Wein des Monats Januar 2014 Prinz Riesling Hallgartener Jungfer weinblog
Das neue Rheingau. Keine aufgeblasene Namen. Nicht das Etikett ist Garant für den Erfolg, sondern der Flascheninhalt. Verstecken muss sich Fred Prinz vom gleichnamigen Betrieb damit nicht, denn er gehört trotz recht kleiner Betriebsfläche schon längst zum Weinadel im Rheingau!

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[dropcap1]G[/dropcap1]laubt man dem ein oder anderen Weinschreiber, hatte das Rheingau die letzen Jahren nicht nur ein Image – Problem, sondern auch mehr als nur einen vermurksten Jahrgang. Zu Ur-Uropas Zeiten gehörten rheingauer Weine noch zu den Weltweinen. In edlen Fresstempeln standen die deutschen Rieslinge gleichauf oder noch vor den heute so hoch gelobten Regionen wie z.B. dem Burgund oder Bordelais. Das Preisniveau war ebenfalls Weltklasse, so manches Weingut lebt noch heute vom nachhallenden Renomee längst vergangener Tage. Prinz Riesling Hallgartener Jungfer weinblog
Dass es Menschen gibt, die für eine aktuelle TBA 650€ hinlegen entzieht sich meinem Verständniss, hier kann es doch nur um das “man kann es sich leisten” und den Namen gehen… Dass die Unbezahlbarkeit andere deutsche Winzer auf den Plan brachte und gerade Ende des 20. Jhd. immer mehr gute Qualitäten aus anderen Regionen Deutschlands kamen, hat man im Rheingau angeblich schlichtweg verpennt. Prinz Riesling Hallgartener Jungfer weinblog
Ob das am Ende alles auch so stimmt, oder einzelne Phänomene zum Rufmord einer ganzen Region avancierten, kann ich mit meinen wenigen Lenzen nur schwer beurteilen, zumal onologischer Stillstand nicht immer schlecht sein muss. Noch mehr Stellschrauben hier, noch ein bisschen Technik da scheint das Credo unserer Zeit zu sein, doch ab und an sehnen wir uns nach Ruhe, Überschaubarkeit oder der von einem Nürnberger Weinhändler gern angeführten Entschleunigung des Weines. In diesem Sinne hatte ich schon vor einiger Zeit diesen Wein des Domdechant Wernersches Weingut aus der gerade unter Engländern am Anfang des 20. Jhd. geschätzten Hochheimer Hölle vorgestellt. Das Rad muss nicht ständig neu erfunden werden!

Die östlich des Ortes Hallgarten gelegene Lage Hallgartener Jungfer ist ebenfalls eine der  Top-Lagen im Rheingau. Aber auch sie hatte wie so viele andere unter dem Weingesetz von 1971 leiden müssen. Die Bezeichnung geht ursprünglich auf eine kleine Parzelle zurück, die schon lange vor der Flurbereinigung Bestand hatte; die heutige Lage Hallgartener Jungfer wurde mit 93ha um diese quasi herumdefiniert.

Der historische Name Jungfer lässt sich letztlich auf die Jungfrau Maria ableiten. Es ist anzunehmen, dass die Lage einst vom nahe gelegenen Kloster Eberbach, in dem seit dem 10 Jhd. Wein erzeugt wird, durch dort ansässige Zisterzienser abgesteckt wurde. Tatsächlich hat auch das VDP Weingut Prinz eine Verbindung zum heutigen Weingut Kloster Eberbach. Gutsbesitzer Fred Prinz war lange Zeit beim Kloster Eberbach für den Keller verantwortlich. Auf 7ha arbeitet Fred Prinz heute größtenteils von Hand, arbeitet dabei  – ohne Zertifizierung – ökologisch und steht für das neue Rheingau. Im Stil kein kreativer Freak, vielmehr handwerklich solide auf die Lage besonnen werden hier Terroir Weine erzeugt, ohne aber auf diesem ausgelutschten Begriff herumzureiten. Prinz Riesling Hallgartener Jungfer weinblog
Ob 2010 bei einem Ersten Gewächs nun ein Babymord ist oder nicht, mag man diskutieren. Auch wenn ich kein Freund des so genannten Jahrhundertjahrganges bin, auch gefielen mir die Rheingauer aus 2009 allgemein einfach besser. Der Wein zeigt sich heute aber von präziser Zugänglichkeit und Reife, auf was soll man da noch warten? Zugegeben, von einem Ersten Gewächs erwartet man großes Potential, mehr als die heutigen drei Jahre, wobei dabei oft Lagerfähigkeit mit Reifefähigkeit gleichgesetzt wird. Sicher kann er noch liegen, aber die Säure wird davon nicht besser. Es ist Riesling, warum auf Weinstein warten? Das Ding schmeckt jetzt!

[dropcap1]D[/dropcap1]ie Jungfer zeigt sich im Glas alles andere als blass. In der Nase deutlich kräutrige Eindrücke, Thymian ist da auf jeden Fall mit dabei. Quittenkompott und gelbe Äpfel runden ab,  am Gaumen merklich hohe Viskosität, dennoch leicht und trinkfreudig. Geschmackliche Dichte ähnlich der Nase, hinzu kommen Eindrücke von Honig und eine deutliche Würze. Die Säure ist schön präsent ohne dabei aber als Solist nach vorne drängen zu wollen. Man sollte sich nicht zum all zu schnellen Trinken verleiten lassen, denn ein enorm anhaltender Nachhall spielt nochmal deutlich die Lage heraus, eine deutliche Mineralik hat der Quarzhaltige Boden der Jungfer gefühlt tonnenweise in der Flasche gelassen. Erst nach Tagen offener Flasche entwickeln sich dann auch Eindrücke von gebackenem Hefeteig und erstaunlicherweise Minze.Prinz Riesling Hallgartener Jungfer weinblog
Für etwas mehr als 20€ ab Hof sicher nicht alltäglich, aber solche Weine sollen ja auch im Gedächtnis bleiben. Zumal man für dieses Geld das neue, von kleineren Winzer repräsentierte Rheingau bekommt, es muss nicht immer die Labeltrinkerei eines bekannten, hellblauen Weingutes sein!Prinz Riesling Hallgartener Jungfer weinblog Prinz Riesling Hallgartener Jungfer weinblog

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