Lagerfeuerwein von der Nahe

K. H. Schneider Sobernheim derweinblog alex schilling wein

von Alex. Schilling

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Dem heutigen Wein stand ich zuerst skeptisch gegenüber, Grauburgunder, oder bei den Italienern Pinot Grigio und den Franzosen Pinot Gris. Warum die Skepsis? Vielleicht, weil so viele italienische Gastwirte immer noch glauben, einen Pinot Grigio aus der zwei Liter Bombe – im Einkauf 2,99€ – f ür 3,50€ das Gläschen vorsetzen zu müssen. Entsetzlich dünn, blass …

Aber dieses Weingut ist eben anders, bei K. H. Schneider aus Bad Sobernheim an der Nahe passen auch die einfachen Basisweine. Was für deren Rieslinge und Spätburgunder schon längst gilt, wird auch bei diesem Grauburgunder konsequent durchgesetzt. Er darf Charakter haben, darf spielen und ist alles andere als ein vordefiniertes Massenprodukt für den Verkauf im Großhandel oder Supermarkt. Was diesen Wein ausmacht, ist die lange Maischegärung. Dieses eigentlich bei Rotweinen angewandte Verfahren sorgt dafür, dass aus der Schale der Trauben ordentlich Extrakte gezogen werden. Bei den Rotweinen sitzt die Farbe in der Schale, wenn man also einer rote Beere nur kurze Maischegärung zugesteht, entstehen z.B. die für ihre Leichtigkeit beliebten Roseweine. Lässt man es darauf ankommen, kann man aus einer tief roten Rebe einen wirklichen Weißwein machen, das ist dann ein Blanc de Noirs. K. H. Schneider K. H. Schneider K. H. Schneider K. H. Schneider K. H. Schneider

Zurück zum Grauburgunder. Die Trauben werden für diesen Wein selektiert und wie alle Trauben bei K. H. Schneider von Hand gelesen, so dass nur beste Qualität in die Flasche kommt. In der Nase zeigt der Grauburgunder etwas Holz, wurde aber im Stahltank vergoren.  Woher diese Note kommt, oder ob ich da was hineininterpretiere, lässt sich nicht eindeutig sagen, allerdings wird das Phänomen gern auf den BSA (biologischen Säureabbau) zurückgeführt. Vielleicht ist es doch ein Vermerk des langen Hefelagers. K. H. Schneider K. H. Schneider K. H. Schneider

Jedenfalls hat der Wein eine ganz besondere, eigene Nase, die ich so von Grauburgunder kaum kenne. Sehr schön. Nach diesem mir unerklärlichem Holztönchen auf jeden Fall ordentlich Früchte, es dominieren gelbe Äpfel, Quitten und Birnen. Ein bisschen Mineralik weht auch herum; das Bukett verspricht einiges und macht schon so richtig Spaß! Am Gaumen dann schöner Schmelz (sattes Mundgefühl) und ganz dezent salzige Zungenspitze. Die Steinbeißer unter den Weißweintrinkern werden hier mehr wollen. Da kann man bereits ab dem Gutsriesling aus dem vollen schöpfen. Dann aber würde diese wunderschöne Harmonie der Frucht verdrängt werden. Gerade an den heißen Tagen wie heute bietet sich am Ende ein frischer Säurekick mit einem würzigen Nachhall zum relaxen an. Jeder kennt die Formulierung: „Passt zu allen Gelegenheiten“. Da ich strikt gegen diese Gleichschaltung bin, suche ich mir ganz bewusst Gelegenheiten. Für mich ist das intuitiv ein Lagerfeuerwein; unheimlich gesellig, frischer Abendwind aber dennoch wärmend. Gelungenes Weinchen, für Grauburgunder wirklich Finesse und das Ganze wieder für wenig Geld zu haben

Der 10er ist leider schon längst aus, für 5,80€ dann eben den 11er

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