Zu Besuch bei: Weingut Jakob Sebastian an der Ahr

Kategorien Ahr, Jakob Sebastian, Winzerportrait

Weingut Jakob Sebastian derWeinblog Alex Schilling

von Alex. Schilling

Im März an die Ahr zu fahren ist mehr oder weniger waghalsig. Zumal dieser Winter anscheinend etwas länger braucht, es ist nass, kalt und somit in den Weinbergen mit teilweise 70°Steigung und mehr wirklich gefährlich. Aber, keine Touris, keine Busse und leere Hotels…

Gerade in der jetzigen Vegetationspause  offenbart sich die Ahr von ihrer für mich bizarrsten Seite, schlichtweg eine Mondlandschaf t, die kargen Bodenverhältnisse zeigen sich ungeschönt in voller Schönheit.
Die verschiedenen Bodenverhältnisse aus verwittertem Schief er, Lößlehm, Kies, Vulkangestein und Grauwacke speichern während ca.1450 Sonnenstunden/Jahr viel Energie und geben diese dann nachts, wenn die Sonne schon längst verschwunden ist wieder ab. Somit herrschen in den Weinbergen während der Vegetationsphase über den Tages Nachtverlauf weitestgehend konstante Temperaturen. Stabiles Mikroklima, beste Voraussetzungen für guten Wein!

Richtig bekannt für qualitativ hochwertige Weine wurde die Ahr in den 1980 Jahren. Einer der Pioniere ist sicher Meyer Näkel, der aber mittlerweile auch in Portugal und Südafrika tätig ist. Die Basisqualitäten der meisten richtig bekannten Weingüter an der Ahr sind aber mittlerweile leider schlichtweg viel zu teuer, die großen Weine oft von einem “internationalen”, barriquelastigen Stil geprägt. Hohe Alkoholwerte (14,5%) und Fruchtkonzentrationen, die eindeutige Rückschlüsse auf die Arbeit im Keller zulassen, verderben oft den Trinkspaß…

Die betriebliche Ausrichtung von Jakob Sebastian ist aber auch eine Mahnung an alle, die bereits ganz oben sind. Viele Betriebe merken, dass die allein durch Trendsetting erreichte Bekanntheit in der immer mündigeren 2.0 Weinszene kein Garant für Erfolg ist; vielmehr der Flascheninhalt entscheidet: Einige Winzer rudern bereits zurück. Wir waren auf der Suche nach einem Betrieb, der nach unserer Auffassung bodenständig geblieben ist, sorten- wie regionstypische Weine macht, ohne zu sehr daran rumzubasteln. Einem Betrieb, der das neue deutsches Verständnis von Terroir lebt, bei dem der Winzer hier und da ein bisschen schubst, aber sicher nicht dirigieren will.

Weingut Jakob Sebastian derWeinblog Alex Schilling Johannes Dismon
Handarbeit = Qualität!

Jakob Sebastian spiegelt einen typischen Weg in der Geschichte des deutschen Weinbaus. Einst Großproduzent für Fassware, so groß, dass selbst Genossenschaften hier Wein parkten, hat man sich zu einem qualitätsorientiertem Betrieb entwickelt, ohne aber den Boom der 90er Jahre mitgenommen zu haben. Die großen Weine haben gerade mal 13% Alkohol, der Wein wird nach allen Regeln naturnah hergestellt, was sich hier aber eben auch auf den Keller bezieht. Denn was mit so genannten Bio-Weinen trotz Siegel erlaubt ist, erfüllt einen mit Entsetzen. Bei Jakob Sebastian verwendet man kein teures Siegel, lieber kümmert man sich um den Wein. Gerade bei Spätburgunder eine wirklich auf reibende Tätigkeit.

Die roten Burgundersorten des Weingutes stehen in den Lagen Heimersheimer Berg und Ahrweiler Daubhaus, beide lassen sich in der Flasche wunderbar abbilden. Beide Weinberge werden von einer
eiszeitlichen Lößverwehungsauf lage geprägt. Ersterer zeichnet sich durch einen hohen Anteil an Kiesel, Basaltstückchen, Kalk- und Buntsandsteinfragmenten aus, hier wachsen die Spitzenweine des Gutes, tief , kraftvoll und einem hohen Reifepotential. Der Daubhaus ist etwas karger und steht eher für die subtileren, leiseren und kühlere Weine des Gutes, dennoch ist auch bei Weinen aus dieser Lage ein enormes Potential und Lagerfähigkeit vorhanden.

Familie Sebastian betreibt seit 1902 ein Rech Weinbau und besitzt wunderbare Lagen in Heimersheim, Neuenahr und Ahrweiler, mit alten Reben die teilweise über 40 Jahre alt sind. Diese Reben geben nicht mehr den vollen Ertrag einer jungen Rebe, jedoch wurzeln diese tief und nehmen daher viele Extrakte aus dem Boden auf . Bis 2006 stand bei Jakob Sebastian kein Unbekannter im Keller, Gernot Kollmann, mittlerweile bei Immich Batterieberg, zeichnete sich verantwortlich f ür einen eben nicht modernen und kitschigen Stil aus, sondern stand für die Ausarbeitung von Terroir und Rebsorte. Wer seine Rieslinge kennt, weiß Bescheid.

Weingut Jakob Sebastian derWeinblog Alex Schilling Johannes Dismon
Fassprobe mit Johannes Dismon

Mittlerweile liegt die Leitung des Weingutes in den Händen von Kellermeister Christoph Sebastian, Urenkel von Weingutsgründer Jakob Sebastian. Ergänzt wird er von Jungwinzer Johannes Dismon. Bei Jakob Sebastian werden die Weine klassisch im großen Bottich mindestens 20Tage spontan vergoren, der Tresterhut dabei bis zu neunmal am Tag manuell umgestoßen. Das bedeutet, die an und ausgepressten Trauben schwimmen auf dem Most, um diesem mehr Extrakte und vor allem Gerbstoff e zu verleihen. Dabei werden die Traubenschalen regelmäßig „untergerührt“. Mittlerweile wird bei Jakob Sebastian überlegt, einen erhöhten Tresteranteil (Traubenstile) mit zu vergären, um den Weinen mehr Tannine zu verleihen. Auf den Einsatz von Enzymen und Maischeerhitzung wird aber vollständig verzichtet. Danach folgt ein langsamer Ausbau in alten Eichenholzfässern mit einer Kapazität von 300 – 2000 Litern, bis eine harmonische Einbindung der Gerbstoff e erreicht ist und die Gärungskohlensäure von alkoholischer Gärung und biologischem Säureabbau weitgehend abgebaut ist. Gefüllt wird, wenn der Wein es erlaubt und nicht der Kunde f ordert, auf Filtrierung wird bei den trockenen Einzellagenweinen verzichtet. „Wir möchten Weine, die durch eine innere Harmonie, durch ein passendes Verhältnis der einzelnen Inhaltsstof f e zueinander geprägt sind. Deswegen führen wir keinen Saftentzug (Saignage) durch, setzen keine Mostkonzentration ein und lehnen eine übermäßige Anreicherung des Alkoholgehaltes ab“: so Christoph Sebastian.

Was ist ein großer Wein? Muss ein großer Wein ein dickes, tanninlastiges Schif f sein? Die Weine von Jakob Sebastian bringen eine geschmackvolle Dichte und Tief e mit sich, sind aber zugleich kühl und
zugänglich; zuweilen auch spritzig in der Säure. Rotwein, der deswegen auch zu Käse funktioniert! In ihrer Tanninstruktur weich und dennoch präzise, die wunderbaren Fruchtextrakte so auf die Flasche zu bringen, gelingt nicht jedem. Wein zum runterkommen und wohl fühlen. Beim Weingut Jakob Sebastian wird gezeigt, dass große Weine nicht unbedingt laut im Ausdruck sein müssen, sondern die Größe vielmehr in graziler Zurückhaltung und Besinnung auf den leiseren und ursprünglicheren Tönen liegt.

www.derweinblog.de

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