Ist das noch Sauvignon blanc?

Sauvignon blanc gibt es vor allem in zwei Geschmacksnormen: aus Übersee schwappt er grasig grün bis zuweilen gemüsig aufdringlich zu uns; hierzulande produziert man aus der Rebe auch schon mal fruchtsaftähnliches Gesöff. Ein wenig beliebig und langweilig. Ganz ehrlich? Irgendwann beginnt man um Sauvignon blanc dieser Herkunft einen großen Bogen zu machen. Das Weingut von Winning aus dem pfälzischen Deidesheim hat mich gelehrt, solchen Animositäten aber besser mal wieder den Rücken zu kehren

[dropcap1]D[/dropcap1]er anfänglich beschriebene, laut vegetabile Anklang des Sauvignon blanc von der südlichen Halbkugel ist auf Methoxypyrazine zurückzuführen. Das ist ein in der Traube natürlich vorkommender Aromastoff, der je nach Herkunft und Vinifikation für Eindrücke von geschnittener Paprika, Litschi, Stachelbeere und leider auch Katzenklo sorgen kann.
In Neuseeland ist es zudem erlaubt, genau diesen Aromastoff auch künstlich zuzuführen und damit den Wein zu “verstärken”. Pyrazine können aber auch bei der maschinellen Ernte durch Weinblätter – dort ist die Konzentration besonders hoch – mit in den Most gelangen.

vonWinning_Sauvignon_blanc

In unseren Breitengraden mag man Sauvignon blanc vor allem aus der Kategorie nett & fruchtig, wenig Säure, etwas Zuckerschwänzchen und schon läuft das Ding wie Bolle: hin und wieder fragt man sich aber, wie das eigentlich funktioniert. Kaum einer wird sich über solche Partyweine beschweren, die wenigsten aber auch später daran erinnern. Eine Abhilfe dagegen mag sein, wenn der Winzer Alleinstellung mittels klugem Marketing betreibt.
Markus Schneider aus Ellerstadt macht das richtig, sein Sauvignon blanc namens Kaitui ist wiedererkennbar, einzigartig und massentauglich.
Ökonomisch rechtfertigt sich das freilich allemal. Derartige Weine lassen sich an ganz normale Leute – Weinphilosophen rümpfen dagegen die Nase – verkaufen und selbst in der gehobenen Gastronomie sind sie gern zu Hause. Das alles ist am Ende auch keine Frage des Glaubens-, sondern bitte nur eine Frage des Stils! Ist das noch Sauvignon blanc? weiterlesen

Silvaner – Luxus für jeden Tag

Stolper in meinem Keller über zwei Flaschen Silvaner. Wittmann und v. Racknitz. Kein Lagengedöns, einfach Wein. In Franken glaubt man, Silvaner geht nur jung und frisch. 2012? Rührt hier keiner mehr an. Endstation: Ladenhüter

[dropcap1]M[/dropcap1]acht nix, dann trink ich 2012 halt allein. Bei Wittmann und v. Racknitz ist das Kerngeschäft sicher der Riesling. Verdammt guter Riesling. Aber große Brüder haben immer Einfluss auf „die Kleinen“… Und das Resultat ist bei beiden Weingütern mehr als nur Zufall, sondern der Wille zu gutem Wein. Silvaner – Luxus für jeden Tag weiterlesen

Saar – erste Eindrücke aus 2014 mit v. Othegraven

Das Weinjahr 2014 war alles andere als optimal. Der eigentlich viel zu warme Winter zog die Blüte vor, im Sommer gab es erst kaum Wasser, dann Sintflut. Im September konnten die Trauben doch noch reifen, waren da aber schon von der Kirschessigfliege befallen. Im Oktober regnete es wieder Binfdfäden. Noch als die Trauben in den verregneten Weinbergen anfingen vor sich hin zu gammeln und Winzer zu hektischen >Noternten< trieb, war eines klar: 2014 trennt die Spreu vom Weizen


[dropcap1]O[/dropcap1]thegraven aus Kanzem an der Saar hat 2014 gut gepackt. Es befindet sich seit 2010 im Besitz von Günther Jauch, dessen Großmutter eine geborene von Othegraven war. Mit Andreas Barth – Besitzer des Weingutes Lubentiushof in Niederfell an der Untermosel bei Koblenz und Winzer des Jahres 2012 (Cptn. Cork) – hat Jauch den Kellermeister und zugleich Geschäftsführer von der ehemaligen Besitzerin Dr. Heidi Kegel übernommen.
Othegraven Saar Mosel
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