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Französischer Gestaltungswille trifft auf deutsche Schlegelflasche

Das Elsass ist für mich eine der spannendsten Weinregionen Europas. 
Das Elsass ist das einzige Weinbaugebiet Frankreichs, in dem heute der Anbau von Riesling erlaubt ist, die meisten Weine werden konsequent auf die Schlegelflasche gefüllt.
Die in Frankreich besonders bei den Rotweinen übliche Assemblage mehrerer Grundweine ist dem Vin d´Alsace weitestgehend fremd, auch schreibt der elsässische Winzer die Rebsorte groß auf die Flasche, als sich mit klingenden Namen wie Château Mayonnaise und Grand Vin de Irgendwo zu schmücken. wymann weinblog pinot noir

Das Elsass ist ein Schmelztiegel deutsch-französischer Weinkultur. Spricht man den Winzer darauf an, ob er sich denn nun eher zu der deutschen oder französischen Kultur hingezogen fühle, fallen die Antworten selten sehr deutlich aus, viele sehen in der Vermischung den großen Vorteil und antworten „deutsch, französisch?… Alors, elsässisch!“ und lächeln wissend.
Das Elsass erstickt nicht wie andere Weinbauregionen Frankreichs am eigenen Namen. Bordeaux – einst ein Stern am französischen Rotweinhimmel – fällt in den letzten Jahren stetig. Auch Burgund wird gern als überteuertes Minenfeld, weniger als durchgängig zuverlässiger Lieferant gesehen. Viele Weine sind für die breite Masse extra gefällig gemacht.
Im Elsass ist dies nicht der Fall, man hängt zu sehr an der facettenreichen Identität, was in unterschiedlichen Weinen zur Ausprägung kommt. Genau das ist das Potential des Elsass! wymann weinblog pinot noir

weinblog_ribeauvilleRibeauvillé und Weinberge im Juli 2013, Bild: Sabrina Kunzelmann

In Sachen Marketing scheint das Elsass allerdings einen unsäglich tiefen Schlaf zu haben. Die Internetpräsenzen der meisten Winzer – wenn denn überhaupt vorhanden – scheint noch aus den 1990er Jahren zu stammen. Auch scheint sich der Ruf elsässer Weine allein auf fett-pappigen Gewürztraminer zu stützen. Diesen aber einfach nur als altmodisch und nicht zeitgemäß ab zu tun, ist wiederkehrende Häme derjenigen, die von den kulinarischen Volltreffern aus der französischen Küche zu diesen Weinen keinen blassen Schimmer haben. Das Elsass wird seit Jahren konsequent unterbewertet.
Wohl auch deshalb ist es extrem schwierig, in Deutschland an elsässischen Wein zu kommen, nur wenige große Winzer schaffen es – wenn überhaupt – zumindest in die Kataloge von Wiederverkäufern. Das mag auch daran liegen, dass in den letzten Jahrzehnten immer weniger Deutsche das Elsass als Urlaubsdestination wählen, schlendert man im Sommer durch so wunderschöne Örtchen wie Eguisheim, hört man fast nur Anglophone, die sich an Worten wie „Gewurztraminah“ die Zunge zerbrechen. wymann weinblog pinot noir

Xavier-Wymann-weinblog wymann weinblog pinot noirglücklicher Blogger im “Fronteinsatz”, August 2011

Die Domaine Xavier Wymann aus Ribeauvillé (keine Homepage) im Oberelsass, welches neben der großen Domaine Trimbach im selben Ort leider ein Schattendasein fristet, wird seit 1996 von Jean-Luc Schaeringer geleitet. Von ihm werden heute ca. 8ha Rebflächen bewirtschaftet, darunter auch eine der bekanntesten lagen des Elsass, dem Cru Schlossberg.
Den Weinen aus dem Haus Xavier Wymann merkt man den Gestaltungswillen, die Handschrift des Winzers offensichtlich an. Deutschen Winzern sagt man ja gerne den Idealismus nach, dass sie “den Weinberg und sonst nichts” auf die Flasche bringen würden.
Bei Xavier Wymann werden Weine erzeugt, die eine deutlich französische Prägung tragen, die dann aber auch ein wenig an das nah gelegene Baden erinnern. Die Weine sind dicht konzentriert, deutlich Gerbstoffbetont. Diesen Pinot Noir unter drei Jahren Lagerung zu öffnen, ist völliger Unfug! 

Das Weingut arbeitet naturnah, sorgt durch Vegetation im Weinberg für Wasserstress und verzichtet mittlerweile gänzlich auf die chemische Bekämpfung von Insekten. Die Rotweine werden mit Stil offen vergoren und für mindestens 8 Monate im Barrique ausgebaut. wymann weinblog pinot noir

Verkostungsnotiz: wymann weinblog pinot noir
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Ich will ins Elsass, JETZT! Der Pinot Noir von Wymann spricht eindeutig französisch. Schon in der Nase deutliche Belege eines in Deutschland in dieser Form seltenen Barriqueeinsatzes. Im Glas volles Aroma von dunklen Kirschen, Vanillenoten, ordentlich Tabak und auch etwas Schokolade. Am Gaumen dann erst recht Franzose, ein Gerbstoff betonter Pinot, der in dieser Form so gar nicht der momentanen Mode entspricht. Der Entrapper scheint im Weingut arbeitslos zu sein, die Tannine schmeicheln aber trotz ihrer Menge sehr weich und geschmeidig. Seltenheitswert!

Nach etwas Zeit gesellen sich zu den saftigen Eindrücken von Kirschen und auch etwas Pflaume. Eindrücke von Waldboden, nassem Laub oder auch Pilzen sowie vielleicht Maronen. 

Die Domaine schafft die Balance zwischen einem dicken Roten und einem generell eher leichteren, auch gern etwas kühler zu trinkendem Pinot Noir. Nur bedingt gebietstypisch und schon gar nicht marmeladig, was man im Elsass bei derart “dichten” Weinen dann doch hier und da antrifft. Macht enormen Spaß, zum Glück habe ich bei meinem letzten Besuch gleich mehrere Flaschen mitgenommen.

Sein zugegeben etwas höherer Alkoholgehalt von 14% steht dem niedrigere Prozente gewohntem deutschen Gaumen etwas im Weg, dafür hätten dann aber deutsche Spätburgunder auch erhebliche Probleme mit der elsässischen, verdauungsintensiven Küche! Etwas kühler als die üblichen 16° getrunken, macht man bei den sommerlichen Temperaturen – und im Elsass wird´s richtig heiß – nichts falsch. Habe lange gerübelt, ob ich meine Kategorie  “Wein des Monats” in Rot/Rosé und Weiß erweitern soll, habe mich zum Nachteil dieses Weines dagegen entschieden…
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Ab Hof für etwa 10€, keine Bezugsquelle in Deutschland bekannt. wymann weinblog pinot noir

2 Gedanken zu „Xavier Wymann Pinot Noir 2009 Elsass

  1. Endlich mal wieder jemand, der positiv über das Potential des Elsass respektive seiner Weine schreibt. Es gehört wohl eine Portion Mut (???) dazu, mal einen Elsässer Tropfen ins Glas zu lassen, jedoch wird dieses über-seinen-eigenen-Schatten-springen wohlmundend belohnt. Und wer sich mit dem Pinot Noir ausgiebig befasst kann so manche Alternative zu Bordeaux oder Burgund finden. Muß ja nicht jeder gutschmeckende Wein “Château soundso…” heißen. N’est-pas?

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