[dropcap1]V[/dropcap1]eganer Wein ist ein Thema, was immer mal wieder auftaucht, dann vom Fachhandel wie Winzern belächelt wird um darauf wieder für ein paar Monate in der Versenkung zu verschwinden. Dennoch: Gerade in Bio Supermärkten sind vegane Weine immer öfter zu haben. Da tut sich was und Lukas Krauß mischt kräftig mit!

Lukas, was hat Dich jetzt bewogen, veganen Wein zu machen?

Die Frage müsste eher lauten, was mich jetzt dazu bewogen hat, dies aufs Etikett zu schreiben.
Meine Weine werden schon sehr lange vegan hergestellt. Meine Freundin lebt seit nunmehr als zwei Jahren vegan und da bekommt man die Probleme beim Einkaufen mit. Es ist sehr mühseelig die Zutatenliste nach tierischen Zusatsstoffen zu durchforsten, da es auch viele Zutaten tierischen Ursprungs gibt, welche nicht direkt als solche zu erkennen sind. Z.B. Enzyme gewonnen aus Schweineborsten.Hier hilft das vegan Label ungemein. Oftmals traut man sich als VeganerIn nicht recht nachzufragen, da man sich oft Unverständnis ausgesetzt sieht ( siehe Posts zum Thema Wein in der Gruppe “Hauptsache Wein”) und das Wissen noch nicht Recht vorhanden ist.

Vor wenigen Wochen warst Du auf der ProWein. Hattest Du den Eindruck, dass veganer Wein dort ein Thema ist, bzw. gab es Leute, die deswegen zu Dir an den Stand gekommen sind?

Dass Leute ganz gezielt deswegen zu mir kamen, kann ich jetzt nicht bestätigen. Es taucht aber doch sehr häufig die Frage auf, was an Wein nicht vegan sei. Hier ist das Wissen noch nicht da. Es geht aber nicht darum, andere Produktionsweisen anzuprangern, sondern lediglich dem interessierten Kunden zu zeigen: Dieser Wein ist mit deiner Ernährung konform. Sonstige Allergene, wie Ei und Milch müssen ja umgekehrt bei Verwendung deklariert werden.

Wie sieht die Umstellung bei Dir im Betrieb konkret aus.Was machst Du anders, oder jetzt eben nicht mehr?

Ganz zu Beginn meines Weinmachens habe ich ab und an mal ein Eiweiß pro Barrique gegeben, um die Gerbstoffe ein wenig zu harmonisieren. Da war das Wissen, wie man es anders machen kann, noch nicht da. Inzwischen gibt es aber auch einige Pflanzenproteine auf Erbsen- und Kartoffelbasis, die zu diesem Zweck eingesetzt werden können.

Du hast Dich vom deutschen Vegetarierbund für die Herstellung von veganem Wein zertifizieren lassen. Wie funktioniert das mit den Kontrollen? Gibt es welche?

Für Weinbaubetriebe ist die Kontrolle sehr schwierig, da die Richtlinien vor allem für Lebensmittelbetriebe konzipiert sind. Diese müssen ja so wie so ihren kompletten Produktionsprozess für das Lebensmittelrecht dokumentieren. Daher lässt sich das sehr gut nachverfolgen. Im Weinbau lebt das System von einer Selbstauskunft über die eingesetzten Produkte wie Hefe oder Hefenährstoff usw. Hier weist man über ein beglaubigtes Schreiben der Herstellerbetriebe die Tierfreiheit nach. Wie eben schon gesagt, können ja viele Zusatzstoffe tierischen Ursprungs sein, welche man als solche nicht direkt erkennt. Die Liste des Vebu Deutschland der möglichen Zusatzsstoffe ist 2 Din A4 Seiten lang. Da habe ich auch gestaunt. Es geht darum, das umständliche Erfragen beim Winzer zu ersparen. Auch hier funktioniert das nur durch Selbstauskunft.

Anders als immer behauptet, geht es nicht um die Vermeidung möglicher Insektenschädigung. Veganer/innen sind nicht weltfremd. Es geht um die Vermeidung tierischer Produkte aus gezielter Domestizierung und den damit verbundenen oft schlechten Haltungsbedingungen und (Qual-)zuchten.

 

Noch nicht vegan zertifiziert, aber vegan produziert:
Lukas Kraus, Grüner Veltliner 2 Hut, Pfalz 2013 trocken

Lukas Krauss veltlinerMit grünem Veltliner fing es bei mir mal an. Getrunken habe ich… ach, weiß nicht wie viele. Aber keiner! war wie der von Lukas Kraus. Schon beim ersten Schluck, eigentlich schon beim Riechen merkt man: Hier kommt ein Underdog, der Außenseiter, der absolute Nonkonformist.
Erwartet habe ich natürlich was anderes. Selber schuld. Wer erwartet hat bereits geurteilt. Und überhaupt: Grüner Veltliner in Deutschland. Wer das macht, läuft abseits ausgetretener Pfade. WAS soll man denn da überhaupt erwarten? Hat erwarten nicht auch was mit Vergleichen zu tun?
Naja, lassen wir mal das Herumgestocher in der Hausapothekenphilosophie! Was Lukas macht ist mutig. Das sollte erwähnt, letztlich natürlich getrunken werden:

Goldgelb im Glas, eine kräuterwürzige Nase mit deutlichem Stich von grüner Paprika und jede Menge rauchiger Speck. Spontan vergoren? Ja. Lag auch im Holz, erinnert irgendwie an manchen Weißburgunder.
Am Gaumen nussig, herb, nach meinem Empfinden dezent mineralisch; vor allem aber auch viel gelbes, heimisches Obst.
Die Säure gibt sich sehr knackig, beim zartwarmen Nachhall darf man sich sogar von einem leichten Tannineindruck auf die Reise schicken lassen.

Ein ungewöhnlicher Wein. Ein Experiment. Er polarisiert und will in keine Kategorie wie “rebsortentypisch” oder in ein von welchem Weinguru auch immer vorgekautes Urteil passen. Wird nicht jedem gefallen, anderen dafür umso mehr! Gibt´s z.B. für 11,90€ hier.

1 Gedanke zu „Lukas Krauß und der vegane Wein – ein Interview

  1. ach, wußte gar nicht, dass Krauß auch veganen Wein macht…hab vor ein paar Wochen bei soner Promo-Weinverkostung im tvino-Laden in Hamburg den Chapeau Krauß Cuvée getrunken (nicht, dass ich ein außerordentlicher Weinexperte wäre), aber der ist geschmacklich leider zwischen den anderen gereichten Weinen untergegangen – was ich sehr bedauert habe, da mir die Stories zum Weingut bzw. Winzer gut gefallen haben.
    Lebe selbst nicht vegan, finde es aber sehr begrüßenswert, wenn bei der Weinherstellung auf tierische Stoffe verzichtet wird, im Besonderen, da sie ja offensichtlich nicht notwendig sind, wie mir auch schon selbst einige Winzer*innen bescheinigt haben.
    Prosit.

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