Stortz-Nicolaus_weinblog
Chardonnay in höchster Eigenständigkeit

Neulich offenbarte mir ein Bekannter seine glühende Verehrung für Chardonnay, hielt fast schon einen Monolog über deren Einzigartigkeit und deren von anderen Reben ja kaum zu erreichende Qualität. Die Diskussion musste natürlich da enden, wo sie enden muss, bei Chablis… Das Weingut wurde bereits hier schonmal vorgestellt.

Gut, Chardonnay gibt es bekanntlich schon für 2,99€ im Supermarkt, oder auch um ein vielfaches teurer aus eben jener französischen Gemeinde aus dem in Sachen Wein oftmals als Minenfeld bezeichneten Burgund. Die „Einzigartigkeit“ beruht auf über 20 verschiedenen Klonen, hohen Ansprüchen an das Können des  Winzers und eben der Möglichkeit, diesen Wein industriell „auszuschlachten“ , oder im Sinne von Qualität in reduzierter Menge zu kultivieren.

Der heutige Wein des Bioland zertifizierten Weingut Stortz-Nicolaus aus der Pfalz, ist ein Vertreter der langsamen, reduzierten Machart. Hier wurde nicht schnell und reduktiv für allgemeine Gefälligkeit gesorgt, sondern ein Wein auf die Falsche gebracht, bei dem ich den Begriff Einzigartigkeit dann doch gelten lassen würde. Wegen seines deutlichen Characters und nicht, weil Chardonnay auf der Pulle steht!

Im Glas kräftige Gelbtöne. Der Wein wurde zu 40% im Eichenfass vergoren, in Barriques ausgebaut und dürfte ab und an auch aufgerührt worden sein,  fast schon zähe Viskosität. Der Ausbau im Barrique macht sich sofort in der Nase mit leicht rauchig speckiger Note bemerkbar; erste Befürchtungen einer Überfrachtung; eines all zu kreativen Ansatzes des Winzers setzen ein.
In der Nase auch leichte Noten von Hefeteig, eher hintergründig eingekochte Fruchtnoten. Jüngere Jahrgänge erinnern hier deutlich stärker an exotische Fruchtnoten, liegen aber mit 13,5% Alkohol auch ein ganzes Prozent niedriger. Mich erstaunt immer noch, dass man die 14,5% des 09er aber auch nicht weiter merkt… Hatte mir die Flasche dieses Jahrgangs bewusst mal auf die Seite gelegt.
Die Säure spielt animierend frisch am Gaumen, es zeigen sich Nuancen von Schalenfrüchten. Gerade nach längerem Belüften schmiegt sich der Holzton nun angenehm an, von Penetranz keine Spur mehr.

Solche oxidativ erzeugten Weine sind meist lagerfähig, in diesem Fall wären sicher noch zwei  Jahre möglich. Ehrlich gesagt ist dieser Wein eher schwer zu erkunden, für Anfänger und Jedermann ist das hier wirklich nichts. Wer die hüpfenden Gummibären-Weine aus dem Supermarkt aber leid ist, wird genau hier fündig!

Ab Hof für völlig gediegene 9€ zu haben. Stortz Nicolaus Stortz Nicolaus Stortz Nicolaus Stortz Nicolaus Stortz Nicolaus

 

1 Gedanke zu „Stortz Nicolaus Chardonnay 2009 trocken Pfalz

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