#Leertrinker03: Landbau Kraemer Müller trocken Franken 2013

Rezeptorenfasching, die Verkleidung ist gelungen! 

[dropcap1]I[/dropcap1]n einer Blindprobe hätte ich meinen Allerwertesten verwetten können, dass das Sauvignon blanc ist. Dazu in einer Art, wie ich ihn mir eigentlich wünsche aber selten bekomme. 

Der 12er Müller von Kraemer schmeckt nach reifen Stachelbeeren, ein Anflug von Birne und Haselnuss und mündet in einem herrlich würzigem Nachhall. Ein richtiger Säureknaller für Rieslingfans aus Naturland zertifiziertem ökologischem Weinbau.
Eine Weile an der Luft wird Kraemers Müller runder, gefühlt weicher und harmonischer. Sicher ist das mein erster Müller, der überhaupt in die Nähe eines Decanters gekommen ist. Dieser Müller will das so!

Stephan Kraemer, vom gleichnamigen Landbau Kraemer aus dem Taubertal, ist ein Winzer abseits der großen Namen. Wie immer gilt aber, wer daraus auf die Weine schließt, begeht einen schlimmen Fehler. #Leertrinker03: Landbau Kraemer Müller trocken Franken 2013 weiterlesen

Ziereisens Muskateller – eine Zeitreise

Muskateller ist vielleicht eine der am meisten unterschätzen Rebsorten der Welt. Eine der ältesten übrigens auch und dann leider auch eine der anfälligsten für allerlei Krankheiten im Wingert. Trockenes Klima aber kommt ihr zu Gute, vielleicht ein Gewinner der Erderwärmung?

[dropcap1]B[/dropcap1]esondere Verbreitung findet die aus Kleinasien stammende Rebsorte als Muscat heute im Elsass, nicht zu verwechseln mit der aus dem Bordelais bekannten Rebe Muscadelle, die dort meist zum Verschneiden genutzt wird. Was hier aber so ähnlich klingt, ist nicht mal genetisch miteinander verwandt.
Weiter Verwirrung stiftet der Umstand, dass diese als weiße Rebe bekannte Sorte in ihren vielen Unterarten auch dunkelrote Beeren ausbildet. Wie sonst kaum eine Rebsorte ist Muskateller dann auch als Speisetraube, z. B. als Muscat d´Alexandria bekannt.

Die Römer bezeichneten den Muskateller als „Bienentraube“, wohl weil die Rebe auf diese eine besondere Anziehungskraft ausübte; letztlich für den Fortbestand natürlich entscheidend. Auch gewöhnliche Fliegen sollen an den Beeren Gefallen gefunden haben, die lateinische Entsprechung für Fliege Musca könnte dann auch für die Namensgebung verantwortlich sein. Ob die Namensgebung vielleicht von der Muskatnuss hergeleitet werden kann? Immerhin ist bei vielen Weinen aus Muskateller eine aromatische Assoziation möglich.
Größere Verbreitung nördlich der Alpen fand die Rebe erst im Hochmittelalter. Sie wurde nicht etwa schon von den Römern über die Alpen gebracht, diese schafften sie nur bis nach Südfrankreich. Erst als die Kaufleute ab dem 12. Jhd. mit weitreichenden Handelsbeziehungen über Venedig bis in den Orient vorstießen, gelangte die Rebe endgültig auch nach Nordeuropa. Ziereisens Muskateller – eine Zeitreise weiterlesen

Ein Kabinett, ein Kabinett… endlich!

Rheingau Bashing ist recht beliebt. Gemessen an der Leistung der vergangenen Jahrzehnte ist das auch berechtigt. Wobei die Weinschreiberei hier auch gerne mal den Chor anstimmt. Moden? Sie können zum Abgesang einer ganzen Region oder Machart beitragen, wie z.B. derzeit natürlich niemand marmeladige Rotweine mag. Wer weiß, kommt vielleicht alles mal wieder…

[dropcap1]O[/dropcap1]k, versuche mich mit einer netten Formulierung zu retten, die auch von unserer Kanzlerin stammen könnte: Im Rheingau herrscht qualitative Vielfalt.
Mit Massenabfüllern, unbekannten Familienbetrieben und großen Namen mit VDP Zugehörigkeit gibt es eben alle Qualitäten, die der Markt so haben will. Oft muss der Name herhalten um im Discounter zu landen, der Inhalt ist dann egal. Selbst VDP Betriebe geben sich dafür schon mal her. Oft ist der Name “groß genug”, um für viel Geld im Keller zu oxydieren. Auch da ist der Inhalt oftmals völlig wurschd. Nomen est Omen, falscher Luxus!August Eser Winkel Jesuitengarten Weinblog
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Dennoch, der Weltruhm – auch wenn er vor hundert Jahren deutlich lauter hallte – hat immer noch Bestand. Viele Winzer leben von ihrem einem Château ähnelnden Renommee und pflegen dieses natürlich. Mit Erfolg. Im Rheingau geht es ein wenig zu wie im Bordelais. Ohne Ruhm ginge da auch so ziemlich gar nix. So mancher tanzt hier aber um längst erkaltete Asche, wo andere Regionen deutlich besser darin sind, die Glut weiter zu tragen. Der konzeptionelle und qualitative Stillstand im Rheingau mutet kuschelig an. Stillstand ist recht leise, trügerisch leise!August Eser Winkel Jesuitengarten Weinblog Ein Kabinett, ein Kabinett… endlich! weiterlesen