Waigand Cuvée vom “Roten Stein” Erlenbacher Hochberg 2010 trocken (Chur)Franken

Weingut Waigand

Für den Blog bin ich immer wieder auf der Suche nach neuen Winzern, nach Tüftlern und gern auch Pionieren der Weine von morgen. Weitab der oftmals gehörten Meinung, dass nur die großen und bekannten Betriebe tonangebend sind, interessiert mich am meisten, was in den kleineren Betrieben passiert. Paul Fürst macht auf seinem Klingenberger Schlossberg tolle Weine, aber für mich ist viel spanneder, was auch sonst noch in der Region los ist! Nicht selten sind die nicht unter allgemeiner Beobachtung stehenden Winzer in Wahrheit die Größen von morgen. Das bloße Repetieren bereits in die Jahre gekommener Rennpferde, überlasse ich gerne bekannten Weinzeitschriften wie Fallstaff usw.; immerhin hat die Vinum in ihrer Februar 2013 Ausgabe auf die Region und auch auf das Weingut Waigand aufmerksam gemacht. Seit 2012 und wiederholt 2013 wird es auch vom GaultMillau empfohlen, es geht also nach oben mit den Waigands.

Dem auf gerade mal 1,7ha in Erlenbach am Main wirtschaftenden Weingut Waigand sollte man auf jeden Fall seine Aufmerksamkeit schenken. Nicht nur, weil der fließende Generationenwechsel im vollen Gange ist und man auch im Bewusstsein einer neuen, mündigeren Kundengeneration zur Veränderung bereit ist; sondern auch, weil die nicht nur im Keller verantwortliche Verena Waigand zusammen mit ihrer Familie sehr stark um Herkunft und traditionelles Werken bemüht ist.

Weingut Waigand

Die Terrassen der eigenen Parzellen im Erlenbacher Hochberg wurden in den letzten Jahren mit großem Aufwand restauriert. Wer nur einmal durch Terrassen an Steilhängen mit 70° und mehr als Besucher gekraxelt ist, kann sich vielleicht vorstellen was es bedeutet, diese zu restaurieren respektive später auch zu bewirtschaften. Besonderes Augenmerk wird dabei dem im Mainviereck häufig vertretenen Spätburgunder gewidmet, aber auch die weißen Burgunder von Verena Waigand sind schlichtweg beeindruckend!
Die Weine bekommen im Weingut die Zeit die sie wirklich brauchen, werden in mehreren Durchgängen von Hand selektiert und reifen mit Bedacht im Holz. Vor allem ist das Weingut ein sehr deutliches Paradigma für eine von vielen Winzern postulierte verkaufspreisrelevante Qualitätspyramide, die aber dann schon weit weniger Winzer wirklich in der Lage sind umsetzen.

Mit dem heutigen Wein liefert Verena Waigand bereits im Basisbereich eine Steilvorlage, die viele Betriebe in Franken zu beantworten nicht in der Lage sind. Die vorgestellte Lagencuvée gehört preislich in jene Kategorie, in der viele fränkische Winzer eine „jung und frisch“ oder „frank und frei“ Linie oder ähnliches anbieten. Einfache, unkomplizierte Weine für die Terrasse, Pizza- und Pasta Weine. Während aber namentlich nicht genannte (auch VDP!) Betriebe mittels Maischeerhitzung und viel deckrot fruchtig nette, zu allen Gelegenheiten passende Weine in Mengen herstellen, bleibt Verena Waigand ihren Grundsätzen treu: Auch der einfachste Wein muss bereits ein Spiegel der betrieblichen Leistungsfähigkeit und der bei den Premiumweinen angewandten Arbeitsweise sein.

Weingut Waigand

Verkostungsnotiz:
Die Lagencuvée aus hauptsächlich Spätburgunder, Portugieser, Dornfelder und Cabernet Mitos zeigt sich im Glas noch recht transparent, wenn auch dunkler als reiner Spätburgunder. An der Nase deutliche Eindrücke von Brombeeren mit einem Hauch Himbeere. Leichter Touch von Likör und Pflaume mit wiederum deutlicher Vanillenote lassen einen angesichts der Vielfältigkeit schon etwas staunen. Am Gaumen vollreifer Saft, keinerlei Noten von grüner Paprika. Präsentes, nachhallendes Tannin und rauchige Mineralität zeigen einen fast schon tiefgründigen Wein, der dann aber von einem sehr leichten Körper und frischer Säure gefangen wird und ihn trotz ordentlichem Rezeptorenfasching – wenn auch an die Spitze der anfänglichen erwähnten Kategorie – zurückholt. Etwas kühler getrunken passierte mir das, was eher selten passiert, das Ding war nach 2 Stunden leer, hat schließlich auch nur 12% Alkohol. Auch für die Gastronomie angesichts eines ab Hof Preises von 6,50€ für Endverbraucher wirklich spannend!

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