Alexs Zweigelt Heideboden trocken 2009 Burgenland

Zweigelt. 100% Blauer Zweigelt. Ehrlich gesagt mag ich diese eher unscheinbare Rebe sehr. Unkompliziert, man muss nicht lange damit rummachen. In´s Glas damit, trinken, fertig. So mancher Schreiberling ist daher schnell dabei, dem Zweigelt nicht sonderlich viel zuzutrauen. Österreichs immer noch meist angebaute Rebe läuft Gefahr, vom Blaufränkisch abgelöst zu werden. Alexs Zweigelt Heideboden Burgenland weinblog
Zugegeben, wer dauernd nach Charakter schreit, aber dies nicht von Charisma und Lärm unterscheiden kann, ist mit Zweigelt meist falsch beraten! Alexs Zweigelt Heideboden Burgenland weinblog

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Ab und an will ich einen Wein, den man auf machen und trinken kann, ohne zu glauben eine neue Stufe der Erkenntnis erreicht zu haben, oder gar „intellektuell unterhalten“ zu werden. Derartige Ansprüche begegnen einem ab und an in deutschen Weinblogs. Auch wenn ich dem durchaus etwas abgewinnen kann, muss ich nicht mit jedem Wein das Gespräch suchen, welches dann über alles dominiert. Für mich ist das eine mögliche Eigenschaft, kein Zwang, schon gar nicht Qualitätsmerkmal!
Auch aus Zweigelt kann man „große“ Weine machen, man kann ihn durch neue Barrique „internationalisieren“, die Maische aufkochen und mit Deckrot noch dunkler machen. Aber warum sollte man das alles tun? Haben wir verlernt, uns über die einfachen Dinge des Lebens zu freuen? Alexs Zweigelt Heideboden Burgenland weinblog

Versuche mir Weinbereitung immer auch ein bisschen wie ein Gespräch vorzustellen. Nicht jeder Griff in die kellertechnische Trickkiste ist sinnvoll. So mancher Fassprobe merkt man an, dass der Winzer mehr will, als der Wein kann. Kinder kann man auch überfordern! Dies muss aber der Winzer im Keller mit seinem Wein aus machen, nicht der im Büro drängelnde Großhändler. Weniger ist manchmal mehr!

Unter dem Markennamen „Alexs“ vertreibt das Weingut Schreiner unter Alex Schreiner aus dem österreichischen Burgenland seit 2004 genau solche Weine. Zweigelt erfordert intensive Laubarbeit, wirft er doch sonst mit hohen Erträgen um sich. Diese werden von Alex Schreiner von Hand gelesen, spontan vergoren und im Falle des 09er Zweigelt drei Wochen lang mazeriert und anschließend teilweise in alten Barriques ausgebaut. Seine großen Blaufränkisch Reserve behält das Weingut nach der Ernte mindestens 2 Jahre im Betrieb, da kann der Kunde drängeln was er will.
So gesehen geht Alex Schreiner mit seinen Weinen konservativ und wenig marktkonform um. Im Ergebnis sind seine Weine deutlich, ohne Schnörkel und sehr direkt.
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Verkostungsnotiz: Alexs Zweigelt Heideboden Burgenland weinblog
Im Glas wunderbare Eindrücke von reif duftenden Kirschen, ein Hauch von weihnachtlichem Gewürz aber ohne Zimt. Kräutriges lässt mich an ein in Soße schwimmendes Lorbeerblatt denken, ein Apetizer!
Am Gaumen – eben wie von vielen bei Zweigelt bemängelt – eben keine Mordsstruktur, keine Berg und Talfahrt. Vollsaftig und weiche Mundfülle, auch sollte man von der klassischen Rotweintemperatur von 18°C die Finger lassen, deutlich runter gehen.
Unkonventioneller Spaß mit einem leichten Vanilleton vom Faß, kaum vorhandener Zucker und mit 5g/l angenehmer Säure. Der Wein ist jetzt vier Jahre alt und zeigt keinerlei Ermüdungserscheinungen.  

Muss zugeben, dann kommt er doch, die Dämmerung eines Weinfreaks. Man fängt das Gurgeln und Sprudeln an, schubst hin und her und fällt ein bisschen in Gedanken. Sofort besinnt man sich aber und sieht sich mit den vor die eigene Nase gehaltenen, leeren Gläsern der Gäste konfrontiert. Mehr davon! Massentauglich UND Handwerk passt durchaus zusammen. Mit seinen Gesinnungsbrüdern aus dem Supermarkt teilt er eigentlich nur – wie alle Weine im Burgenland – ein sehr zeitgemäße Flaschenausstattung. Da macht bei den Ösis durch die Bank niemand was falsch!

Im besten Sinne für Schoppenfetzer und deren Freunde. Oder lieber auf dem Leopardenfell vorm Kamin? Sollte auch dort richtig knallen… Alexs Zweigelt Heideboden Burgenland weinblog

Kein Netzwein, für ca. 9€ hier erstanden. Liste der deutschen Weinhändler hier

alle Bilder © 2012 Alex Schreiner

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