Othegraven Riesling MAX 2011 trocken Mosel

Die aktuelle Geschichte um das Weingut v. Othegraven aus Kanzem, wenige Kilometer vor der Mündung in die Mosel, werden die Leser des Blogs kennen. Vor wenigen Tagen erst war der heutige Besitzer des Weingutes in der Weinsendung Weinwunder Deutschland von Stuart Pigott zu sehen. Es wurde deutlich, dass Günther Jauch “nur” der Weingutsbesitzer ist, in dieser bewussten „Reduktion“ auch wahrgenommen werden möchte

Othegraven Max Jauch derweinblog


[dropcap1]J[/dropcap1]auch fand erst recht spät zum Wein, hat wegen seines „Nebenjob“ in Berlin auch nicht die Zeit, als Winzer und Kellermeister das Weingut zu führen. Chef im Weinberg und Kellermeister ist der Quereinsteiger (Jurist) und für naturnahe Vinifikation stehende Andreas Barth, bereits seit 2004 im Betrieb. Günther Jauch gibt in der Sendung zu, dass er noch lernen muss, seine Frau Dorothea im weit voraus wäre und er die oenologische Verantwortung auch gar nicht tragen wolle. Günther Jauch ist im Wesentlichen in der Verkaufsleitung der Weine involviert. Die Sendung war einer der wenigen Augenblicke, in denen man den skandalfreien, die Öffentlichkeit sonst scheuenden Fernsehliebling Nr. 1 der Deutschen in einer eher privaten Atmosphäre sehen konnte…

Ach, wie viel wurde schon geschrieben seit 2010 das Weingut nach kurzer Gerüchteküche dann offiziell mit Jauch in Verbindung gebracht werden durfte. Fast scheint eine von allen sehnsüchtig erwartete vinophile Genese hätte über Nacht Gestalt angenommen. Natürlich Quatsch. Das Weingut Othegraven war an der Saar schon immer einer der Top Erzeuger, bewirtschaftet Lagen wie den Kanzemer Altenberg, den Ockfener Bockstein und die kleine Lage Wiltinger Kupp. Im vergangenen Jahrhundert große Begriffe der internationalen Weinwelt!

Eines ist jedoch spürbar. Dass Jauch an der Saar als Weingutsbesitzer bekannt wurde, kommt der ganzen Region zu Gute. So mancher spricht vom „Jauch-Faktor“. SPIEGEL online urteilt gar, “Mit Jauch scheint hier Leben und Zuversicht eingekehrt zu sein“… Der Spiegel übersieht beinahe, dass an der Saar nicht nur Jauch als Antreiber der Region für Aufmerksamkeit sorgt. Der Einfluss des Weingutes van Volxem, genauer Roman Niewodniczanski ist seit 1999 nicht mehr wegzudenken. Niewodniczanski, als Familienerbe der nicht ganz unbedeutenden Bitburger Brauerei finanziell unabhängig und somit investitionsfreudig sowie innovativ, gelang es schon Anfang des neuen Jahrtausends Interesse an Saar-Weinen anzuregen und die Nachfrage in dieser Region massiv anzukurbeln, die schlichtweg kurz vor dem Ruin stand. Das von ihm definierte Ziel: Weine der Weltklasse! In seinen Ansätzen ist er radikal, eine Reduktion auf 30 Hl Ertrag nicht ungewöhnlich, die Spätlese im Dezember wirklich sehr spät. Sollte man da noch erwähnen, dass die Weine dann auch schon mal bis weit in den Sommer des nächsten Jahres im Fass liegen? Zugegeben, über die Qualität Weine wurde wegen ihrer Eigenart bis zum Jahrgang 2004 seitens der Fachwelt viel diskutiert, ein Personalwechsel im Keller schien dann die Lösung zu sein… 

 Auf zu neuen Pfaden an der Saar

Im Jahre 2006 wurde das damalige Weinbaugebit “Mosel-Saar-Ruwer” in das namentlich renommiertere Weinbaugebiet “Mosel” komprimiert, man erhoffte sich eine Steigerung des Absatzes. Der Marktanteil von Weinen aus dem Anbaugebiet Mosel-Saar-Ruwer lag 2005 im deutschen Lebensmitteleinzelhandel (inklusive Discounter) bei gerade sieben Prozent, auch im internationalen Handel, der etwa 1/3 der Gesamtproduktion ausmacht, erhoffte man sich Steigerungen.
Lange Zeit schlummerten die Weingüter an der Saar in Sachen Qualität einen Dornröschenschlaf. Die Schönheit, sprich das Potential der Lagen war da, so manche verwilderte und geriet in Vergessenheit. Häufig wird dies auf schwierige klimatische Bedingungen zurückgeführt, die Qualität der Saarweine schwankte zu stark, als dass sie auf dem internationalen Markt einen Platz hätten finden können. Zum Glück denkt man heute anders, Jahrgangsunterschiede und zugegeben zweifelhafte Begriffe wie Terroir verlangen nach solchen Unterschieden, zudem kommt die Klimaerwärmung der Saar und dessen hauptsächlich angebauten Riesling zu Gute.
Bei der Jonglage bekannter Namen, hier gehört noch das Weingut Egon Müller-Scharzhof mit dazu, sollte man aber die “zweite und dritte Reihe” der Winzer, die Basis, ohne die nix geht! nicht vergessen. Zu nennen wären hier die Weingüter Zilliken, Dr. Wagner, Schloss Saarstein, Willems-Willems, Weinhof Herrenberg, Johann Peter Reinert, von Hövel u.a.

Verkostungsnotiz:
Der zweite Einsteiger nach dem “VO” in die trockenen Rieslinge des Weingut Othegraven, eine Cuvée der Lagen Kanzemer Altenberg und Ockfener Bockstein, zeigt sich mit sattem goldgelb im Glas, das Bukett geizt nun wirklich nicht mit Steinobst, zeigt zarte Eindrücke von Zitronenminze und überrascht mit süßlichem Estragon oder auch Fenchel. Der spontan vergorene und von Hand gelesene MAX bietet in der Nase letztlich durch eine herb geratene Haselnuss ein wirklich facettenreiche, kleine Reise für Freunde eines insgesamt nicht dominanten Rieslingtypus.
Körper bietet volles Mundgefühl, am Gaumen wieder kräutrige Nuancen zu der sich noch Kandiertes gesellt. In so mancher Verkostung dieses Jahrganges wird eine zu geringe Säure bemängelt. Zugegeben, besonders hoch ist diese nicht, aber ausreichend. Auch ist mir die Saar bisher allgemein nicht als besonders säurebetont aufgefallen. Für mich ist dieser Wein ein Hybrid zwischen eher reif wirken, aber am Ende dann doch trotz 12,5% vol. Alc. trinkfreudig frisch sein und gefällt mir auch wegen seiner deutlichen Mineralität im Nachhall. Sein recht hoher Extraktwert ist im Mund richtig spürbar, dieser Wein überzeugt! Mainstream ist das wirklich keiner.

Wiederverkäufer und Gastronome werden für 10€ bei Metro fündig, ab Hof für 10,80€. Würde ich diesen Wein nicht permanent wenige Kilometer von mir entfernt kaufen können, wäre das ein Kellerkandidat.

[box type=”info” style=”rounded” border=”full”]Inhaber: Günther Jauch
Geschäftsführer: Andreas Barth
Außenbetrieb: Swen Klinger
Kellermeister: Andreas Barth

Verkauf: Andreas Barth
Mo–Fr: 9.00–16.30 Uhr und nach Vereinbarung
Rebfläche: 16 Hektar
Jahresproduktion: 100.000 Flaschen
Beste Lagen: Kanzemer Altenberg,Wawerner Herrenberg, Wiltinger Kupp, Ockfener Bockstein
Boden: Devonschieferverwitterung[/box]

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