Ein Silvaner aus dem wunderbar verträumten Bamberg

Wein zum träumen, was will man mehr? Wenn der Franke von seinem Silvaner schwärmt, dann muss er „erdig“ sein. Der Rest der bundesdeutschen Weinliebhaber versteht darunter „mineralisch“. Ahja…

[dropcap1]M[/dropcap1]an mag über den sprachlichen Sonderweg der Franken lächeln, aber zum einen gibt es kein allgemeingültiges Wörterbuch Wein – Deutsch, zum anderen ist das in der Weinsprache etablierte Wörtchen mineralisch alles andere als ein präziser Begriff. Eines der ewigen Streitthemen unter Weinschreibern, Begeisterten, Bloggern usw.. Und nach meiner heutigen Silvaner-Erweckung kann ich nur zu dem Schluss kommen, dass Mineralik in Franken tatsächlich was anderes ist als in den übrigen Weinbauregionen. Frankenwein wie dieser darf also seine eigene Begrifflichkeit haben. Ein Silvaner aus dem wunderbar verträumten Bamberg weiterlesen

#Leertrinker 04: Grassl Chardonnay 2012 Carnuntum

So schlicht wie das Etikett anmutet ist dieser Chardonnay gar nicht, eher puristisch…

[dropcap1]D[/dropcap1]as Weingut Grassl erzeugt Wein auf historischem Grund. Schon die Römer haben im Carnuntum Weinbau betrieben, die Region verdankt ihren Namen einer ehemaligen römischen Siedlung. Tradition steht hier also im Pflichtenheft, die Region ist darüber hinaus für respektable Rote bekannt.

grassl chardonnayHier in der Nähe zu Wien werden auf ca. 700ha vor allem weiße Rebsorten angebaut, natürlich grüner Veltliner, Welschriesling und Chardonnay wie der heutige Leertrinker.
Das Weingut Grassl ist im Besitz von fast 100 jährigen Reben, würzt aber seinen Öffentlichkeitsarbeit dankenswerterweise nicht mit dieser Modeerscheinung. Mir bleibt mal wieder nur zu betonen, dass da eigentlich eine gesetzliche Grundlage her gehört!

Aussagekräftiger ist da schon die Ertragsbegrenzung, sie liegt beim Grassl Chardonnay bei etwas über 35 hl/ha, gelesen wird von Hand.

Ein Leertrinker. Ohne Schnickschnack im Stahltank vergoren, ein paar Stunden Mazeration zuvor und fertig. Einer leichten Bâtonnage verdankt der Wein einen dichteren, cremigen Körper, dennoch überzeugt er durch Frische. Gerade bei Chardonnay wird diese Technik im Keller gerne angewandt.

Ebenfalls der Bâtonnage zu verdanken ist eine schöne Fruchtnote, im Kelch zeigen sich Eindrücke von Zitronen, gelben Früchten und auch etwas Apfel. Ein ganz leicht exotischer Einschlag ist vorhanden, der Wein wurde halt nicht spontan, sondern mit Reinzuchthefen vergoren.
Das ist auch völlig in Ordnung, zumal der Wein ein haselnussiges Finish hat und vielseitig wirkt.

Bitte nicht eiskalt aus dem Kühlschrank, besser mal 15 – 20 Minuten – am besten in einer Karaffe – warten lassen, derzeit kann man sich z.B. Lachs Sahne Tagliatelle oder sowas zubereiten.

Den aktuellen Jahrgang 2013 gibt´s bei Karl Kerler in Nürnberg für 9€

Aus der Schatzkammer der Schweiz, aus dem Wallis

Mein erstes Rendezvous mit einem Schweizer ist steinig. Gut, kommt ja auch aus den Bergen. Am Ende geht die Begegnung sehr gut aus. Es bleibt aber die Frage, warum der Handel bezüglich Schweizer Weine so dermaßen laut schnarcht, dass es einen  – gerade angesichts des heutigen Weines – schon fast wütend macht!

[dropcap1]D[/dropcap1]as Wallis ist eine kleine, feine Weingegend der südwestlichen Schweiz. Nicht nur von der Rhône geteilt, läuft durch das Wallis auch eine Sprachgrenze. Im Oberwallis wird Walliserdeutsch gesprochen; südlich der Rhône bedient man sich einer der drei Amtssprachen der Schweiz, man spricht französisch. Da ich beides kaum verstehe, hab ich mir mal Wein besorgt. germanier wallis

Der nächste Urlaub? vielen Dank an Andreas Durst


Nicht nur in ihrer Sprache unterscheiden sich die Menschen im manchmal zynisch genannten „Röstigraben“ doch sehr. Den “Deutschen” sagt man nach, sie seien hart, verspannt und viel zu streng. Südlich von Bayern und immer noch Preußen? Anscheinend ja… Die “Franzosen” hingegen leben laissez faire und wären in ihrer Lebensart schon wesentlich südländischer geprägt. germanier wallis
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