Wittmann, Westhofener Riesling trocken 2011, Rheinhessen

Ein Sonderling. Denn mit dem heutigen Tropfen wird Character offensichtlich. Massentauglich? Garantiert nicht!

[dropcap1]W[/dropcap1]as die avantgardistischen Wittmänner aus dem äußerst innovativem Wonnegau in Rheinhessen hier auf die Flasche bringen, stellt eigentlich alles auf den Kopf. Der Wein ist „nur“ ein QbA, ab 2012 wird genau dieser Wein dann als Ortswein, also in der Qualitätspyramide des VDP als gehobener „daylie drinkable“ verkauft. Der Preis ist eher nicht „daylie payable“, auch in seiner Art wirklich alles andere, als ein Mittagsschoppen.
Auf der Suche nach Eigenständigkeit, Extravaganz und schlichtweg einzigartiger Widererkennbarkeit trifft der Westhofener Riesling 2011 von Wittmann voll ins Schwarze. Für weniger Geld findet man sowas nicht. Diese Weinreise lohnt sich auf jeden Fall!Wittmann Westhofener Riesling Weinblog Wittmann, Westhofener Riesling trocken 2011, Rheinhessen weiterlesen

Flick. Kurzweiliges aus der (un)beliebten Grosslage

Liest man über Rheinhessens Winzer, stolpert man recht schnell über VDP Erzeuger wie Wittmann, Keller und Battenfeld-Spanier. Großartige Betriebe. Schon lange keine reinen Aushängeschilder Rheinhessens mehr, sondern Vorzeiger der Nation. Ja, aber… Flick Winzerfamilie Weinblog

[dropcap1]W[/dropcap1]ill man mehr erfahren, darf man beim Etablierten nicht stehen bleiben. Will man die Potentiale von morgen erleben, hilft es wenig, allein die jetzt hell strahlenden Lichter anzubeten. Der Blick in die so genannte zweite und dritte Reihe – auch wenn ich den Begriff nicht mag – ist der Blick in die eigentliche Zukunft, auf die “Jungen Wilden”; der Ausblick auf das „who is who“ der kommenden Tage.

Flick Winzerfamilie WeinblogSo jemand wird das Weingut Winzerfamilie Flick aus Bechtolsheim in mitten des Anbaugebietes Rheinhessen, nordöstlich von Gau Odernheim sein. Jetzt habe ich doch gerade einen Weissburgunder in meinem Glas, der zugegeben für den Blog nicht vorgesehen war. Ein Wein, der mich dann aber mal wieder ermahnt hat, beim eigenem Regelwerk zu bleiben: “Allein der Inhalt zählt!”, zu diesem also gleich mehr… Flick Winzerfamilie Weinblog
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Rheinhessen Pionier des veganen Wein?

Erst vor kurzem hatte ich mich in einem längeren Artikel mit veganem Wein beschäftigt. Während der Recherche stellte ich fest, dass selbst Fachleute wie Einzelhändler, Winzer und Publizierende bei diesem Thema schnell abwinken. Hinter vorgehaltener Hand werden Veganer auch schon mal als Spinner bezeichnet. Das enorme Potential dieser Weine mag momentan noch keiner so recht sehen, erstaunlich!Neumer Weinmann veganer Wein weinblog

[dropcap1]D[/dropcap1]ie Frage des vegan leben wollenden Kunden lautet, welcher Wein ist trinkbar? Eigentlich ganz einfach. Verkennt der avantgardistische Zweig des Weinhandels hier Möglichkeiten, oder überlässt er das Feld lieber den Heuschrecken der Branche? Warum? Bevor man also den „gesehen und gelacht!“ Stempel auspackt, muss man sich als Kaufmann doch fragen, kann ich das vielleicht liefern, oder widerspricht es meinen Grundsätzen; wie auch immer die im Einzelfall dann aussehen. Was muss ich denn liefern? Wer diese Frage am besten beantworten kann, dem wird dieser Markt einmal gehören. 

Neumer Weinmann veganer Wein weinblogAufruf in einem Weinberg zwischen Assmannshausen und Lorch, 2009; Foto: Ralf Kaiser

Veganer selbst gehen offen mit dem Thema um und zeigten sich mir im Gespräch nicht als realitätsfremde Dogmatiker. Immer wieder wird ihnen aber genau das nachgesagt. Es geht beim veganen Wein um den bewussten Verzicht einer gezielten Verwendung von Tieren oder tierischen Produkten bei dessen Herstellung.
Das Totschlagargument Nr. 1, der in den Most gefallene Marienkäfer, funktioniert nicht: Er wurde für diesen “Zweck” nicht hergestellt, schon gar nicht in Massentierhaltung. Wer Veganer auf den Erhalt von Marienkäfern reduziert, tut das, um sie belächeln. Wenn Nicht Veganer dogmatischer werden als Veganer selbst, geht es um Rehtorik und Ausgrenzung; aber schon lange nicht mehr um die Sache an sich! Neumer Weinmann veganer Wein weinblog 

Veganer Wein ist dennoch etwas Spezielles und muss erläutert werden. Veganer müssen nicht vegan lebenden Händlern und Winzern deutlich machen, was sie wollen. Diese müssen verstehen, dass veganer Wein letztlich keine esoterische Spinnerei ist und zudem als Gesamtkonzept deutlich weniger militant, als so manche Forderung der BIO-Bewegung in ihrer Entstehungszeit!

 

Die Praxis in der Weinwelt

Auf der Homepage des seit 22 Jahren ökologisch arbeitenden Weingutes Neumer kann man nachlesen, was das in der Praxis der Weinwelt bedeutet. Es wird klar gesagt, dass es bei veganem Wein in der Umsetzung allein um die Kellertechnik geht, speziell die Schönung des Weines. Diese darf nicht mit tierischen Produkten wie z.B. Hausenblase, Eiweiß, Speisegelatine, Kasein und Kaliumkaseinate erfolgen. Benutzt wird Bentonit: Das war´s, im Prinzip ist das dann der vegane Wein!
So gesehen produzieren weitaus mehr Winzer veganen Wein als angenommen, denn Gelatine usw. wird immer seltener eingesetzt. Natürlich muss man sich dann noch überlegen, welcher Leim für Etiketten verwendet wird.

Unterm Strich ist es deutlich einfacher einen veganen Wein, als zertifizierten Biowein herzustellen. Da man veganen Wein also ohne weiteres als industrielle Massenplörre, aber eben auch als handwerklichen Qualitätswein erzeugen könnte, stellt sich mir die Frage, wer sich mit veganem Wein größere Marktanteile sichern wird. Fachhandel und kleine Margen, oder Discounter und Millionen von gefüllten Flaschen? Die Frage wie sich Winzer verhalten wird auch davon abhängen, was der Markt verlangt und natürlich auch, wer danach fragt!

Gegenüber den gutgläubigen Kunden zu verschleiern, dass veganer Wein mit BIO-Wein recht wenig zu tun hat, ist es nur eine Frage der passenden Rhetorik. Am Ende könnte veganer Wein als ethisch noch höherwertig angepriesen eben den Biowein verdrängen.
“Bio” ist irgendwann zur Mode verkommen, dem Kunden reichte es lange aus zu wissen, dass  Bio “gut“ ist. Aus den Forderungen der Bio Gurus der 70er und 80er Jahre wurden mittlerweile Produkte, die keiner mehr hinterfragt.
Es ist heute völlig normal, dass “Bio” Kartoffeln aus Ägypten eingeflogen, Bio Garnelen für jeden einzelnen Arbeitsschritt in das jeweils billigste Land dafür gefahren werden usw. Das Bio Siegel hat eine recht produktionsfreundliche Auffassung von Nachhaltigkeit.
Aber es tut sich was. Immer häufiger fragt der Kunde nach regional und Herkunft.

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Eigentlich rechne ich täglich mit dem ersten veganen Wein im Supermarktregal

Neumer Weinmann veganer Wein weinblogWährend der Recherche bin ich auf das Weingut Neumer aus Rheinhessen gestoßen, welches als erstes und einzig „zertifiziertes“ Unternehmen in Deutschland veganen Wein herstellt. (Stand Oktober ´13) Neumer Weinmann veganer Wein weinblog
Das aus England stammende Zertifikat der „The Vegan Society“ ist leider reine Kosmetik. Die Gesellschaft verkauft Nutzungsrechte für Bildmaterial, genauer ihrem „Vegan“ Logo. Es ist kein Zertifikat speziell für die Weinherstellung, richtet sich nicht mal allgemein auf Lebensmittel; gestern entdeckte ich sogar ein Duschgel mit diesem Logo. Es besagt, „dass keinerlei tierische Produkte zur Bereitung verwendet werden und der Verbraucher sicher sein kann, dass er ein ethisch einwandfreies Produkt konsumiert.“ Die Homepage der Gesellschaft ist voll mit Broschüren und Flyern, die im Detail erklären, was vegan bedeutet.
Kann zugegeben nicht beurteilen, ob vegan lebenden Weintrinkern diese Informationen genügen werden. Die tatsächlichen Vorgaben des Zertifikates bleiben unbekannt. Was muss der Winzer, was darf er auf keinen Fall, wie wird das durch wen geprüft? Wird es überhaupt geprüft, oder wird das Zertifikat einfach mit einem Betrag X erworben?
Angesichts ausstehender Antworten muss man das fragen und gleichzeitig Chancen zur Nachbesserung einräumen!

Bio-Agrarverbände wie Demeter oder der Weinbauverband ECOVIN, bei dem das Weingut Neumer ebenfalls Mitglied ist, haben öffentlich zugängliche Richtlinien.
Bei ECOVIN, dem Bundesverband ökologischer Weinbau e.V., verpflichtet sich der Betrieb, “den beauftragten Kontrolleuren der Kontrollstelle sowie den Kontrollbehörden jederzeit Einsicht in die erforderlichen Betriebsunterlagen zu gewähren.”
Man erfährt z.B. auch, dass ECOVIN seinen Winzern generell Naturkorken empfiehlt, aber nicht voraussetzt. Vorgaben und Empfehlungen, sowie deren betriebliche Umsetzung werden somit für den Kunden transparent, er kann sich selbst entscheiden. Bei der “The Vegan Society” erfahre ich nur, warum ich persönlich die Finger von Tieren lassen sollte. Wie aber der Hersteller, ein von der Gesellschaft ausgezeichnete Betrieb das macht, erfährt man als Kunde nicht.

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Werden die Pioniere aus Rheinhessen kommen?

Diese Frage ist, nachdem vor Kurzem die AZ “Rheinhessen als Wiege des Bioweins” betitelte, und die Region als Vorreiter in Fragen des nachhaltigen Weinbaus feierte, gar nicht so abwegig!
Das seit 1548 urkundlich belegte Weingut Neumer wirbt offensiv mit veganem Wein, und ist der erste wie eben beschrieben “zertifizierte” Betrieb für veganen Wein in Deutschland
: Das Weingut Neumer hat die Möglichkeit eine Speerspitze der veganen Weinbereitung in Deutschland zu sein, könnte jetzt für die spätere Disposition einer ganzen Branche entscheidende Wegpunkte setzen. Sie müssen die Skepsis dieser noch stark zweifelnden Branche durchbrechen und deren Fragen beantworten können. Neumer Weinmann veganer Wein weinblog 
Vielleicht mache ich mir aber auch schon wieder viel zu viele Gedanken und veganer Wein bleibt das, was er zumindest heute noch ist: Eine völlige Randerscheinung in der sehr großen Weinwelt. Neumer Weinmann veganer Wein weinblog

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Verkostungsnotiz: Neumer Weinmann veganer Wein weinblog 

Im Glas der rote Einsteiger des Weingutes, der trockene 12er Spätburgunder “Gutswein”, rechts im Bild. Bei einer Blindverkostung wäre ich sicher nicht aufgestanden um dann allen zu verkünden: “DAS ist veganer Wein!”
Aber genau darum sollte es ja eben nicht gehen. Pauschale Aussagen wie “veganer Wein schmeckt grundsätzlich besser” halte ich für Blödsinn
Angenehme Röstaromen in der Nase, anbei etwas Johannisbeeren, Pflaumen und auch Wachholderbeeren. Am Gaumen sehr leichtes Mundgefühl, dennoch kraftvoll würzig, beinahe pfeffrige Schärfe. In der Säure packend frischer Kick, fast schon gerbstoffbetont. Mit 12,5% Alc. und richtig trocken, ein wahrer Selbstläufer, kein fruchtiger Kitsch. Sicher nicht hochkomplex, kein “intellektueller” Wein, dennoch weitab von all dem netten, “zu allen Gelegenheiten passendem” Gedöns aus dem Supermarkt. Ein Leertinker und sicher auch für Gastronome interessant, die wissen, dass das Sparen am Wareneinsatz sich meist nicht auszahlt. Dies also eine absolute Kaufempfehlung für einen erstaunlichen Preis.

Ab Hof für 6€

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