Ein von vielen Fachleuten längst totgesagtes Magazin. Lesen das wirklich „nur noch Winzer“? Das wären dann in Deutschland schon mal ca. 80.000… Seit diesem Jahr in neuem Look. Matt ist das neue Hochglanz.

[dropcap1]D[/dropcap1]erzeit schreibt man in der aktuellen Ausgabe (5/2014) über kulinarische Adressen in Köln. Ein dort ermittelnder Tatort Kommissar und ein dort kochender Fernsehkoch halten wie kleine Jungs ihre Gesichter in die Kamera. Charakterköpfe. Bloß Illustrierte für den geneigten Weinfreund? Jein, zumindest kann vom Magazin wohl nicht erwarten, dass es alle bedient und allen gefällt!

Der aktuelle Beitrag über Rioja ist aber eben nicht nur unterhaltsam, sondern auch informativ. Ein zwei-Seiten-Hurra auf die Mosel; ja, ich mach nächste Woche mal wieder ein Möselchen auf… Dann noch für mich Neues über die Côte de Beaune, andere werden da vielleicht schon alles drüber wissen. Zudem die Vorstellung des neuen Weinbuches „die 100 Besten Weine der Welt“ von Wolfgang Staudt, über das ich mich als Blogger mit unendlich mehr Platz gesegnet, natürlich viel breiter auslassen konnte. Letztlich kommen wir beide, meiner einer mit viel Text, Meiningers Weinwelt mit weniger zu einer Kaufempfehlung.

„Das ist ja kein kritischer Weinjournalismus“ ist eine der vielen Aussagen über Meiningers Weinwelt in diversen Weingruppen vor allem in Facebook. Dort sitzen aber auch die Weinfreaks, die Fans die wirklich jeden Tag mit Wein zu tun haben. Neudeutsch sind das meist mehr als nur Semiprofessionals. Da gehöre ich wohl als Blogger dazu, irgendwie zumindest…
Sobald die neue Ausgabe da ist, lehne ich mich in meiner Badewanne mit einem Glas Wein zurück und lasse mich für 7,80€ einfach auch mal von Meiningers Weinwelt entspannt unterhalten. 

Wenn man sich höchst effektvoll reiben und diskutieren will, kann man das heute im Internet ausführlich tun. Hier gibt es zwei Welten: Portale wie Wein-Plus, Meinungsseiten wie Captain Cork und zig weitere Weinseiten, Weintouristik und Winzerhomepages.

Metzger Riesling Wein Weinblog

Print ist nicht tot!

Die in Facebook Vernetzten sind eine eigene Welt für sich. Hier ist vom Winzer über den Journalisten, den Blogger und schlichtweg trinkambitionierten Autodidakten alles dabei. Meistens hat man sich in diesen sozialen Netzwerken auch gern, irgendwie. Dann aber werden auch schon mal Glaubenskriege mit dem Breitschwert geführt. Eigentlich dünkt man sich in dieser Sphäre egalitär und für jede Diskussion offen: zu häufig aber ist es gelebte schwarz/weiss Seherei, manche Diskussion wird geblockt, eine einfache Frage kann schon mal als mangelnde Kompetenz ausgelegt werden… Die physische Distanz am Computer, die Tatsache den anderen nicht zu sehen, enthemmt spürbar. Internet ist nicht nur ein Segen; Wein im Internet kann furchtbar anstrengend sein. Print ist dafür dann oft der erfreuliche Ruhepol!

Für mich ist es dann ab und an einfach zutiefst meditativ in einem Heft wie Meiningers Weinwelt zu blättern und Gelassenheit ohne Glaubensfragen zu zelebrieren! Eine Form von Entschleunigung, ein Begriff, der gerade in der ambitionierten Weinwelt oft gebraucht wird.
Interessengruppen gehören zu den Realitäten des Lebens. Meiningers Weinwelt will, besser kann nur eine dieser Gruppen bedienen, seine eigene Leserschaft ansprechen: Wenn auch ab und an belächelt, ein bisschen Pluralismus wird dem Wein (und den darüber Schreibenden) nicht schaden. Möchte mich ganz offen dafür aussprechen, dass wir in Sachen Wein nicht in Parallelwelten abdriften. Wer nur noch das Internet als DAS Medium sieht, ist bereits auf dem Weg das vorzubereiten, was früher mal die Weingurus waren. Scheinbar ältere Herren, die der Welt erklären, wie Wein schmeckt und funktioniert, was richtig und falsch ist und die Ikonen der Weinwelt inthronisieren.

Print wird sich in unserem digitalem Zeitalter verändern. Wohin der Weg geht wissen wohl auch die Verlage nur bedingt. Aber Print hat einen wesentlichen Vorteil gegenüber der Schnelligkeit des Netzes. Den gründlich recherchierten, ausführlichen Artikel. Ein Stück geistige Arbeit, in Stunden oder gar Tagen entstanden. Abwägend, auf breiter Inforamtonsbasis, ist mir ein zwei oder dreiseitiger Artikel oftmals lieber, als wilede Threads und Diskussionverläufe im Internet, in die jeder hineinruft wie auf dem Stammtisch. Will dem nicht die Berechtigung absprechen. Ab und an genieße ich lieber die klare Ruhe eines gedruckten Textes, und vor allem die Ruhe danach um dann selbst – ungestört von sekündlich einschlagenden Kommenatren – mal den Denkapparat anzuwerfen. Kritik äußern kann man ja dann immer noch. Im Internet scheint sich aber der Begriff Kritik immer mehr in Richtung Verriss zu entwickeln, schade!

 

„Jetzt geht´s um die Wurst“

Uli Metzger ist der Vorzeigeaufsteiger einer ganzen Region. Nur wenige Winzer der insgesamt aufstrebenden Pfalz schaffen es so schnell wie er, bekannt zu werden. Verdanken kann er das natürlich seinem Können als Winzer und den Medienagenten, einer auf Weinmarketing spezialisierten Werbeagentur aus Bad Dürkheim. Diese spielten mit dem Namen und kreierten daraus ein Etikett, welches schwer zu übersehen ist.

Mittels einer Kuh und einem aus der Welt der Fleischerei stammenden Zerlegeplan werden die drei Qualitätsklassen des Weingut Metzger aus dem pfälzischen Grünstadt-Asselheim erklärt. Keine Sterne, Trauben und irgendwelche Farben, das kann ja jeder.
„A“ steht für das Filet, die besten Weine des Betriebes. „B“, wie der heute vorgestellte trockene 12er Riesling, bezeichnet das Pastorenstück, die solide Mittelklasse. „C“ ist die Flanke, darunter werden die Gutsweine verkauft.

Foto: Weingut Metzger
Foto: Weingut Metzger / Andreas Durst

Frische Säure im Glas, hier wird man sofort wiederbelebt! Bisschen Zitrone. Andere trinken Eistee, der Pfirsich ist hier schon drin. Das geht auch fast ohne Zucker, wenn auch nicht ganz staubtrocken. Den Metzger will man gierig herunterstürzen, sollte man aber nicht. Denn Nachhall gibt’s noch ordentlich obendrauf. Neue Kategorie zum streiten: Optimales Preis/Zeitverhältnis

Auch wenn Uli Metzger sein Engagement in den nächsten Jahren mehr auf die Rotweine legen will, hat er mit dem 12er Riesling trocken eine wunderbare Allzweckwaffe geschaffen. Ein daylie drinkable. Am Ende räumte der 13er bei der “best of riesling” Trophy des Meiniger Verlages in der Kategorie trocken bis 12,5% den zweiten Platz ab. Den ersten Platz belegt mit dem 12er Riesling trocken aus der Lage Berg Schlossberg mit gerade mal zwei Punkten und stolzen 20€ Preisunterschied das renommierte Kloster Eberbach.

  • Weingut Metzger, Riesling trocken 2012, “Pastorenstück”, Pfalz; für schlanke 6,50€ ab Hof

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Blue Captcha Image

*