Sag mir Deinen Namen und ich sag Dir wie du heißt!

Wein und Corona? sollte man das zusammenbringen? Nein, eigentlich nicht, warum auch? Aber…

…dann steht man vor dem Weinregal, und zieht jene Weine raus, die man schon länger da liegen hat und bisher immer mit „ja, äh, ein andermal… vielleicht“ wieder zurückgelegt hat.
Ach, aber man hat ja gerade Zeit, die Welt geht den Bach runter; die Familie ist ganz nett – aber man muss ja mit denen jetzt deswegen nicht immer quatschen.
Man wiegt die Flasche in der Hand, erinnert sich an seine Anfängerzeiten als Weinschreiber: „Sei neugierig“, dann verdammt bleib auch neugierig und nimm Dir die Zeit! Du hast sie!

Bääääm, also doch Corona Wein, so kann´s gehen. Vielleicht ist es der Name des Weines? INCOGNITO hat der Winzer Philipp Kuhn, aus Laumersheim in der Pfalz, auf die Burgunderflasche mit Schrauber gedruck. Ja, ich sitze da nun wirklich alleine – incognito – an meinem Küchentisch und trinke diesen Wein. Den Betrieb hatte ich vor Jahren schon einmal auf dem Radar, damals gab es Luitmar… (ok, schlechter Reim, ich lass´ ihn stehen)

Incognito ist nach Handlese und Reduktion im Weinberg aus Dornfelder, Regent, Merlot und  Cabernet Dorsa gekeltert – klingt nach eierlegender Wollmilchsau. Klingt mal wieder nach „international“ aus Deutschland.
Eine Kategorie von Wein, die Spätburgunder Puristen verneinen, die einige wenige Verkäufer als Marketingopfer beschimpfen; ein Wein, mit dem der Winzer Kuhn recht erfolgreich ist und eine Familie am Laufen hält. Die Wahrheit der leeren Flasche, man kommt an dieser Tatsache nicht vorbei. Bei diesem Wein muss man sich dafür nicht mal verbiegen. Am Ende ist auch der Weinbau eine Branche, seine Erzeugnisse ein Produkt, welches an den Mann*in gebracht werden muss.

Etwas Chichi & ein ungewohnter Name: Marketing ist viel, aber nicht alles. Hier überzeugt der inhalt.

Der VDP Winzer Kuhn selbst beschreibt Incognito (auch) als „Spaghetti – Wein“ und begründet den Namen nicht etwa wegen vermeintlich minderwertiger Rebsorten, sondern weil seine Cuvèe ein Betriebsgeheimnis bleiben soll; wobei Merlot unverkennbar den größten Bestandteil aus macht. Den Qualitätskriterien des VDP genügt dieser Wein nicht, was kein Nachteil sein muss – aber der Adler darf dann eben nicht auf die Flasche… kann man machen!

 

Im Glas dunkel, fruchtig – beerig in der Nase, am Gaumen kann er alles, ohne aber wie „der muss alles können“ zu wirken. Es gibt am Markt leider diese völlig überballerten Weine, die mit Säure, Schokolade, Tabak, Holzfass und marmeladiger Frucht einem laut gröhlend aus dem Glas ins Gesicht springen – das passiert hier nicht. Vielleicht liegt es am Alter? Mit Jahrgang ´12 absolut auf dem Punkt! Es bleibt rund, es ist ausgewogen, dieser Wein macht einfach Spaß, bietet viel ohne aber zu drängen. Gerbstoffe, Säure, Frucht: alles da, aber eben nicht zu viel. Gerade in dieser Klasse ist das selten zu finden. In der Klasse „internationaler Stil“ tummeln sich unglaublich viele derb dröhnende oder lächerlich dünne rote Weine, selten sind da wirklich interessante Weine mit dabei.

Gerade für die Gastronomie wäre Incognito von Kuhn eine Empfehlung. „Ja, äh, ich trink ja keine Deutschen, schon gar nicht Roten…“. Das Ding auf den Tisch stellen, einschenken, probieren lassen: NIX sagen! Keine Unvoreingenommenheit erzeugen. Ich lasse meine Gäste an dem Punkt gerne mal zappeln, die sollen entscheiden, jeder darf (muss?) auch entscheiden. Für mich gilt immer noch: Wein darf jeder, Wein kann jeder, lass den Herrn Baron im Weinkeller, den braucht heute niemand mehr.

Noch Fragen? Trinken!

Wer googelt der findet, den Shop des Weingutes findet man hier

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