Grand Roc Puisseguin Saint-Émillion Producta Vignobles 2009 Bordeaux

Habe letztes Jahr auf dem Weihnachtsmarkt einen Kartonfranzösischen Wein erstanden. Die deutsch französische Freundschaft wird – wie in vielen deutschen Gemeinden – aktiv gelebt, also dürfen „die Franzosen“ in unserem Städtchen natürlich nicht fehlen. In der festen Annahme, einem Familienweingut zu etwas Umsatz zu verhelfen, erstand ich also 6 Flaschen Grand Roc Puisseguin aus dem Weinbaugebiet Puisseguin-Saint-Émilion in der Weinbauregion Bordeaux. Grand Roc Puisseguin
Mittlerweile bin ich schlauer, hinter dem 
vermeintlichen Familienbetrieb verbirgt sich eine Genossenschaft, genauer die Producta Vignobles mit „nur“ 2500 angeschlossenen Betrieben in sämtlichen Appellationen des Bordeaux, seit 2011 ist die Genossenschaft auch in China tätig. Bordeaux Weine haben in bestimmten Kreisen mittlerweile einen recht miserablen Ruf. Viel zu teuer, Massenware und irgendwie einer wie der andere. Viele Betriebe sind sowohl in der Kellerwirtschaf t, aber auch im Weinberg auf die Produktion von Masse, auf die Belieferung des Supermarktes ausgelegt.

Auch ist der
Einfluss des Weinkritikers Robert Parker in Bordeaux unmittelbar spürbar.Für viele bedeutete Wein im Keller aus Bordeaux, „ich habs geschafft, ich zeige allen, mir geht’s besser als euch, ich kann es mir leisten“. Da wurden dann irgendwelche sündhaften teuren Weine im Wert eines Kleinwagens gekauf t, nur damit sie dann für Jahrzehnte im Keller verschwinden obwohl viele nach ein paar Jahren schon nicht mehr genießbar sind. Der Absatz von Bordeaux geht in Europa seit Jahren massiv zurück, mittlerweile mischt man Bordeaux in chinesischen Edelfresstempeln mit Cola… Hauptsache verkauft!
Für kleine Familienbetriebe ist die Existenz neben den riesigen Betrieben internationaler Investorengruppen daher schwierig, zumal Qualität eben kostet. Geht es aber irgendwann nur noch um die Buchstabenkombination
Bordeaux und den bekannten Namen des Herstellers, ist das auch existenzgefährdend, man gibt auf oder schwimmt eben mit. Grand Roc Puisseguin
Der heutige Wein ist nicht ganz jenem Stil gemacht, der wohl über Jahrzehnte so wunderbar funktioniert hat, daher möchte ich ihn erwähnen. Allerdings ist er mit einem Preis von 12,50€ für mein Empfinden dann einfach zu teuer, zumal im dann doch etwas Wesentliches fehlt: Nachhall! Hatte den 2009er Grand Roc Puisseguin letztes Jahr, also zweijährig probiert, da kam er mir noch arg wuselig vor. Es hat irgendwie nichts gepasst. Mittlerweile hat er sich nach drei Jahren etwas beruhigt, was mich dann doch soweit versöhnt einen Rotwein und keinen roten Wein vorstellen zu können.
Verkostungsnotiz:
Die Nase zeigt die sehr typischen Fruchtaromen von Brombeeren und Blaubeeren, zeigt aber keine Tönen, die gerne mit dicker, süßer Marmelade assoziiert werden.  Der Vollständigkeit halber muss ich aber an dieser Stelle auch mal sagen, dass es unter den Weinschreibenden momentan zum „guten Ton“ gehört, gegen jeglichen Anflug von eingekochten roten Früchten gleich in den heiligen Krieg ziehen zu wollen. Hätte diesbezüglich einen Pinot Noir aus dem Elsaß im Keller… naja, muss ich dann wohl auch mal vorstellen. Gut, etwas Cassis ist auch dabei, allgemein wirkt der Wein mit seinen 13,5 % Alc. vom Bukett her angenehm frisch und lange nicht so schwer wie viele seiner Kollegen. Durchaus „einfach so“ trinkbar. Neben den Früchten gibt es dann noch leichte Anklänge von holzigen Noten, trotzdem immer noch kein Parker Wein. Der Eindruck bleibt dezent, ich bin noch gut gelaunt, aber sicher nicht elektrisiert!
Im Mund passiert dann beim Grand Roc Puisseguin aber das, was bei so vielen Weinen aus Bordeaux passiert: nix. Es bleibt ein schwächelnder Eindruck von Tabak liegen, der Nachhall ist aber eigentlich kaum vorhanden. Es bleibt nur ein etwas raues Gefühl von recht groben Tanninen auf der Zunge. Was bisher gar nicht auf gefallen war, ist die Säure. Die aber für mich unerklärlich im Magen mehr Eindruck hinterlässt, als dort wo sie soll. Ehrlich gesagt weiß ich nicht so recht wohin mit dem Wein, wusste es der Kellermeister, bzw. war der Computer richtig eingestellt? Verschlussphase ist es denke ich auch nicht, zum Altern ist der Wein sicher nicht gemacht.
Gemessen am Preis ist das Urteil aber recht schnell klar. Für 12,50€ gibt es deutlich interessantere Weine, vor allem vom Winzer und nicht von der Genossenschaft. Werde mich bemühen noch in den nächsten Tagen
einen auf zutreiben um zu berichten. Grand Roc Puisseguin
 

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