Dönnhoff, Lage, Lage, Lage..

Zugegeben, GG´s – also Große Gewächse – gibt es hier auf derweinblog.de eher selten. Zum einen, weil mir die „Brot und Butter“ Weine beruflich und privat einfach häufiger begegnen, zum anderen ist das Feld der GG´s in Deutschland angesichts der sonst verfügbaren Massen an Wein relativ dünn, die immer wieder kehrenden Loblieder dafür um so häufiger. Stimmen wir aber doch mal mit ein Felsenberg Dönnhoff 2012

Heute im Profil ein Riesling von der Nahe. Ein Anbaugebiet, welches in der Wahrnehmung leider immer noch nach Mosel und Rheingau genannt wird. Das liegt freilich nicht an der Qualität der Weine, sondern vielmehr daran, dass auch im vermeintlich aufgeklärten und globalisierten 21. Jahrhundert der Mensch zur Trägheit neigt und sich erst ein bisschen schubsen lassen muss. Beim Namen Dönnhoff allerdings klingelt es dann doch bei den meisten. Der Betrieb bildet mittlerweile zusammen mit Emrich-Schönleber, Diel und Schäfer-Fröhlich die Speerspitze der Nahe für den deutschen Weinbau.

Traditionsprobleme im VDP

Das Weingut Dönnhoff ist eines der großen in der kleinen Welt der VDP Betriebe. Der Anspruch des VDP ist, unter den Guten die Besten zu sein. Die Mitgliedschaft im VDP ist aber keine pauschale Garantie für Qualität. Viele Betriebe sind hier seit über 100 Jahren dabei. Teil der Qualität eines Weines scheint in vielen Köpfen immer noch zu sein, wie viel Tradition mit dem Namen des Weingutes verbunden werden kann.
Es gibt eine große Anzahl an Winzern in Deutschland, die mit Tradition nicht punkten wollen oder können, dafür aber mit der Zeit gehen und bereit sind, die Arbeit im Weinberg und Keller zu verändern.
Grundsätzlich möchte ich mich nicht gegen Tradition aussprechen, aber Tradition ist leider oft der Tanz um längst erkaltete Asche, wer will die schon?

Felsenberg Dönnhoff 2012
Riesling next Generation: Cornelius und Helmut Dönnhoff

Das Weingut Dönnhoff kann ebenso auf eine lange Familientradition zurückblicken. Ab etwa 1760 geht es in Oberhausen an der Nahe los. Der heutige VDP Betrieb wirtschaftet auf 28ha, vergärt hauptsächlich Riesling im Stahltank – zum Teil auch in Spontangärung. Ausgebaut wird in großen Eichenfässern, die Jahresproduktion liegt bei 180tsd Flaschen.

Nahe=Lagenweine
Felsenberg Dönnhoff 2012
Niederhäuser Hermannshöhle


Die Region ist für mich persönlich eine der spannendsten und auch schönsten Weinbaugebiete Deutschlands. An kaum einem anderen Flecken der 13 deutschen Weinbaugebiete findet man derartige Bodenvielfalt. Wer durch die Weinberge zwischen Bad Sobernheim und Bingen streift, findet dort die verschiedensten Untergründe. Perfekte Voraussetzungen für Lagenweine.

Lagen sind Ausdruck von definierter Herkunft. Die Lage X kann – trotz gleicher Rebsorte – ganz anders anmuten als die Lage Y. An der Nahe machen oftmals nur wenige Meter den Unterschied. Im Unternehmensmarketing von Dönnhoff heißt das dann: „Die Lagen sprechen für sich.“ Eine Übersicht der von Dönhoff bewirtschafteten Lagen findet man hier.

Heute im Glas: Dönnhoff Schlossböckelheimer Felsenberg “Felsentürmchen” Riesling 2012 trocken – GG – VDP. GROSSE LAGE


Und dann ist da dieser Moment der Freiheit eines Weinbloggers. Kein Kritiker, keine sonstwie Kriterien, auch Punkte muss man nicht vergeben. Man darf Weintrinker sein. Den Stoff im Glas einfach genießen, Riesling huldigen und dabei empfinden. Man darf Gefühle haben, nichts anderes ist es, wenn Wein Spaß macht!

Im Glas ein wunderbarer Riesling, kräutrige Nuancen, Feuerstein, Anklänge von Zitrusnoten, heimisches Fallobst und auch ein kleiner Stich grüne Paprika. Auch ein bisschen Johannisbeere versteckt sich da noch, sehr komplexe Nase. Hat schon jemand “Nasenkino” erfunden? Jaja, Weingeschwurbel…
Am Gaumen dicht gepackt, auch für sein Alter knackige Säure, krachende Mineralik, Steinewerfer par Excellence! Leichte Gerbstoffe belegen die Zunge, dezent rauchiges Aroma vom Fassausbau. Abgang nachhaltig, ein jetzt auf den Punkt reifer Wein. Wer ihn hat, sollte nicht mehr allzu lange warten und ihn jetzt trinken.

Wer googelt, der findet: unter 35€ wird es “Felsentürmchen” kaum geben, 2012 wird man vermutlich gar nicht mehr bekommen… 

Bildnachweis:
Flaschenfoto von Alex. Schilling, alle anderen mit telefonischer Genehmigung des Weingutes vom 03.06.2020

“Kräuterfrüchte” bei Bründlmayer | #Leertrinker08

Neiiiin, ich habe keine Drogen genommen. Freue mich aber, endlich mal wieder von einem echten Leertrinker berichten zu dürfen. Er kommt aus Österreich. Genauer Niederösterreich und trägt den stolzen Namen Bründlmayer

[dropcap1]K[/dropcap1]ein ganz unbekannter Name – derer gibt es dort häufiger. Diesmal geht es konkret um Josef und Philipp Bründlmayer aus Grunddorf im wunderschönen Kremstal, die dort mittlerweile 18 Hektar Wingert bewirtschaften.

Die Geschichte beginnt mit einem Generationenwechsel. Wirklich nichts Untypisches. Der einschlägige Schreiber kippt bei solchen Anlässen auch schon mal in Euphorie verfallend vom vertrauten Hocker, preist den „Jungwinzer“, singt das Lied vom „neuen Stern“ am (Riesling)himmel und vergisst sich dabei ein bisschen selbst. Schön, wenn man sich für etwas begeistern kann! In Zeiten von Lidl und Co, die wirklich nur über den Preis überzeugen wollen, brauchen wir das mehr denn je!

Der Wechsel bei Bründlmayer will aber in dieses Chema nicht so recht passen. Der Vater arbeitet nämlich weiter und das Konterfei des Sohnes wird nicht als Marketingmaßnahme verheizt. Die beiden machen einfach Wein. Verdammt guten Stoff sogar!
Bei Bründlmayer verzichtet man auf den Einsatz von Insektiziden & Herbiziden. Ebenso sind Kunstdünger und schnelle Kaltvergärung beim Weingut kein Thema, vielmehr sind es Handarbeit, mehrmalige Selektion und ein langer Ausbau auf der Hefe die dem Ganzen den richtigen Schliff geben. Mit 13% Alkohol mag der Weißburgunder etwas arg durch den Kopf düsen, aber was am Gaumen passiert entschädigt allemal.

In der Nase fast schon opulente Frucht von Quitten und überreifen, gelben Äpfeln, gepaart am Gaumen mit einer tiefen Kräuterwürze. Mit – habe das natürlich auch nachgeschlagen – gerade mal 1g Zucker auf den Liter ist das Ding richtig trocken und zeigt sich mit prägnant knackiger Säure, die vor allem die Rieslingjünger begeistern sollte.

Kurzum, Gründlmayers Weissburgunder macht richtig Lust auf´s nächste Glas und zeigt die Rebe in einem eher seltenen Kleid. Der Lössboden auf dem diese Reben gewachsen sind schlägt sich dann im Glas auch mit einer gewissen Schwere nieder; hier von einem leichten Körper zu sprechen wäre geschmeichelt; hier kommt Schwung auf die Hüften. Nicht jeder mag diese Art von Weissburgunder, das Weingut zeigt hier doch einiges an Eigenständigkeit. Damit sei dann auch die Überschrift erklärt: Es war einfach der erste Begriff, den dieser Tropfen in mein Sprachzentrum gespült hat.

Gekauft in Nürnberg im Café Kaulbach. Dort für 13€? Weitere Bezugsquellen sind mir in Deutschland erst mal nicht bekannt.

 

Name:
Weingut Josef Bründlmayer
Anschrift:
Ortsring 44, 3485 Grunddorf
Region:
Telefon / Telefax:
+43 2735 5112 / +43 2735 51124
Homepage:
Kontakt:

 

Die Spätburgunder – Suchtberatung empfiehlt:

So, der Herbst ist da. Bald wird’s wieder kuschelig. Die Weinwerberei wird wieder mehr Roten empfehlen, weil das ja im Winter so prima passt. In Italien trinkt man im Hochsommer schließlich ja auch nur Weißwein: Klischeesaufen. Wollen wir (meistens) nicht!

[dropcap1]H[/dropcap1]eute mit Zwei Spätburgundern aus deutschen Landen unterwegs. Der eine stammt vom noch recht jungen, im Jahre 2009 gegründeten und leider weniger besungenen rheinhessischen Weingut Bäder, der andere kommt vom allseits bekannten Weingut Günther Steinmetz aus Brauneberg an der Mosel.
Man mag mir angesichts der verschiedenen Bekanntheitsgrade den Vergleich von Äpfeln und Birnen vorwerfen – in meinem Müsli hatte ich heute Morgen beides. „Und dann noch verschiedene Jahrgänge“. Es gibt große Pinot-Jahrgänge und Arschjahre, aber hier soll ruhig alles erlaubt sein.

Beide Weine haben ein bisschen Sonderstatus. Spätburgunder aus dem Rieslingparadies Mosel haben die Wenigsten (leider auch Weinhändler) auf dem Zettel stehen, und auch Rheinhessen ist in der allgemeinen Wahrnehmung alles andere als eine Referenz für diese Rebsorte.
Das soll keine Häme sein. Vielmehr geht es darum, mit Konventionen zu brechen und einfach mal zu probieren. Nichts verhindert neue Pfade mehr, als verstaubtes Zeremoniell.
Beide Weine sind von sehr unterschiedlicher Art und sollen hier nicht als Kontrahenten, sondern vielmehr als mögliche Vertreter ihresgleichen antreten. Es geht ganz einfach um „uuh, der is lecker“, „der aber auch!“.

steinmetz_weinblog
Spätburgunder Baeder 2012 trocken, Rheinhessen, Weingut Bäder

An der Nase erst mal ein „Aha!?“. An der Nase echter Beerenduft wie bei der Oma im Garten, das pappig süßliche fehlt. In Anlehnung an „ein Maul voll Wein“ (auf wen auch immer der Satz zurück geht) ist das hier ein Maul voll Echt. Dazu Eindrücke von Mandel, muss man allerdings ein bisschen suchen. Beim ersten Schlückchen dezente Nuancen von allerlei Kräutern wie Rosmarin und Thymian, gepaart mit einer gewissen Schärfe und hintergründigen Säure. Hat was!
Der Wein stand nicht weniger als 30 Tage auf der Maische, wurde danach in Zweit- und Drittbelegung in Barriquefässer gefüllt. Trotz der vielen Handarbeit im Keller ist der Spätburgunder von Bäder aber alles andere als dick geraten, nix „internationaler Stil“.
Hält sich, wie das für die tanninarme Rebsorte eigentlich typisch ist, mit Gerbstoffen zurück. Nicht jeder Winzer schafft es, dass so viel Aufwand im Keller zum Feinschliff eines Weines beiträgt und nicht bloß zu lautem Gebrüll im Glas mutiert.


Pinot Noir 2011 Kestener Paulinsberg unfiltriert, Mosel, Weingut Günther Steinmetz

Den Spätburgunder aus dem Haus Steinmetz könnte man als animalisch bezeichnen. Ohne Entrappung im Holzbottich offen vergoren, danach langer Ausbau im Fass. Mancher Weinschreiber bezeichnete den Pinot Noir Paulinsberg auch schon mal als rustikal… aber damit käme der Wein in eine gewisse Schublade, in die er dann doch einfach nicht gehört.
Passend zur Jahreszeit riecht der Wein nach nassem Laub, Erde und irgendwie Wald. Gepaart mit kräutrigen Noten und allerlei dunklen Beeren mag das nach eher lautem Auftritt klingen, ist es aber nicht. Zurückhaltung ist das Metier dieses Weines, hier ist nix zu laut oder gar kitschig.
Dann doch deutlich ausgeprägter im Tannin als der Spätburgunder von Baeder, leicht rauchig-speckig und erdig-herb im Nachhall. In Anlehnung an „ein Maul voll Wein“ haben wir hier aber nicht ein Maul voll Dreck, sondern ein imposantes Beispiel dafür, wie starke Charaktereigenschaften harmonisch gebündelt werden.

Beide Weine habe ich hier bezogen, im Netz lassen sich aber weitere Bezugsquellen finden. Der Spätburgunder von Baeder sollte bei ca. 15€ liegen, der Kestener Paulinsberg von Steinmetz kostet einen 5er mehr.