Das Weinjahr 2014 war alles andere als optimal. Der eigentlich viel zu warme Winter zog die Blüte vor, im Sommer gab es erst kaum Wasser, dann Sintflut. Im September konnten die Trauben doch noch reifen, waren da aber schon von der Kirschessigfliege befallen. Im Oktober regnete es wieder Binfdfäden. Noch als die Trauben in den verregneten Weinbergen anfingen vor sich hin zu gammeln und Winzer zu hektischen >Noternten< trieb, war eines klar: 2014 trennt die Spreu vom Weizen


[dropcap1]O[/dropcap1]thegraven aus Kanzem an der Saar hat 2014 gut gepackt. Es befindet sich seit 2010 im Besitz von Günther Jauch, dessen Großmutter eine geborene von Othegraven war. Mit Andreas Barth – Besitzer des Weingutes Lubentiushof in Niederfell an der Untermosel bei Koblenz und Winzer des Jahres 2012 (Cptn. Cork) – hat Jauch den Kellermeister und zugleich Geschäftsführer von der ehemaligen Besitzerin Dr. Heidi Kegel übernommen.
Othegraven Saar Mosel

Othegraven Saar Mosel
Sicher eines der schönsten Gutshäuser der Republik: Weingut v. Othegraven in Kanzem an der Saar (Bild: Weingut v. Othegraven)

Das VDP Weingut v. Othegraven ist schon seit Jahren einer der Top Erzeuger an der Saar und bewirtschaftet Steilhanglagen wie den Kanzemer Altenberg, den Ockfener Bockstein und die kleine Lage Wiltinger Kupp. Der Wawerner Herrenberg – ehemals im Familienbesitz – wurde nun zu Teilen zurückgekauft. Othegraven Saar Mosel

Nachdem das Ansehen der Saar als Weinbaugebiet im letzten Jahrhundert völlig einbrach, will man nun an die glorreichen Zeiten wieder anknüpfen. Ob es da hilft, dass die Region seit 2006 zur Mosel zählt und den eigenen Namen hergeben musste?

Das komplexe Weinjahr 2014 kann zu diesem Aufschwung erheblich beitragen. Dies jetzt zu erläutern käme einem Riesenexkurs gleich. In Worte fassen kann das Martin Kössler hundert mal besser, absolut lesenswert!

Lagenvertikale:

Der Jahrgang 2014 zeigt sich bei v. Othegraven etwas anders als die bisherigen. Die Weine werden schlanker, vielleicht verspielter und offerieren mehr Frucht. Klassisch leichte Kabinette, wie sie mir persönlich gut gefallen. Kein Gedöns, nix Aufgepumptes.

Bei den halbtrockenen 14er Kabinetten aus den schiefrigen Lagen Wiltinger Kupp und Ockfener Bockstein, sowie dem von Devon-Schiefer geprägten Kanzemer Altenberg (alle VDP.GROSSE LAGE) lagen die Mostgewichte vor der Kelter bei maximal 81° Oechsle. Von Überzüchtung wie sie bei den Kabinetten die letzten Jahre ein bisschen die Runde machte also keine Spur! Schön! Die machen richtig Laune und einfach Spaß!

Die Weine sind noch jung! Wer Weihnachten dieses oder nächstes Jahr öffnet, liegt genau richtig.

Nach dem Öffnen noch ein bisschen Luft:

saar_othegraven_weinblog_2_BocksteinDer Altenberg ist präzise ausbalanciert und rund. Ein Kabinett im besten Sinne, her mit dem zweiten Glas! Der Ockfener Bockstein ist in dieser Runde ein bisschen der Draufgänger. Er ist der „dickste“ soweit das für ein gelungenes Kabinett klassischer Art gelten kann, auf der Zunge etwas rauer und eindeutig der Steinewerfer (mineralischste Wein) des Trios. Der Riesling aus dem Wiltinger Kupp ist ähnlich präzise wie der Kanzemer Altenberg, zeigt sich aber als Fruchtpaket weniger steinig. Er wäre das typische „Möselchen“, käme der Wein von dort.

Mein Favorit ist jetzt der Bockstein wegen seiner etwas wilden Natur. Am Lagerfeuer würde der Wiltinger Kupp vermutlich schnell mit dem Ruf „mehr davon!“ gewürdigt werden, in ein oder zwei Jahren glaube ich aber, wird es der Altenberg sein, den ich dann etwas gereifter trinken möchte.

Alle drei ab Hof für 12€; 12,50€ und 13€ zu haben

[box type=”info” style=”rounded” border=”full”]Inhaber: Günther Jauch; Geschäftsführer, Kellermeister & Verkauf: Andreas Barth; Außenbetrieb: Swen Klinger

Mo–Fr: 9.00–16.30 Uhr und nach Vereinbarung; Telefon: 06501 / 150042
Rebfläche: 16 Hektar; Jahresproduktion: 100.000 Flaschen
Boden: Devonschieferverwitterung; Beste Lagen: Kanzemer Altenberg, Wawerner Herrenberg, Wiltinger Kupp, Ockfener Bockstein
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1 Gedanke zu „Saar – erste Eindrücke aus 2014 mit v. Othegraven

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