Ein Sonderling. Denn mit dem heutigen Tropfen wird Character offensichtlich. Massentauglich? Garantiert nicht!

[dropcap1]W[/dropcap1]as die avantgardistischen Wittmänner aus dem äußerst innovativem Wonnegau in Rheinhessen hier auf die Flasche bringen, stellt eigentlich alles auf den Kopf. Der Wein ist „nur“ ein QbA, ab 2012 wird genau dieser Wein dann als Ortswein, also in der Qualitätspyramide des VDP als gehobener „daylie drinkable“ verkauft. Der Preis ist eher nicht „daylie payable“, auch in seiner Art wirklich alles andere, als ein Mittagsschoppen.
Auf der Suche nach Eigenständigkeit, Extravaganz und schlichtweg einzigartiger Widererkennbarkeit trifft der Westhofener Riesling 2011 von Wittmann voll ins Schwarze. Für weniger Geld findet man sowas nicht. Diese Weinreise lohnt sich auf jeden Fall!Wittmann Westhofener Riesling Weinblog

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Günter Wittmann aus dem 3000 Seelen Dorf Westhofen macht so ziemlich alles anders. Er hatte bereits in den 1980er Jahren Ideen und Vorstellungen, die im damaligen Rheinhessen als zuverlässiger Lieferant von enormen Weinmassen wenig Platz fanden. Er ist sicher einer der Vorarbeiter des ökologischen Weinbaues in Deutschland. In den Anfangsjahren gern also Bio-Guru abgetan, ist der VDP Betrieb heute immer noch eines der Aushängeschilder des biologischen Weinbaues. Natürlich zertifizierter Bio Winzer nach EU Recht, zudem Mitglied bei Naturland.
Der Generationenwechsel gestaltet sich im Weingut als laufender Prozess. Als Kellermeister fungieren Georg Rieser sowie Junior Philipp Wittmann, der zudem Vorsitzender des VDP.Rheinhessen e.V. ist.

2014 wurde der Betrieb vom Gault & Millau zum Winzer des Jahres gekührt, die Jury schreibt, “Wittmann ist einer der Vorreiter des ökologischen Weinbaus und Motor der qualitativen Entwicklung im Wonnegau. Seit Jahren produziert er große trockene Rieslinge, die betörend heranreifen…”.

Der besondere Character des Rieslings kommt nicht von ungefähr. Beim 30 ha bewirtschaftenden Familienbetrieb Wittmann wird die Norm deutlich gesprengt, so ist der Anteil an Trauben aus der Qualitätslage Morstein mit über 80% recht hoch. Desweiteren werden Beeren aus der Lage Kirchspiel und Brunnenhäuschen gekeltert. Normaler Weise landen diese Trauben in den Flaschen getrennt als GG und nicht unter 35€ beim Kunden. Der Westhofener Riesling ist eine überzeugende Lagencuvée, weit über dem, was man unter einem Ortswein vermutet. Die Messlatte wird hier für andere VDP Betriebe verdammt hoch gehangen. So mancher Winzer wird derartige Eigenständigkeit nicht mal als “GG” auf die Flasche bringen!  Wittmann Westhofener Riesling Weinblog

Wittmann Westhofener Riesling Weinblog
Dass bei Wittmann entsprechender Aufwand betrieben wird, die Weine in mehreren Durchgängen von Hand gelesen, spontan vergoren werden und am Ende natürlich Holz sehen, ist keine Überraschung. Alles Spätlesen, nicht nur, weil es das Statut des VDP so fordert. Der seit 1990 biologisch, seit 2004 konsequent biodynamisch arbeitende Betrieb, inklusive Buddhastatue im Keller, zeigt mit dem 2011er Westhofener Riesling trocken einen nach Zitronen und Kalk schmeckenden Kraftstoff. Bestechende Kräuterwürze in der Nase. Rieslingtypischer Pfirsich kullert über die Zunge, dicht gepackt am Gaumen mit dennoch leichtem Körper. Goldgelb, extratreich und mit nassen Steinen um sich werfend. Markante Säure doch harmonisch, staubtrocken mit enormen Nachhall. Großes Glas, dekantieren sollte man auf jeden Fall. Wittmann Westhofener Riesling Weinblog

Erstanden in der Weinhalle Nürnberg, der 11er is aber aus. Jahrgang 2012 (soll noch besser sein…) dann für 16.80€. Wer den 11er im Keller hat, sollte in den nächsten zwei Jahren tätig werden. Ein Langzeitwunder ist der Westhofener dann einfach doch nicht. Muss er auch nicht. Spaß macht er jetzt, worauf denn eigentlich warten?

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