Strahlender Sonnenschein lud am letzten Wochenende zahlreiche Besucher nach Bernkastel-Wehlen zum Weingut Markus Molitor an die Mosel ein. Bei dessen Jahresverkostung erwartete den Weinblog nicht nur das vegetativ so schwierige Weinjahr 2013, man zeigte auch beeindruckende Jahrgangsvertikalen. Und dann wären da ja noch die Spätburgunder…

[dropcap1]D[/dropcap1]as Weingut Markus Molitor mit derzeit 50ha Rebfläche ist mit Abstand das größte privat bewirtschaftete Weingut an der Mosel. Ohne Mühe lässt sich der Betrieb an der Mittelmosel zu den renommiertesten Betrieben Deutschlands zählen. Auch qualitativ eines der Aushängeschilder des deutschen Weinbaus. M

Markus MolitorDas geht sogar ohne Mitgliedschaft beim überregionalen VDP, der sich momentan mit sicher richtig eingeschlagenem Weg, aber vielen Ausnahmeregeln und schwerer Kommunizierbarkeit für den Kunden im Aufbruch befindet.
Das Weingut Markus Molitor ist Mitglied im Bernkasteler Ring, ein Verband, der sich regional begrenzt um die Bedürfnisse der Moselwinzer kümmert und deutlich weniger als Marke auftritt.

Begonnen hat der falstaff Winzer des Jahres 2014 bereits mit 20 Jahren Anfang der 1980er Jahre als Jungwinzer und gerade mal 2ha Anbaufläche. Heute arbeiten im Betrieb über 30 Festangestellte. Die Weine werden, das ist in den Steillagen eh nicht anders machbar, von Hand selektioniert und in mehreren Durchgängen nach physiologischer Reife, nicht nach Oechsle, von bis zu 100 jährigen, wurzelechten Stöcken gelesen. In manchen Jahren kommen da schon mal 150 verschiedene Weine zusammen. Es gibt wenig deutsche Winzer, die sich mit mehr als 10 Trockenbeerenauslesen „aufhalten“… Europas Weinmagazin Vinum beschrieb Markus Molitor als Meister der selektiven Lese, den gesamten Artikel gibt es hier. Markus Molitor

Markus Molitor ist im Keller allein verantwortlich. Bei ihm steht kein Önologe, kein Kellermeister auf der Gehaltsliste. Spontangärung im kühlen Schieferkeller, späte Schwefelgabe und schonend langes Hefelager über Monate und  den Winter hinaus. Alles Stichworte mit denen man nicht den Zeitgeist der Avantgarde bedienen will, sie bleiben vielmehr als betriebliche Selbstverständlichkeit allein Chefsache. Markus Molitor


Eindeutiges Lagenbild

In unmittelbarer Sichtweite zum derzeitigen Streitthema Nr. 1 an der Mosel – dem Hochmoselübergang der B50 – beginnt meine Weinreise mit Pinot Blanc. Der 11er Pinot blanc Haus Klosterberg hatte mich hier schon einmal überzeugt, der aktuelle 13er ist nicht nur preislich eine Ansage.

Der 13er Pinot blanc aus dem Wehlener Klosterberg offenbart, was sich als roter Faden durch das gesamte Portfolio zieht: Unverwechselbare Lagenauthentizität.
Der Pinot Blanc aus dem Wehlener Klosterberg ist anfänglich etwas verschlossen; tritt leiser auf als Haus Klosterberg, präsentiert sich dafür aber komplexer und tiefer. Man begegnet Eindrücken von getrockneter Orange und nur einem Hauch der sonst rebsortentypischen Stachelbeere. Gute Länge, 14,90€.

Weiter geht es mit den trockenen Rieslingen aus 2013, bei Markus Molitor auch als weiße Kapsel bekannt. Diese gibt es von den Qualitätsweinen bis hin zur Auslese***. Das Lagenportfolio mit lauter klingenden Namen zeigt einen vinophilen Volltreffer nach dem anderen. Aus dem Graacher Domprobst gefällt ein leicht süffiger, mit moderatem Alkohol versehener Kabinett. Ein richtiger Läufer zum Spaß haben, überraschend potent im Nachhall. Für 12,50€ macht man da überhaupt nichts verkehrt, eingepackt.  

Der Kabinett aus dem Ürziger Würzgarten macht bereits in der Nase eine deutliche Ansage. Ein frischer, eleganter Lagenriesling mit leicht nussigem Nachhall. Etwa ein Jahr auf der Flasche sollte man ihm aber wegen subjektiv markanter Säure noch gönnen.

Markus Molitor

Die 07er Spätlese Bernkasteler Lay – Edition 7 – zeigt das enorme Reifepotential eines Markus Molitor. Ein Kammerorchester von Mandelnoten, trockener Orange, etwas Honigmelone, Quitte und Apfel vollendet in kräuterwürzigem Nachhall. Für 19,50€ keine Überlegung wert, mitnehmen!


Les Pinot noirs

Wohl nicht ganz regelkonform schiebe ich die Spätburgunder dazwischen. Ab diesem Punkt fing ich an, mit der Überschrift zu hadern. Die hier gezeigten Weine offenbarten kleine Schätze, die bei all dem Riesling fast übersehen werden könnten. Spätburgunder ist im Weingut mit verschwindend geringen 3% Anbau anzutreffen.

Den 11er Pinot Noir aus dem Brauneberger Mandelgraben* nehme ich für 25,90€ sofort mit, auch wenn man mir im Gespräch verrät, dass er eigentlich kein Verkaufsschlager ist. Das soll verstehen wer will…
Der auf Schiefer, Quarzit und Kies Gewachsene zeigt sich hellrot ins orange changierend. An der Nase dunkle Früchte mit reifen Kirschen sowie Brombeeren. Röstaromen mit dezent rauchigen und speckigen Noten. Markus Molitor
Sicher ein eher stimmhafter seiner Art, aber jeglicher Rustikalität enthoben. Praller Korb voller dunkler und roter Beeren, kräftige, strukturierende Säure. Im Glas ist einiges los. Die Tannine zeigen sich reichhaltig und harmonisch, viele Schreiber würden das als typisch deutschen Spätburgunder bezeichnen. Es handelt sich aber um 100% französische Klone, also echter Pinot Noir.

Ein ganz anderer Typus von Spätburgunder, der wohl „undeutscheste“, ist der Pinot Noir aus dem Graacher Himmelreich***. Der einzige Pinot des Gutes, der zu 50% aus deutschem Spätburgunder besteht und bei Markus Molitor seit 30 Jahren seinen Dienst verrichtet.
Während der Mazeration hat dieser Wein richtig Dampf gemacht. An der Nase dicht konzentrierte, florale Noten. Petrol, viel süße Frucht. Ein opulenter Chanon an Beeren und natürlich Anflüge von Vanille. Neues Barrique ist hier Pflicht! Am Gaumen unglaublich seidiges, fast schon rares Tannin. Wie alle Spätburgunder bei Molitor wird hier die Lage erschmeck- und erlebbar. Jede Lage, jeder Wein daraus spricht für sich.
Die stolzen 82,50€ scheinen nicht zu schrecken, einer der Verkaufsschlager des Weingutes, der Pinot aus dem Graacher Himmelreich*** ist ein Verkaufsschlager.


Rieslingfieber

Nach einer ausgedehnten Pause, die man mit Entenbratwürsten, Hechtklößchen und weiteren Leckereien des Hotel Eurener Hof aus Trier vertrieb, ging es weiter mit feinherb, sowie frucht- und edelsüßem Riesling. Die Feinherben stammen alle von ausgezeichneten Schiefersteillagen, was man mittels schiefergrünen Kapseln kennzeichnet. Das Sortiment reicht hier vom Qualitätswein bis hin zur Auslese**.

Markus Molitor

Die Krönung ist der 13er Riesling Zeltinger Sonnenuhr Auslese**. Für 33,50€ gibt es einen schön konzentrierten, dichten Wein, der die Rebsorte unverkennbar zum Ausdruck bringt. Ein Wein der schon jetzt enorme Freude macht, mit Fruchtsüße strahlt. Potential für Jahre, dafür werden diese Weine gemacht.

Die Liste der golden bekapselten Weine ist lang. Erschwinglich geht es hier mit dem schmeichelnden 13er Ürziger Würzgarten Kabinett für 13,50€ los; mit der 06er Trockenbeerenauslese aus dem Bernkasteler Graben fällt man dem Fieber gereifter Rieslingkonzentrate gänzlich zum Opfer.
Zum Abschluss gab es Jahrgangsvertikalen von trockenen Riesling Auslesen aus dem Niedermenniger Herrenberg (´05-´10), sowie Versteigerungsspätlesen aus der Zeltinger Sonnenuhr (´95-´09), diese dann für 58,90€ in der 0,75er Flasche.


Chapeau!

Man wird das Weingut Markus Molitor im Auge behalten. Nur wenige Weingüter schaffen es, derart konsequent Qualität ins Glas zu packen. Das alle Launen der Natur zeigende Weinjahr 2013 war eine Herausforderung. Es wurde gemeistert. Weinbau ist und bleibt aber Landwirtschaft, die eben nicht jeder beherrscht. Wer in Jahren wie 2013 streng nach Lehrbuch arbeitet, hat nur Quantität, nicht Qualität im Auge und wird in beidem scheitern. Weinbau ist Kultur und diese will gerade im Steilhang gepflegt werden. Das kostet Arbeit, das kostet Zeit und letztlich auch Geld.
Ein bisschen Zeit sollte man den langsam und mit Bedacht gemachten Weinen von Markus Molitor aus 2013 auch noch lassen. Geduld wird belohnt.

Markus Molitor fährt seinen Kurs weiter. Wir werden sehen, wo er sich dann im ebenfalls schwierigen Weinjahr 2014 positionieren wird. Angesichts der im Wingert noch hängenden Trauben fällt auf, dass hier einer sein Handwerk versteht. Es wird bewusst reduziert und sorgfältige Laubarbeit betrieben. Der Ertrag kann schonmal auf 10hl/ha runter gehen, man lässt den Beeren in der Traube viel Platz. Vier Wochen muss das Wetter jetzt noch halten, bloß nicht weniger als 18…20°C, wir brauchen Sonne, wir wollen Molitor!

Die Bloggerin Tina Wilhelmus vom WeinReich-Blog war auch da, Sie beschreibt hier ihre Eindrücke

alle Bilder mit freundlicher Genehmigung des Weingutes

 

1 Gedanke zu „Markus Molitor ist Riesling

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