Schropp Grauer Burgunder am Fels 2012 trocken Württemberg weinblog schroppwein grauer burgunder orange wine

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Wein des Monats November 2013

Was dem Weinbaugebiet Württemberg mindestens fehlt: Mehr Aufmerksamkeit! Bekanntlich kann man in (Baden) Württemberg alles, außer Hochdeutsch. Dennoch mag es dem ein oder anderen neu sein, dass man im grünen (Baden) Württemberg auch „orange wine“ kann… weinblog schroppwein grauer burgunder orange wine

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„Württemberg goes orange“, aber was bedeutet das eigentlich? Stolpere ein bisschen durch das Netz und suche mal wieder nach einer Definition. Was ich finde ist alles andere als eine Erklärung. Meist sind es mehr oder weniger sprachliche Kunstgriffe, oftmals vom Marketing verhunzt, oder von ökonomisch aufgeschlossenen Winzern interpretiert. In seiner Aussagekraft in etwa gleichwertig mit „Naturwein“ oder den immer beliebter werdenden „alten Reben“. weinblog schroppwein grauer burgunder orange wine
Auch wenn so mancher den Begriff etwas weiter fassen möchte, für mich bleibt “orange wine” von der Bereitung abhängig. Aus meiner Sicht steckt dahinter ein Weißwein mit einer nicht weiter definierten Maischestandzeit, das Weingut Schropp setzt eine Maischegärung voraus. Letztere fand bei dem Wein aber nicht statt, der Most wurde nach diesen 4o Stunden sedimentativ geklärt und alleine vergoren! Das Weingut stellt nach eigenem Verständnis zwar keinen “orange wine” her, sieht aber auch die unscharfen Grenzen der Definition und hält den Wein daher in dieser Kategorie dennoch für denkbar. Stefan Traub vom Weingut erklärt, “nicht jeder mag ihn, was manchmal gar nicht so verkehrt ist.”

Die Technik der Maischegärung kommt traditionell bei Rotweinen zum Einsatz und soll mehr Extrakte wie auch Tannine aus den Beerenschalen lösen. Da auch weiße Rebsorten bekanntlich keine farblosen Beerenschalen haben, kommt es bei der Extraktion der genannten Stoffe zu jenem Effekt, der als „orange Wine“ derzeit vereinzelten Einzug in die deutsche Weinwelt findet, nachdem dieser vor bald 20 Jahren seinen mythischen Siegeszug in Italien begann. Eric Asimov veröffentlichte erst vor kurzem auf dem Onlineportal Yoopress einen spannenden Text zu dem Thema. weinblog schroppwein grauer burgunder orange wine

Das Weingut Schropp aus dem württembergischen Erlenbach-Binswangen hält sich aus der Debatte raus und sagt dankenswerter Weise ohne anglophone Wortakrobatik einfach nur, um was es hier geht: Ertragsreduziert auf 35Hl, „Maischestandzeit von 40h, sehr schonende Pressung, Mostklärung ausschließlich durch natürliche Sedimentation, Vergärung und Ausbau im Holzfass, Lagerung im Edelstahl, trocken (2,4g) ausgebaut.“

Wie für das Weingut Schropp mögen diese 40 Stunden Mazeration so manch anderem ebenfalls nicht zum “orange wine” ausreichen. Meist spricht man von mehreren Tagen offener Gärung, wenn nicht gar von wenigen Wochen. Dennoch hat der Grauburgunder vom Weingut Schropp einen deutlich orangenen oder auch lachsfarbenen Ton, allein das typisch Herbe von “orange wine” hält sich deutlich stärker in Hntergrund, gänzlich verneinen lässt es sich nicht! Die vierte Weinfarbe. Württemberg goes orange! Irgendwie zumindest… inblog schroppwein grauer burgunder orange wine

Das nach eigenen Angaben naturnah arbeitende Weingut Schropp  (übrigens gelungener Internetauftritt) hatte ich bereits mit Freude hier vorgestellt. Heute also ein Lagenwein dieses aufgeweckten Betriebes aus dem sonst dahin schlummernden Württemberg! Der Grauer Burgunder ist – auch wenn es auf der Flasche nicht steht – ein Lagenwein, gewachsen auf  rotem Sandstein unterhalb des Kayberg. Derartige Weineindrücke kann man in Deutschland lange suchen, fürs “Ländle” eine sehr eigenständige Ansage!

weinblog_schroppwein_grauer_burgunder_orange_wineAm Kayberg, Foto: Schroppwein
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Ach, viel zu jung, bin ja selbst schuld und wurde auch gewarnt. Ein Jahr in der Flasche sollte man ihm schon noch gönnen. Gleich vorweg, die Laufzeit gibt das Weingut mit mindestens 2017 an, passt. Dekantieren sollte man diesen Stoff, es dauert mindestens zwei Stunden, bis sich der Grauer Burgunder von Schropp öffnet. Zwei bis drei Tage kann der Wein auch offen rumstehn, wird nicht langweilig, zeigt sich immer von Neuem. Letztlich sind wir hier ganz nah an meiner persönlichen Auffassung dessen, was Terroir sein kann.weinblog schroppwein grauer burgunder orange wine

Sofort präsentiert sich der “Orange Burgunder” mit getoasteten Noten in der Nase, deutliche Anklänge von Haselnuss und Hefeteig. Am Gaumen dicht mit betonter Viskosität, ein fruchtig herber Touch, der mich an Hagebutten und Williams Birne erinnert. Eine gewisse Schärfe, die aber deutlich an der häufig bei Verkostungen zitierten Paprika vorbei geht, begeistert. Eine deutliche Struktur sowie spürbare Gerbstoffe grenzen die Geschichte von gewöhnlichem Grauburgunder merklich ab. Spürbar hoher Extraktwert und deutlich würziger Nachhall zeigen einen der erstaunlichsten Weine meiner diesjährigen Weinreise, mit 15,5% Alc. aber auch den „wildesten“. Am Ende zeigt sich mal wieder, das alles Regelwerk nicht immer dienlich ist, zumal jegliche Berechtigung des Weines einfach durch seinen außergwöhnlichen Character gegeben ist.

Da das Weingut dieses Jahr bereits eine Platzierung als „Wein des Monats“ abgeräumt hat, habe ich lange überlegt diese nochmal zu vergeben… Letztlich steht hier aber sogar ein starker Kandidat für die Jahresauswahl, daher dann doch dabei. Weinkeller immer noch nicht ausgebaut? Es wird höchste Zeit! weinblog schroppwein grauer burgunder orange wine

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