Wein des Monats August 2013

[dropcap1]V[/dropcap1]or einigen Wochen hatte ich ein Beispiel hier auf dem Blog, welches sich um die Fragestellung Kommunikation und Wein drehte. Genauer ging es dabei um eine so genannte Edition. In der PR-Aktion nahm man einen recht beliebigen Wein eines natürlich renommierten Weingutes, versah das Etikett mit dem Namen eines bekannten Kochs aus dem Fernsehen und fertig war die Edition. Die Botschaft: Wenn der tolle Koch den Wein von dem bekannten Weingut empfiehlt, dann ist der Wein mindestens großartig und – das ist das perfide – muss dem deutschen Michl der Wein natürlich auch schmecken.
Man wird für dumm verkauft, oder ist “man” es schon längst? Selbst die Grande Nation Frankreich, genauer die Franzosen scheinen keine Ahnung mehr vom Wein zu haben, so zumindest dieser ineressante Artikel. Vielleicht unterstelle ich hier auch mehr, als tatsächlich ist… mich sprechen solche Offerten als Kunde aber schon lange nicht mehr an! Der Wein war kein Untergang. Wahrscheinlich verbirgt sich aber der normale Gutswein dahinter, den man statt für 9€ auch schon für 6€ haben könnte. Freilich ohne das aufgedruckte Autogramm des Kochs.  nackenheimer-r-trocken

Auch das 150ste Rioja-Paket mit 345 (Ausschuss)Gläsern für 39,95€ von sonst wem ist keine Edition! Fast täglich erreichen mich diese Mails. Wenn man dann ein wenig im deutschen Weinhandel herumschaut, findet man eigentlich nur einen, der echte Editionen im Angebot hat. Beschäftigt man sich mit dem Begriff Edition, geht es dabei um Vertrauen beim Abnehmer, um Kenntnis des Inhaltes seitens des Editors, sprich Herausgebers. Der Händler bürgt mit seinem Namen, mir persönlich ist das lieber, als ein – wenn auch bekannter – Koch sein Gesicht in die Kamera hält! Das sagt nämlich über den Wein nichts aus, das Logo des Händlers aber sehr wohl; besonders in diesem Fall.
Der Händler probiert also im Keller beim Winzer, entscheidet sich dann für eine  bestimmte Marge oder eben ein einzelnes Fass, versieht das mit einem eigenen Etikett und bringt es in den Handel. Die Menge ist also begrenzt, die Herkunft klar. In diesem Fall lag der Wein auf Wunsch des Händlers besonders lange auf der Hefe. 

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Das Weingut Kühling-Gilott aus dem rheinhessischen Bodenheim ist in seiner Art der Weine was ganz anderes, als man sonst aus Rheinhessen in der Masse kennt. Das Weingut arbeitet ökologisch und biodynamisch, gehört nach dem GaultMillau zu den Spitzenbetrieben Deutschlands, ist VDP und ECOVIN Mitglied. Das häufig benutze Schlagwort Authentizität füllt der Betrieb mit Inhalten, eine handwerkliche Bereitung der Weine mittels Handlese, spontaner Vergärung und dem Ausbau in alten Holzfässern wird bewusst dem entgegengestellt, was heute technisch möglich wäre, dann aber auch zu technischen Weinen führt. Authentische Weine zu erzeugen bedeutet für das Weingut Kühling-Gilott wiedererkennbare Weine zu erzeugen, aus der Masse heraus zu stechen und dabei auch die Einzellage erkennbar zu machen.
Am Ende führt das alles zu Weinen, die in der Struktur gar keine zerklüfteten und zuweilen unbezwingbare Gebirge sein wollen, oder bereits in der Nase „wiedererkennbare“ Spontis sind, vielmehr strahlen sie eine entspannte und erlebbare Ruhe aus. Auch die jungen Jahrgänge wirken bereits gereift und abgeschlossen. Weiß auch gar nicht, ob der heutige Wein ein typischer Kellerkandidat ist, frage mich, auf was noch warten? In den Keller legen kann man ihn dennoch sicher noch ein paar Jährchen… nackenheimer-r-trocken

Verkostungsnotiz:
Wie schon angedeutet kein Sturm im Glas. Zu oft werden mit bei diesem Riesling gültigen Attributen wie Charakter, Ausstrahlung und Persönlichkeit lärmende, alles einnehmende Rampensäue erwartet! Ein feinduftiger Verweis auf Birnen, leichter Kräuteranflug und mineralische Anklänge, vielleicht noch etwas Hefe? Man muss sich konzentrieren, versinkt im Wein und vergisst ein wenig den Lärm der Welt! Ja, abgedroschen, aber wahr…

Am Gaumen werden die Eindrücke präzise, sind zugänglich, hier fängt der Wein im Mund richtig das Laufen an; das, obwohl der Nackenheimer Riesling beim Einschenken schon etwas dicker anmutet. Körper hat er, cremig im Mund. Sofort präsente Schiefer-Mineralik, lässt man mal richtig laut die Luft durchsprudeln denkt man an frisch geschlagene Feuersteine. Eine tolle Würze in Kombination mit der Säure lässt mich an etwas rohe Paprika denken. Aber immer alles rein assoziativ, nicht offensichtlich laut, der ganze Wein ist ein Nachhall.
Mit 5g/l Zucker auch nicht staubtrocken, was mir richtig Spaß macht. Man merkt es, der Wein ist seriös, erwachsen; ein großer Wein! Und dann erlaubt er sich dieses Zuckerschwänzchen, sagt, „älläbätsch, ach komm, sei nicht so ernst! Hopp, jetzt wird mal bissi gechillt und getrunken!“ Wie schon gesagt, für mich kein Kellerkandidat weil er jetzt schon einfach Freude macht, das einzige, was man wohl muss, ist vorher dekantieren wie eigentlich alle spontanvergorenen Weine.

für 16,90€ aus der Weinhalle in Nürnberg nackenheimer-r-trocken

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