Schluck das Weinmagazin aus Berlin

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Manfred Klimek erzählt von einem Wein, der seit zwei Jahren in meinem Keller liegt. Grêle, der Hagelwein. Aber er erzählt es natürlich besser. Dann das Titelbild. Buhlt (genau hin sehen!) es denn um Leser? Sexismus?

[dropcap1]N[/dropcap1]ein, es ist eine Homage. Um das zu verstehen, muss man aber bis Seite 51 blättern. Nicht jeder hat das im Vorfeld geschafft und lieber gleich gemeckert. Ein paar Nutzer auf Facebook waren da mal wieder ganz groß. Mindestens peinlich! Dort trifft man völlig unerwartet auf Charlie Hebdo und ein Postulat der Freiheit. Und natürlich hat man plötzlich wieder die Bilder vom Januar im Kopf. #nachdenklich

Zur Ambition des Heftes sagen die Herausgeber Julia Klüber, Chtistian Schärmer und Paul Truszkowski, sie >haben lange nach dieser Weinzeitschrift gesucht und sie nicht gefunden, also haben wir uns entschlossen, sie selber zu machen<.
Die Macher von Schluck das Weinmagazin sind in der Wein-Scene bekannt. Allen voran der stets strittige Chefredakteur Manfred Klimek, der nach den Querelen um Cptn. Cork hier als Weinschreiber sicher eine neue Heimat gefunden hat.

Schluck das WeinmagazinEs geht natürlich um Wein, es geht um Menschen, es geht um die Wahrnehmung der Sinne, um lifestyle und sogar Fleisch. Am Stück und durchgedreht. Ein wunderbarer Text über Wurst findet sich auf Seite 80. Wurst?! Ja!
Es ist ein Weinmeinungsmagazin. Will man alte Grenzen der Weinschreiberei überwinden, kann man irgendwann nur bei Schluck ankommen.
Es ist die Fixierung von Lebensmomenten und Augenblicken. Es ist das Bekenntnis zum Rausch und Genuss. Schluck das anstössige Weinmagazin will Begleiter werden und Freund sein – so steht es im Editoral. Schluck das Weinmagazin
Schluck ist auch eine Kampfansage an den Weißraum anderer Magazine, geizt nicht mit Text und bietet moderne, deutsche Sprache. Schluck ist absolut lesenswert.

 

Der Hagelwein /8

grele roquefortDie Geschichte handelt von dem Winzer Raimond de Villeneuve vom Château de Roquefort in der Provence. Dieser verlor durch einen Hagelschlag im Jahr 2012 seine Weinberge, also alles, was ein Winzer haben kann. Von 200 Tonnen blieben 15 Kilo übrig.
Klimek zeigt den Menschen Raimond, der ohne die Solidarität von 35 Kollegen am Ende gewesen wäre. Der Text feiert Solidarität als Leistung einer Gemeinschaft, in der sich jeder als Teil des Ganzen sieht. Eine Brüderschaft. Gerade in diesen Tagen, im Herbst 2015, ein wichtiger Text. Schluck das Weinmagazin
Und natürlich schmeckt der Wein nach dieser Geschichte gleich noch besser! Im “
Rouge No. 2″ stecken 15 Rebsorten aus vier Departements und 9 Appellationen. Also nix mit Côtes de Provence. Schwarze Oliven, kräutrig, ordentlich Gerbstoff. “No. 1” kommt erst noch in den Handel. Den Winzer und dann auch vermutlich “No. 1” findet man hier.

 

Der Weingutbauer /30

Habe mal Bauforschung studiert. Ein absolutes Orchideenfach zwischen Archäologie und Denkmalpflege. Da geht es um Kathedralen, Fachwerkhäuser, das Datieren von Hölzern und Baugeschichte über viele Jahrhunderte. Mit dem heutigen Beton, Glas und geraden Linien kann ich reichlich wenig anfangen.
Genau das macht der Wiener Architekt Andreas Burghardt. Er erzählt dann aber auch vom Altern seiner Gebäude. Die Gestalt verändert sich, worin das Wesen seiner Architektur läge.
Ja, hmm, ein bisschen ratlos blättere ich weiter, erfahre aber immer noch mehr, als in anderen Magazinen. Da gibt´s sowas dann auch. In Hochglanz und ganz ohne Text.

 

Wir sind nicht Charlie /51

Habe mich damals auch hinreißen lassen jenes „Je suis…“ zu posten. Wusste in dem Augenblick nix besseres. Vielleicht fand ich Sicherheit darin, das zu tun, was alle anderen auch machten. Wir sind aber nicht Charlie. Wir sind aber ein Teil der Gesellschaft, denn Charlie Hebdo vertrat.
Friedrich Oswald findet einen besonderen Weg zu erinnern, aber auch zu mahnen. Die Zeichner von Charlie gestalteten einst Weinetiketten – und jaaa verdammt, die sind sexistisch. Weil wir frei sind das zu tun! Und hier findet sich auch die Vorlage zum Titelbild der ersten Ausgabe von Schluck. Schluck das Weinmagazin

 

Anstössig? Ja! /0-122

Es hat funktioniert. Bei “anstössig” dachten viele an Pseudo-Tittenheft. Die erste Ausgabe von Schluck ist einfach gelungen. Sie ist ein Anstoß für die Weinschreiberei im Allgemeinen, aber auch für Themen drum herum.
Leider erscheint das Heft nur zweimal jährlich, aber was ist schöner, als mit Spannung auf den nächsten Moment zu warten. Sei es Wein, oder die nächste Schluck. Die verschiedenen Bezugsformen findet man
hier.
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1 Gedanke zu „Schluck das Weinmagazin aus Berlin

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