jahre alten Weines klappte ohne Probleme, wirkte fast wie eben erst verschlossen. Auch sensorisch bot der Wein den gleichen Eindruck, richtig jung und frisch, vital, ein schönes Fruchtaroma strömte mir aus dem Glas entgegen. Dekantieren wäre gar nicht nötig gewesen, der Wein blieb in der Nase sehr stabil. Auch in der Farbe für Spätburgunder fast schon opulent, richtig leuchtendes Rot mit nur wenig rostigen Nuancen, ungewöhnlich und schwer zu beschreiben.

Schöne, dicht konzentrierte Anklänge von schwarzen Johannisbeeren, Brombeeren. Würzige Noten von etwas Nelke, Muskat und letztlich (hoffentlich nicht jahreszeitlich ausgelöste Assoziation) etwas welkes Laub sorgen für einen sehr abgerundeten, nicht auf dringlichen Eindruck. Tabaknoten oder irgendwelche, recht häufig anzutreffenden Vanilletönchen gehen hier gänzlich ab. Muss ja auch nicht sein. Wie erwähnt lag der Wein auch nicht im klassischen Barrique. Jakob Sebastian Beerenauslese weinblog

Am Gaumen dann leider aber etwas schwächelnd. Immer noch frisch und fruchtig; die Frucht aber etwas undefiniert. Der deutliche Restzucker steht dem Wein soweit gut, wirkt nicht pappig, vor allem bleibt der Wein im Körper dennoch schlank und kühl. Die Existenz von Gerbstofen ist, wie öfter im Blog erwähnt, bei Spätburgunder nicht selbstverständlich, aber bei einem Literpreis von über 30€! dann doch für mich persönlich zwingend. Es kommt mir vor, als wäre der Wein Gerbstofffrei, sehr seltsam. Überlagert, schlichtweg zu alt?
Will auch gar nicht weiter rummäkeln und den Wein schlecht machen, vielleicht einfach nicht mein GeschmackJakob Sebastian Beerenauslese weinblog

Heimersheimer Berg Spätburgunder Auslese 2009 trocken:

Welch ein Unterschied! Hier treff en Tag und Nacht auf einander! Genau deshalb wollte ich beide Weine vorstellen, um die Entwicklung des Weingutes auf zu zeigen. Der mittlerweile als Heimersheimer Berg abgefüllte Spätburgunder, „nur“ noch als Auslese und diesmal trocken, hat sich zu einem Repräsentanten entwickelt, der weiteres Potential nach oben hat.

Diesmal liegt es vermutlich am Alter, mit drei Jahren wohl etwas zu früh geköpft. Nase schwarze Johannisbeeren und Brombeeren, leichte Würznoten mit Nelken und dezentes Holz. Im Vergleich zu 2003 am Gaumen dann schlichtweg überzeugend, hier zeigt der Wein eine deutliche Signatur und offenbart auch seine Herkunft, dieser Wein ist definitiv von der Ahr. (Mir liegt an dieser Stelle immer ein politisch unkorrektes Wortspiel auf der Zunge…) Sehr rund, fast mollig aber noch nicht kitschig mit diesmal präziser und authentischer Frucht. Am deutlichsten stechen Brombeeren hervor. Und vor allem hat dieser Wein die notwendige Säure und Tannine, also ein tragendes Gerüst; hängt nicht wie ein Gummibärchen in zu heißer Sonne herum. Spätburgunder!

Kurioserweise ist der (subjektiv!) bessere Wein der Günstigere. Für den 03er Jahrgang legt man 12,90€ hin, der 09er kostet 7,90€, beide in der 0,375L Flasche.
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