schneider-black-print-derweinblogAus dem Leben eines Weinbloggers:
Vor einiger Zeit hatte ich einen Wein von Markus Schneider aus der Pfalz vorgestellt. Genauer den “Ursprung”, der Einsteiger in die Rotweine des Weingutes. Lange lag der Artikel relativ unbemerkt auf der Seite, erst als ich diesen in Facebook postete, ging es richtig los: Von meiner offensichtlichen Missgunst gegen den Winzer war die Rede, gar von meiner „dümmlichen Süffisanz“. Besteht etwa Gefahr, dass man es sich als Blogger mit derart wichtigen Produzenten verderben könnte? Meinten es meine Kommentatoren etwa „gut mit mir“? Auch wurde mir “typisch deutsches” Gezeter vorgeworfen, musste dabei aber feststellen, dass mancher Kommentar den terminus Kritik mit Verriss gleichzusetzen schien…
Andere wiederum begrüßten, dass ein etablierter Winzer auf den Prüfstand gestellt nach dem Flascheninhalt, nicht seinem Ruf bewertet wird. Wieder andere lagen differenziert dazwischen, lobten den Winzer auf Grund seiner Leistungen für den deutschen Wein und seinen Vorbildcharakter für jüngere Winzer. Da ich viel mit so genannten „Jungwinzern“ zu tun habe, bezweifle ich aber genau diese Behauptung! Es bleibt immer die Frage, wo man als Winzer, als wirtschaftender Betrieb eigentlich hin will. Die gesamtwirtschaftliche Verantwortung – Arbeitsplätze, Maschinenpark, Betriebskosten, Verwaltung usw. – für eine Anbaufläche von über 60ha eines Markus Schneider wollen eigentlich die Wenigsten…

corpus delicti: Markus Schneider aus Ellerstadt in der Pfalz fährt ein starkes Marketing und ist damit sehr erfolgreich. Im Wesentlichen hatte ich kritisiert, dass sich Schneider auf der eigenen Homepage über den Hype um seine Person ärgert, aber für sein Marketing und dessen Erfolg immer noch selbst verantwortlich ist. Wenn ihn das stört, muss er was anders machen, nicht die Leute. Sein Problem als Selbstvermarkter wird aber sein, dass man mit den Mengen an Wein – die er auf mittlerweile 60ha nun mal erzeugt – auch einen größeren Kundenstamm, sprich eine große Masse von anonymen Abnehmern ansprechen muss. Letztlich findet man ihn auch in fast jedem Onlineshop der Republik! In genau diesem Punkt wird sein Marketing schlüssig, wenn auch mehr traurige Notwendigkeit. Nochmal: Genau dahin wollen viele, so genannte „Jungwinzer“ eben nicht. 
Der “Ursprung” ist am Ende übrigens gut weggekommen. Letztlich habe ich positiv bemerkt, dass der Wein „mehr kann“, als man das in dieser Preisklasse vermutet. Nur weil er schön „dunkelrot ist“ (Leserkommentar Facebook), sollte er eben nicht nur auf Hochzeiten und Festivals „gesoffen“ werden, im Catering landet er nämlich zu Hauf.

Black Print
ist der „größere Bruder“ des Ursprungs. Die große Cuvée aus St. Laurent (42%), Merlot (30%), Syrah (8%), Cabernet Sauvignon (12%), Cabernet Mitos (4%) und Cabernet Dorsa (4%) klingt schon fast nach einer eierlegenden Wollmilchsau.
Zur Betriebsauffassung des Markus Schneider gehört es, internationale Weine „made in Germany“ zu erzeugen. Beeinflusst wird er zum Beispiel von Bordelaiser Weingütern wie dem Châteaux Lynch Bages und Ducru Beaucaillou. Seine Weine sind dicht konzentriert, bieten ein bereites Spektrum an Aromen, gehen dabei aber auch in die Tiefe. Das ist jene Eigenart, die ich auch schon im letzten Artikel als klare Handschrift des Winzers titulierte und warum Markus Schneider von manchem Weinschreiber zur Gebietsspitze der Pfalz, aber eben auch zu einem deutschen Aushängeschild gemacht wird.
In der Weinbereitung wird auf reifes Lesegut geachtet, was bei so vielen Weinsorten nicht ganz einfach ist. Die einzelnen Rotweine liegen lange in der offenen Maische um dann zum großen Teil in Barriques als Black Print ausgebaut zu werden. Hier zeigt sich einmal der Vorteil der Betriebsgröße. Nur wenige deutsche Weingüter können solche Weine in den Mengen eines Markus Schneider herstellen. “Schneiders Rotweine sind die besten Massenprodukte des deutschen Weinbaus” behauptet Manfred Klimek, auch als Cptn. Corc bekannt in diesem Artikel hier

Verkostungsnotiz:
Dieses vor Kraft strotzende Dickschiff mit 14,5% Alkohol, brüllendem Bukett und schlichtweg kurzzeitig präpotenten Tanninen ist ein schweres Geschütz. Die dicke Bertha unter den mir bekannten deutschen Weinen. Denn in dem was er sein will, macht der Wein keine halben Sachen.
Tolles, saftiges Kirschrot, so will ich meinen Chianti beim Italiener um die Ecke auch haben! In der Nase irgendwie alles was geht: von Piemontkirschen, Pflaumen, Tabak, Schokolade über dann schwerere Düfte von Leder, Mokka, Geräuchertem bis zu süßlichem Weihnachtsgewürz.

Am Gaumen geht es weiter mit „Europa in zwei Tagen“, fast schon vulgäre Opulenz, rote Beeren und vor allem etwas härtere Tannine, die wohl auch durch das Mitvergären der Stile gewonnen werden. Ein zwei Jahre im Keller sollten da Abhilfe schaffen. Im Nachhall dann aber doch wieder besinnlicher, Gelegenheit das Crescendo der Aromen nochmal zu rekapitulieren. Hätte der Wein denn auch einen fetten, marmeladigen Abgang, wenn das die pfälzer Weinberge nördlich der Alpen so ohne weiteres hergeben würden? Man fragt das lieber nicht, denn dieser vermeintliche Mangel an zeitgenössischer Internationalität kommt dem Wein letztlich zu Gute! Im Nachhall kann man im wahrsten Sinne des Wortes dem Orkan etwas hinterherschauen. Sicher eine leichte Reminiszenz an das eben erlebte, aber kein stundenlang bleibender Eindruck. Eine Wiederholung des ersten Schluckes ist möglich, ohne dass sich das vorherige Glas in den Weg stellt.
Sicher kein alltäglicher Tropfen, habe im Bekanntenkreis auch einige, denen solch mächtige Weine gefallen! Die gerade mit Markus Schneider viel bejubelte, deutsche Rotweinrevolution lasse ich an dieser Stelle aber bewusst außen vor… bin mir nämlich nicht so ganz sicher, was das eigentlich sein soll!

Für etwa 13€ an wirklich jeder Ecke im Internet zu haben.

Auch das muss manchmal sein: (der Artikel wurde ab dieser Stelle auf Grund von Impulsen auf Facebook bearbeitet, 03. Juli 2013)
Für Menschen mit bekannter Histamin Intoleranz ist der Wein weniger geeignet. In diesem Wein sind – dafür genügt mir der Blick in den Spiegel – biogene Amine enthalten, dies gilt aber für sehr viele Rotweine. Diese rühren nicht etwa aus einem grundsätzlichen Herstellungsfehler des Markus Schneider!
Das Problem: Betroffene können diese biogenen Amine – letztlich sogar ein körpereigener Stoff – nur bedingt, oder gar nicht abbauen. Man bekommt nen roten Kopf, schwitzt, fühlt sich wie auf falscher Droge, es geht einem schlichtweg beschissen! Hunderttausende Konsumenten hingegen merken davon gar nichts! Gerade gereifte Lebensmittel wie Hartkäse oder luftgetrocknetes Fleisch, aber auch Fisch und eben Wein enthalten diesen Stoff. Man kann als Betroffener dagegen entsprechende Präparate einnehmen um die Histamine im Darm zu verdauen, also abzubauen. Funktioniert aber auch nur bedingt, manchem bleibt nichts anderes übrig, als eben keinen Wein zu trinken.

Sage das nur, weil auf jeder in Europa gehandelten Weinflasche der völlig überflüssige Hinweis „enthält Sulfite“ (Schwefel, welch Überraschung) seit 2005 vorhanden sein muss, aber eben der Hinweis auf Histamine nicht. Das Stichwort wäre Volldeklaration (danke Dirk!) Derzeit empfinde ich die von der EU auferlegten und auch vom deutschen Weingesetz geforderte Inhaltsangabeverordnung für den Verbraucher wenig hilfreich. Mich ärgert das. Hier wird bürokratisiert, nicht gedacht!

Behördlicher Verbraucherschutz vs. Schutz des Verbrauchers vor dem behördlichen Verbraucherschutz (Karikatur: Klaus Stuttmann)

Im Weinbau kann gegen die Bildung von Histaminen vorbeugend gearbeitet werden. Gesunde Trauben sind die Grundlage aus dem Weinberg, im Keller können durch önologische Hilfsmittel, wie beispielsweise der Klärung mittels Bentonit (selbst im zertifizierten Bio Weinbau möglich) die problematischen Stoffe aus dem Wein gezogen werden. Mit Eiweiß, Albumin oder Casein behandelte Weine hingegen tragen das Problem erst recht in sich…
Warum der vorgestellte Wein belastet ist, weiß ich nicht. Tut mir leid, dass Markus Schneider das jetzt “abbekommen” hat, auch will ich keinem Winzer die Kellerarbeit erklären, sondern schreibe hier als Betroffener und für Betroffene der Histamin Intoleranz. Mir wäre es ein Anliegen, wenn der Weinbau hier voran käme. Das geht mit Impulsen von großen Winzern sicher leichter…

nach einem neueren Artikel des berühmt berüchtigten Cptn. Cork ist Markus Schneider nicht einer der, sondern der wichtigste Winzer Deutschlands…

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1 Gedanke zu „Markus Schneider Black Print Rotwein Cuvée 2011 Pfalz

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