Das Weingut K.H. Schneider und auch verschiedene Weine wurde hier schon mehrfach vorgestellt, wir können gleich zum Thema übergehen.
K.H. Schneider Sauvignon
Sauvignon blanc, ein Streitthema

Viele Weinfreunde würden die Existenz dieser Rebe in Deutschland gerne ignorieren. Schnell sieht man sie mit Kommentaren wie „Katzenpisse“ und „neumodischer Quatsch aus Übersee“ abgeurteilt. Tatsächlich kommt der Trend zu diesem Trendwein aus Neuseeland, schaut man sich hier die Zuwachszahlen der letzten beiden Dekaden an, so sind das mehrere tausend Hektar. Nicht selten bringen Winzersöhne und Töchter diese Reben von ihren Praktika von dort nach Deutschland mit. Im Gespräch mit Winzern scheint Sauvignon blanc auch wirklich die Rebe in Deutschland zu sein, die am häufigsten neu gesetzt wird, dicht gefolgt vom Spätburgunder. Unter den Weißen Rebsorten belegt an der global erzeugten Menge gemessen den zweiten Platz.
 

Man versucht also auch in Deutschland auf den Markt zu reagieren, ihn zu bedienen. Macht das aber immer Sinn? Kann ein Winzer überhaupt so schnell reagieren, wie es der Markt mitunter verlangt? Ist das am lautesten beworbene Produkt wirklich das, von dem der Winzer auch die nächsten Jahre leben kann oder gar will? Eines ist sicher: Der Winzer kann dem Rebsortenboom oft nur hinterherstolpern. Bringt seine Pflanzung dann nach Jahren endlich annehmbare Qualitäten, kann die Rebe schon längst wieder out sein. Oder aber, er fängt möglichst früh an aus den beinahe noch Setzlingen irgendwas zu keltern, womit wir wieder bei der häufig ordinären Spielart wären… Ein Rebsortenboom ist aus meiner Sicht der Qualität nicht immer dienlich. 

Der Ruf des Sauvignon blanc ist schlechter, als die Rebe selbst. Man tut ihr Unrecht sie beispielsweise mit dem vermeintlich einfachen Qualitätsvermögen eines Müller-Thurgau zu vergleichen. zumal auch dieser mehr könnte, wenn man wollte… anderes Thema! Beide Reben sind als Zechweine verschrien.
Der Sauvignon blanc von Andi Schneider wurde 2004 gepflanzt, hat das Vergnügen auf mageren Quarzitböden zu wachsen, der Ertrag liegt bei 40hl/ha. Die Trauben werden richtig reif , eine zwingende Voraussetzung um die hier auf der Flasche abgebildeten Eigenschaften wie Frische, facettenreiche Aromata, Trinkfreude und dennoch Tief gang zu erreichen. 

In der Masse produziert kann ein Sauvignon blanc das alles nämlich nicht. Und genau darin liegt wohl das Problem: Es ist eben kein Quantitätswein, in großen Mengen hergestellt, neigt der Sauvignon blanc am Stock zu Krankheiten. Erst durch einigermaßen resistente Klone (297, 316) wird er wirtschaftlich. Ist das Lesegut nicht optimal, muss er dann, um ihn  mikrobiologisch stabil zu bekommen, stark schwefeln. Und schon haben wir den typischen Geruch von Katzenpisse, Feuerwerkskracher und Co. Bei Schneiders ist das etwas anders, man weiß um die Bedürfnisse der Rebe und erzeugt im Wingert entsprechendes Lesegut. 

Handverlesen in den letzten Septembertagen, lange Maischestandzeit durfte der Sauvignon blanc von K.H. Schneider bis in den März 2012 im Stahltank in Ruhe blubbern. Dabei verfolgt Andi Schneider einen eigenen, wie er sagt „deutschen Stil“. Trotz seiner Zeit in Neuseeland will er weder „green ´n´ loud“ noch den klassischen Stil der Loire. Als gelungene Synthese dieser Stile kann man den Sauvignon blanc aus Sobernheim bezeichnen: Im Bukett kein Verdacht eines vordefinierten Weines. Keine offensichtliche Präsentation aus dem Labor, sondern vielmehr jetzt schon vielschichtig. Es ist ein nasaler Griff in die mögliche Aromenvielfalt der Rebe. Angenehm! nicht auf dringlich kräutrige und vegetativ grasige Noten lassen sofort auf Sauvignon blanc schließen. Viele würden schon hier wieder losplärren: „Bäh, Gras, der is ja unreif …“ Das sensorische Kriterium für reifes Lesegut, den Duft nach Stachelbeeren liefert der Wein aber gleich hinterher; etwas grüne Paprika ist auch dabei. Eindrücke von Cassis, etwas Zitrus und lagentypische Mineralik erzeugen Spannung. Ein leichtes Pfefferl erinnert in Nachhall an gehobenen, grünen Veltliner, wäre die Flasche nicht schon leer, würde ich mir jetzt ein bodenständiges Schnitzel braten und dazu Erbsen, Möhrchen und Kartoffelpüree mit geschmolzenen Zwiebeln machen. Wein muss man nicht immer mit Hummerschaum Gedöns und Co. harmonieren!

Wir haben hier einen wunderbar trinkfreudigen Wein mit rassiger Säure im Glas, der tatsächlich vielfältig eingesetzt werden kann. Dabei fungiert er als Teil des Ganzen und überzeugt eben nicht nur durch unauffällige Anwesenheit wie die zu „jeder Gelegenheit passenden“ Sommer-Terrassenweine. Das hier muss man sich mit offener Wahrnehmung zu Gemüte führen, davon sollte man immer was im Keller haben! 

Den 12er gibt´s ab Hof für etwa 10€

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