Stolper in meinem Keller über zwei Flaschen Silvaner. Wittmann und v. Racknitz. Kein Lagengedöns, einfach Wein. In Franken glaubt man, Silvaner geht nur jung und frisch. 2012? Rührt hier keiner mehr an. Endstation: Ladenhüter

[dropcap1]M[/dropcap1]acht nix, dann trink ich 2012 halt allein. Bei Wittmann und v. Racknitz ist das Kerngeschäft sicher der Riesling. Verdammt guter Riesling. Aber große Brüder haben immer Einfluss auf „die Kleinen“… Und das Resultat ist bei beiden Weingütern mehr als nur Zufall, sondern der Wille zu gutem Wein.

Silvaner verirrt sich nicht ins Bewusstsein versnobter Connaisseurs. Silvaner zeigt die letzten Jahre aber immer mehr, was in ihm steckt. Volkswein, Saufwein klingt alles nicht schmeichelhaft, ist aber herunter gebrochen genau das, um was es geht. So lange alle nur Riesling geil finden, wird Silvaner auch bezahlbar bleiben. Na gut, von mir aus.

Brunnenhäuschen, Kirchspiel, Morstein, das sind die Namen, mit denen Wittmann als Vorzeigewinzer in Rheinhessen Furore macht. Darüber ist das Weingut Wittmann einer der Vorantreiber des ökologischen Weinbaus in Deutschland. Man wirtschaftet 25ha, ist seit 1990 Naturland zertifiziert und Mitglied im VDP. Die Rheinhessen pflegen neben großen Rieslingen aber eben auch Triviales. Aus Silvaner und Scheurebe machen sie Luxus für den Alltag, wie der Gault&Millau 2014 treffend tituliert.

Racknitz ist da bedeutend kleiner, ohne irgendwelche Zertifizierungen und schon gar nicht VDP. Man fand es nett, dass dieser immer mal wieder Kontakt suchte, aber hin wollte man nicht.
Mittlerweile scheint das Weingut auch von privaten Umbrüchen mehr als gebeutelt. Man kann nur hoffen, dass es mit dem Weingut weitergeht. Allerdings wurden kürzlich 10ha der insgesamt 14ha Weinberge zum Verkauf angeboten. Ach Scheiße…
An der Nahe fing man 2003 quasi bei null an, fand schnell den Weg nach oben und bestach die letzten zehn Jahre durch grandiosen, lagerfähigen Terroirriesling. Bald gehörte man zu den Top 10 der Region. Das Gut baute sein Lagenportfolio aus und experimentierte unter anderem mit Silvaner. Mit einem durchschnittlichen Minimalertrag von gerade mal 35hl/ha setzte das Weingut in Sachen Qualität an der Nahe neue Maßstäbe.

Volkswein

Volkswein:

Racknitz steht für Nahe. Mit animierender Rasse und leichten Noten von Stachelbeeren erinnert er an den Basisriesling des nur wenige Kilometer entfernten Weingutes K.H. Schneider aus Bad Sobernheim. Exzellent mineralisch mit nerviger Säure und wässerndem Nachhall. Trocken, trockener, staubtrocken: Es ist die Handschrift eines Rieslingerzeugers. Insgesamt leichter und kerniger als Wittmann, der klassische Silvaner Fan mag bei v. Racknitz etwas besser aufgehoben sein.

Wittmanns Silvaner geht schon in der Nase eher in die Richtung eines komplexen Weißburgunders und hat beim Ausbau sicher Holz gesehen. Dichter im Körper als v. Racknitz und mehr Schmelz ist er auch im Aroma stilistisch anders gepolt. Ebenfalls mineralisch würzig, leichter Anflug von Paprika, nicht ganz so trocken. Von den beiden Weinen ist er mit dem höheren Alkoholwert versehen und drängt sich als Essensbegleiter fast schon auf. Für den Preis von nicht mal zehn Euro eine kleine Sensation.

Der Bezug von Racknitz Weinen ist aus bekannten Gründen derzeit schwierig, Restposten, sowie eim umfassendes Angebot an Weinen der Wittmänner findet man in der Weinhalle.

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