Sigl Riesling Kirnberg Smaragd 2011 Wachau

Sigl Smaragd Wachau weinblog
Stelle fest, dass auf dem Blog eher selten über jene Weinbauregion Österreichs berichtet wird, der ich meine Weinbegeisterung verdanke. Die Wachau gilt auch international als eine der Spitzenregionen des Weinbaus, wenn auch erst seit wenigen Jahrzehnten. Vor allem in der Erzeugung von Weißweinen liegt die Bekanntheit, besondere Berühmtheit erlangt dabei der Grüne Veltliner mit seinem wohl sehr häufig diagnostiziertem „Pfefferl“
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Diesen gibt es bereits für wenige Euro im deutschen Supermarkt, wenn dann auch in zweifelhaften Qualitäten von Megabetrieben und nur noch wenig pfiffig. Die richtig guten Weine trinkt der Ösi am liebsten selbst, auch ist man im Gegensatz zu uns Deutschen in Österreich grundsätzlich bereit, für einen Wein mehr Geld auszugeben. Helmut O. Knall von der Seite WineTimes brachte es kürzlich auf den Nenner, “da bei uns halt meistens zuerst gekostet wird und erst dann, wenn es schmeckt, auch auf den Preis geschaut wird!” 

Das entlang der Donau von Schwallenbach bis Krems nur wenige Kilometer reichende Anbaugebiet, in dem nicht Lagen, sondern so genannte Riede bewirtschaftet werden, erlebte in den 1990 Jahren – nach einem Glykolskandal – einen rasanten Aufschwung. Hier führte man ab 1984 eine nur in der Wachau gültige Qualitätspyramide ein.
Die höchste Stufe dieser Gliederung wird als „Smaragd“ bezeichnet. Grundbedingungen für solche Weine sind ein Verkauf nicht vor dem 1. Mai des folgenden Jahres, ein Öchslegehalt von 82,5° während der Lese, sowie ein Alkoholgehalt von mindestens 12,5%. Bis in das Jahr 2005 waren diese Weine verpflichtend mit einem Naturkork zu verschließen und durften nicht mehr als 9g/l Zucker haben.
codex wachau weinblog Sigl Smaragd Wachau weinblogAlle, als Markennamen eingetragenen Qualitätsstufen, werden in der so genannten Codex Wachau aufsteigend als Steinfeder, Federspiel und Smaragd bezeichnet. Ausgedacht hat sich dieses Qualitätssystem die Vinea Wachau (Vinea Wachau Nobilis Districtus), deren Vorgaben für mich mit dem – zugegeben schwammigen – Begriff naturnahe Weinbereitung umschrieben werden können. Darüber hinaus versteht sich der Verband als Vereinigung zur Wahrung der traditionellen Weinbereitung an der Wachau seit dem 13. Jhd. und beruft sich dabei auf einen gewissen Leuthold I. von Kuenring (1243-1313), dessen damaligen Besitzungen in etwa der heutigen Wachau als Anbaugebiet entsprechen. Die meisten Terassen an der Wachhau stammen übrigens noch aus dieser Zeit. Sigl Smaragd Wachau weinblog

Winzerhof Sigl: Sigl Smaragd Wachau weinblog

Die Weine des Weingutes Sigl aus Rossatz gelten nach verschiedenen Publikationen noch als Geheimtipp, Preise gab es bisher nur auf nationaler Ebene. Persönlich habe ich Grüne Veltliner und Rieslinge von der Stufe Steinfeder an auf der kleinen Weinmesse Fürth durch einen Österreich – Weinhändler kennen gelernt und mich gefragt, warum man derart verschlossene, junge Weine dort überhaupt vorstellt.
Das deutsche Problem: zum einen sind ältere Jahrgänge nur schwer im Handel platzierbar, ist das Weingut zum anderen dann noch nicht bekannt, wird es auch angesichts eines Preises von über 20€ für den vorgestellten Wein richtig schwierig. Man hat der Weinhändlerin die Verwunderung, aber auch deren Freude über meinen Kauf nach der Probe sichtlich angemerkt.
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Auch der hier geöffnete 2011er Riesling Kirnberg Smaragd ist definitiv eine Kindsschändung, werde darauf gleich noch zurückkommen. Gerade Weine der höchsten Qualitätsstufe sind keine „daily drinkables“, sollten erst ein paar Jahre im Keller verschwinden und setzten dann auch wirklich etwas Erfahrung voraus, um sie (ein)schätzen zu können.
Mein bisheriger Eindruck ist, dass das Weingut, oder um landestypisch zu bleiben, der Winzerhof Sigl durch komplexe, lagerfähige Weine besticht, der zum einen den Fokus auf konzentrierte oder kandierte Früchte legt, diesen Eindrücken dann aber auch eine recht hohe, dennoch immer wunderbar integrierte Säure entgegenstellt und darüber hinaus einen enorm mineralischen, anhaltenden Nachhall bietet. Sigl Smaragd Wachau weinblog

Verkostungsnotiz: Sigl Smaragd Wachau weinblog

Schon in der Nase kein leiser, sondern richtungsweisender Auftritt, eine sensorische Ansage! Sigl Smaragd Wachau weinblog

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Der goldgelbe Wachauer aus dem Ried Kirnberg zeigt im Bukett exotische Mango, eingekochte, heimische Früchte wie Pfirsich, aber auch überraschenderweise Brioche. Darüber hinaus wird ein beherzter Griff in den Kräutergarten geboten, wobei dann aber fast schon scharfe, pfeffrige Noten das, wenn auch meist bei Grüner Veltliner gebietstypische “Pfefferl” auf den Plan rufen, Mit seinen 13,5% Alkohol wohl auch eher als Speisenbegleiter einzusetzen. Sigl Smaragd Wachau weinblog
Am Gaumen ein vinophiler Tauchgang, Eindrücke von leicht kandierter Orange werden in den nächsten Jahren wohl noch deutlicher. Eine hohe, aber schon jetzt integrierte Säure spielt mit der mundwässernden, packenden, mich an Muschelkalk erinnernden Mineralik. Der Wein hat viel Textur, fordert Aufmerksamkeit, benötigt Erfahrung und wird sein Potential sicher erst in einigen Jahren voll ausschöpfen.

etwa 20€ Mitnahmepreiskeine auf der Weinmesse Fürth, deutsche Bezugsquelle für Endverbraucher nicht bekannt

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