Jean Geiler Gewürztraminer Cuvée Ste Marguerite 2009

Eines meiner Lieblingsweinziele ist das Elsass. Die einzige Appellation Frankreichs, in der Riesling angebaut werden darf und mit dem Gewürztraminer ein Weißwein, eben kein Rotwein die wichtigste Rebsorte ist. Gewürztraminer ist freilich nicht jedermanns Sache. Meist sehr opulent bis breit fordernd im Bukett, mit einem zuweilen fetten Körper und auch im Nachhall mit nichts hierzulande zu vergleichen. Zudem wird häufig übersehen, dass die elsässischen Weine stets als Speisenbegleiter zu sehen sind, solo getrunken sind sie meist nur was für wirkliche Überzeugungstäter. Jean Geiler Weinblog Marguerite

Jean Geiler Weinblog MargueriteIn Deutschland wird diese Aromarebe auch angebaut. Was deutsche Winzer daraus machen bleibt meist unterhalb ihrer Möglichkeiten, es gibt wenige Ausnahmen… Bei uns wird das Elsass immer weniger gefragt, international gesehen sind die Absatzzahlen aber seit Jahren stabil. Das Elsass ist deutlich weniger bekannt und angesehen als manch andere Weinbauregion, leidet dafür aber auch nicht unter dem sehr streitbaren Image des Burgund oder dem gerechtfertigten Preisverfall des sinkenden Stern Bordeaux. Die Winzer hier verdienen weniger, sind aber in ihrem Handeln dafür freier. Sie müssen keine Weine im „internationalen, parkergefälligen Stil“ machen.

Das mag letztlich auch daran liegen, dass das Elsass in Sachen Wein keine eindeutige, nationale Tradition hat. Stammtischkategorien wie, „ach, deutscher Wein schmeckt nur nach Essig“ oder „ich trinke seit Jahren nur Bordeaux“ lassen sich hier nicht bedienen. Hier wird französisch gesprochen, aber auch deutsch gedacht. Zugleich stehen die Winzer aber auch stark unter dem französischen Einfluss. In Frankreich wird zudem der hier auf dem Blog weitestgehend gemiedene Begriff „Terroir“ auch auf den Winzer bezogen.
Französische Winzer sehen sich häufig eher als Veredler dessen, was die Natur liefert, messen durch das Verschneiden verschiedener Weine als Cuvée der Rebsorte an sich weniger Bedeutung zu. Die Assemblage ist dabei mehr als die Summe ihrer Zutaten; sie trägt die Handschrift des Winzers, meist namenhaft als Chateau xy hervorgehoben.
Der Winzer im Elsass hingegen verwendet die Cuvée (auch wenn das hier eine ist…) sehr selten. Er schreibt – wie in Deutschland – den Namen der Rebe mit der Lage, nicht nur die Appellation und / oder einen bekannten Ort auf seine Etiketten. Auf den Flaschen des Elsass steht dann, anders als zum Beispiel im Burgund, in großen Buchstaben „Pinot Noir“ und nicht nur „Bourgogne“. Jean Geiler Weinblog Marguerite

Man sollte aber den elsässischen Winzer aber nicht direkt nach seinem Weinstil fragen. Mancher sieht sich in der deutschen Tradition, andere sind überzeugte Franzosen, den Meisten sind die deutsch – französischen Schnittflächen willkommen. Man ist auf der sicheren Seite, dies aber lieber zwischen den Zeilen herauszuhören. Die gemeinsame deutsch – französische Geschichte birgt das Risiko, immer noch zu verletzen.

Jean Geiler Weinblog Marguerite

Bei Jean Geiler handelt es sich übrigens um eine Genossenschaft, genauer der Cave vinicole d’Ingersheim. Mit 390 Hektar ein Riesenbetrieb, der eine oder andere wird sich fragen, was das hier auf dem Blog zu suchen hat. Habe den Betrieb im Sommer 2011 selbst besucht und kann wenig an diesem herummäkeln. Zumal er eine Besonderheit auf weist, die wiederum typisch für die Region ist und die Weinwirtschaft erst rentabel macht.
Insgesamt 175 Winzer arbeiten für die Genossenschaft, von denen die Meisten im Nebenerwerb tätig sind. Es handelt sich um Feierabend und Wochenendwinzer, die ohne die Genossenschaft ihre Weine nicht in dieser Art und Weise vermarkten könnten.

Im Glas sehr dunkel, tendenziell honiggelb mit leicht orangefarbenem Stich. Schon beim Schwenken des Glases kündigt sich ein voller Körper an, hier drehen barocke Hüften ihre Runden! Im Bukett ein sehr deutlicher, sicher auch manchen Zeitgenossen fordernder Auf tritt. Für Riesling oder Silvaner Anbeter eher plakativ, für Freunde oder die, die es werden wollen mindestens die Anwesenheit eines Kardinals. Ganz typischer, floraler Duft. Süßliche Schwere kombiniert mit Rosen. Ebenfalls typische Litschiaromen begleiten den Wein.

Darüber hinaus, und das ist dann das, was man in Deutschland nur noch selten bekommt, zeigen sich getrocknete Früchte. Man kann sich hier wunderbar Apfelkompott vorstellen, sicher auch Anklänge von Marzipan oder Mandeln mit dezent kräutriger Untermalung. Komplexes, tief gängiges Näschen, wer mit dieser Dame tanzen will, brauch aber etwas Kondition! Am Gaumen gesellt sich eine gerade noch so präsente Säure hinzu, die dem Wein weder prickelnde Frische verleiht, noch Lust auf wilde Partys macht. Wer etwas internationaler kredenzen möchte und halbtrockenen Moselaner zu seinem (scharfen) Curry mag, findet hier eine prächtige Alternative, zumal der Wein wegen der schieren Aromenkraft nicht nur am ehesten „passt“, sondern auch wirklich begleitet! Eindeutig Rezeptorenfasching! Jean Geiler Weinblog Marguerite

In Deutschland selbst nicht zu haben, obwohl andere Weine bei Jacques´ zu haben sind. Ab Hof für etwas um 10€ Jean Geiler Weinblog Marguerite

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