Wolfgang Staudt – die 100 besten Weine der Welt weinblog

Kategorien Buchvorstellung, Kolumne, ab und an auch Pamphlet

Eine Weinbuchkritik Wolfgang Staudt – die 100 besten Weine der Welt weinblog

Der Titel löst bei mir lauten Alarm aus. Es ist vielleicht meinem Wesen als hoffentlich unvoreingenommenem Weinschreiber geschuldet. Etikettenanbeterei und tradiertes Qualitätsdenken gehen mir gegen den Strich. Wer also meint, die 100 besten Weine der Welt benennen zu können, einem Robert Parker gleich den Weinsegen verteilt, verdient zumindest meine skeptische Aufmerksamkeit!

[dropcap1]I[/dropcap1]n der Einleitung wird der Anspruch dann richtigerweise in ein „Weinwissen kompakt“ gewandelt. Das ist ehrlich, da muss man nicht meckern. Am Ende will das Buch auch nicht die x-te Hitliste einzelner Weine bekannter Produzenten sein, vielmehr soll es um Weintypen nach den Kategorien Qualität, ortstypischer Stilistik und somit eindeutiger Herkunft gehen.

Wolfgang Staudt - die 100 besten Weine der Welt weinblogAlso beschäftigte ich mich intensiver mit dem Buch und fand, was ich in Zeiten der vielen bunten Weinpublikationen nicht erwartet habe: Viel Text.
Auf genau 399 Seiten erfährt man um einiges mehr, was bildlastige Weinführer der letzten Zeit dann einfach mangels Seitenzahlen nicht leisten können. So mag das Buch anfangs erschlagen. Keine endlos gephotoshopten Bilder von herbstlich gefärbten Reben im Abendlicht, keine Kellerromantik und längst nur noch leer rumstehende Barriques. Weder von Flaschen blätternde Etiketten längst vergangener Jahre, aber auch keine italienischen Winzerfrauen, von denen man nicht weiß, ob sie nebenberuflich als Models für Gucci arbeiten schmücken dieses Buch.

Wolfgang Staudt vermittelt enorm viel an Hintergrundwissen bezüglich Weinnationen und deren Anbauregionen. Es ist ein Sachbuch ohne Lifestyle – Allüren. „Anspruchsvoll, aber dennoch informativ“ urteilt Philipp Kuhn vom gleichnamigen Weingut auf dem Klappentext. Für dieses Buch braucht man Zeit. Es muss gelesen werden; vom Durchblättern allein erschließt es sich kaum.

Der Autor Wolfgang Staudt ist Träger des Diploma in Wine and Spirits, Autor zahlreicher Sachbücher zum Thema Wein sowie Seminarleiter für Interessierte Privatpersonen aber auch Gewerbe. Seit 1995 ist Staudt in diesem Bereich als Selbständiger unterwegs, zudem langjährig journalistisch für die Zeitschrift „Alles über Wein“ tätig gewesen; die aber 2005 eingestellt wurde.

Greift man die einzelnen Darstellungen von Weinregionen heraus – habe das mal an Hand von Franken getan – erfährt man Grundlagen zu Geologie und Klima, bekommt Hintergrundwissen zur Hauptrebe Silvaner präsentiert. Wo sind die Trends? Wo der Spät- und Frühburgunder? Immerhin, Churfranken wird als dynamischer Qualitätszipfel wahrgenommen, erstaunlicherweise aber am Beispiel Riesling. Autorenmeinung. An Anregungen zum Gespräch mangelt es also nicht!
Es folgt die übliche Liste der mehr oder weniger bekannten fränkischen Weinlagen, nicht ohne diese aber ebenfalls in ihren spezifischen Weinausdrücken zu erklären. Das lohnt sich durchaus, die Frage nach dem Terroir wird also berücksichtigt.
Die Liste empfohlener Weingüter muss als eine persönliche Empfehlung von Staudt gelesen werden. Wie man nämlich Weingüter wie das Weingut am Stein und Zehnthof Luckert in einem Zug mit dem Fürstlich Castell´schen Domänenamt  nennen kann – mögen alle auch VDP Mitglieder sein – erschließt sich mir persönlich nicht.

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Ein anderes Kapitel. Die Schweiz. „Frische und Eleganz aus den Bergen“. Weine, die man schon wegen ihres Preises, aber auch der Tatsache, dass sie ihr Herkunftsland eher selten verlassen, kaum im Glas hat. So rar sich die Schweiz auf dem internationalen Weinmarkt macht, genau so rar ist das Bewusstsein für die Schweiz als Weinbauland hier in Deutschland.
Hier liegt die Stärke des Buches, Grundlageninformationen. So erfährt man, dass die Schweiz für den Weinbau eigentlich fast ungeeignet ist. Die klimatischen Bedingungen sind nur an wenigen Orten dann aber geradezu optimal, die Geologie dabei sehr vielfältig. Vor allem reifen in der Schweiz bemerkenswerte Rotweine auf gerade mal 15tsd ha Gesamtfläche. Eine ganze Reihe von kaum vernommenen, geschweige verkosteten Reben wie Amigne, Petit Arvine, Completer und Bondola stehen nach Staudt für lokale Authentizität. Wolfgang Staudt – die 100 besten Weine der Welt weinblog
Mich interessieren die Spätburgunder. Der Exkurs geht also weiter in das Bündnerland, das „Burgund der Schweiz“. Von der Vielfältigkeit der Pinots ist die Rede, die Winzer wie Irene Grünfelder und Christian Hermann dort kreieren. Grünfelder ist dabei ein Vertreter eines eher „klassischen, burgundischen“ Stils und gerbstoffbetont, Hermann steht für eher sanften, aber in der Frucht konzentrierten Stoff. Kenne beide Winzer nicht, das Buch erfüllt seinen Zweck und macht mich auf diese bisher gar nicht betrunkene Region neugierig.

„Seien Sie selbstbewusst im Umgang mit Wein und vertrauen Sie vor allem Ihrer eigenen Nase, Ihrem eigenen Gaumen. Dort muss es passen, egal was Händler, Kritiker oder Sommeliers dazu sagen“. Soweit die Innenseite des Klappentextes. Wahre Worte. Der Buchtitel vielleicht wirklich nur als Eyecatcher dort gelandet?
Das Buch ist deutlich mehr, als sein Titel verspricht. Verstehe aber auch, dass dieser Titel in der Breite ansprechen will, ja muss! Darüber hinaus erfüllt das Buch seine Mission, animiert den Leser zur Weinreise und macht Lust auf das Entdecken. Weinwissen wird nicht nur kompakt, sondern doch recht weitläufig serviert. Das Buch wird auch in zehn Jahren noch als Nachschlagewerk taugen, man hat sich hier bewusst nicht der bloßen Avantgarde geopfert.

Wolfgang Staudt
Die 100 besten Weine der Welt.

400 Seiten, Format 22 x 14 cm, gebunden;
mit zahlreichen Abbildungen
Preis 24,99 € (D), 25,70 (A), 35,90 (CH)
ISBN 9783864890567 /Westend Verlag / Frankfurt am Main

(Alle Abbildungen gemäß § 16 Abs.1 UrhG mit Verlags-Genehmigung)
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