Syrah ist mir meist zu laut, zu uniform, zu weltmännisch. Auch “La Rosine”, ein betörender Anderswein von der Nordrhône wird den Weinblog nicht grundsätzlich umstimmen. Er belegt aber vielmehr, dass es Wege abseits der ausgetretenen (industriellen) Pfade gibt. Wunderbar!

Wein des Monats: November 2014

[dropcap1]O[/dropcap1]hne Luft geht hier gar nichts. Wer aufmacht und trinken will, wird enttäuscht. Wer „La Rosine“ stehen lässt und bis zum nächsten Abend warten kann, wird dafür reichlich belohnt.
Der Weinblog ist heute auf einer wunderbaren Weinreise zu einem recht traditionellen Weingut. Der Hinweis ist notwendig, da dies an der Nordrhône eher Seltenheitswert hat. Michel & Stephane, Vater und Sohn, arbeiten auf der winzigen, gleichnamigen Domaine Hand in Hand. Sie vergären ihre Weine spontan, ausgebaut wird dezent gekonnt in neuem Holz.

Stéphane Ogier, vielen Dank an: Benjamin Poussardin – Les Aventures de Binbin Foudevin

Syrah muss beherrscht werden. Der Arbeitsaufwand mit dieser Rebe ist groß und schwer planbar; nochmal deutlich höher, als bei Spät- oder Frühburgunder. Zugleich ist die Rebe undankbar, verzeiht im Weinberg keinen Fehler. Alles kommt am Ende in der Flasche zur Geltung: Der Jahresverlauf des Wetters, der Boden und letztlich der Winzer mit seiner Arbeit im Weinberg und Keller selbst. Terroirwein! Hier werden jahrgänge nicht einfach kopiert, hier wird das als Unterschied bewusst gelebt.

Die Weine der Domaine Ogier strotzen nicht vor Tanninen, die Weine wollen einfach nicht das sein, wonach der Weltmarkt schreit. Es sind feine Weine, sie wollen erkundet werden und offenbaren sich nicht im schnellen Schluck. Man sollte damit am Gaumen arbeiten, sie zurechtlegen und unverschämt schlürfen! Dennoch sind sie zugänglich, nicht zu sehr verkopft.

 

Ein Kanditat für den “Wein des Jahres”

la rosine-ogier-weinblog„La Rosine“ stammt aus der mit Weltruhm behafteten Côte-Rôtie, grenzt an die Lage Côte Blonde der Gemeinde Ampuis, liegt aber gerade so außerhalb. Daher “bringt” es dieser Wein zu nicht mehr als  einem Vin de Pays und ist nicht nur wegen des Preises von unter 20€ ein Kandidat, der kistenweise eingekauft werden sollte und im Keller sicher ohne Probleme zehn Jahre liegen kann. In der Region ohne Weiteres einer der Vorreiter, welcher zusammen mit dem Winzer August Clapes vom umstrittenen Weinpapst Parker als einer der Besten der Nordrhone gelobt wird; und das, obwohl der Wein die typische Parker-Stilistik eher weniger aufzeigt…
Hier und da ist bereits von einem Kultwein die Rede, hoffe aber, dass das Weingut dabei nicht den Boden unter den Füßen verliert. Die Erfüllung dieses Sprichwortes wäre gerade bei einem Winzer fatal.

Von Frische und Tiefe geprägt, seidig weich am Gaumen. Viel Frucht und Kräuterwürze, Thymian und schwarze Oliven. Eindrücke von Brombeeren, schwarze Johannisbeeren; leicht balsamisch. Röstnoten, Fleisch, Waldboden. Alles schwergewichtige Assoziationen, die „La Rosine“ sehr verspielt im Glas zeigt. Ein Herbstwein, ein “vor-dem-Kamin-lümmel-Wein”, von dem die Domaine Ogier jährlich 30tsd Flaschen füllt.

Eine ganz feine Säure unterstreicht die Frucht, zeigt die eindrucksvolle Mineralität eines großen Côte Roties. Im Nachhall schon fast pikante Wärme und schöne Länge. „La Rosine“ ist ein ganz bewusstes Aha-Erlebnis. 

  • Domaine Ogier, Syrah „La Rosine“ VdPays, Nordrhône 2011, ist leider ausgetrunken. Den neuen Jahrgang 2012 gibt es in der Weinhalle für 18,50€. Wird anders sein, aber sicher auch überzeugen!

Die Ogiers haben eine YouTube-Channel, den gibt´s hier

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