“Kenner trinken Württemberger”…

Nun ja, die meisten Käufer der württemberger Rebensäfte sind auch Württemberger. Liegen diese sonst wie Blei im deutschen Weinregal, ruft der Weinblog heute auf, das zu ändern. Und zwar an der Basis!

[dropcap1]D[/dropcap1]as Image der Württemberger ist nicht das Beste. Vergleicht man es mit dem Renommee ausgewiesener Rotweinregionen wie der Ahr oder auch mittlerweile Pfalz, erntet man nicht mehr als ein müdes Lächeln. Das liegt nicht nur daran, dass hier Wiederkäuer am Werk sind, sondern leider auch an Württemberg selbst. Wer übrigens die Geschichte zu dem eingängigen Sprüchlein erfahren will, steht alles hier. weingut fischer heilbronn

 Jedem sein Schoppen, keine Frage. Um dann aber das Premium Segment zu bedienen, oder zumindest das, was man sich darunter vorstellt, werden immer wieder dünne Weinchen mit ordentlich Holz bis zur Unkenntlichkeit verprügelt. Andere Weinbauregionen haben das in der Vergangenheit auch getan, aber die Zeiten sind dort weitestgehend vorbei. In Württemberg scheint man zumindest den Gipfelpunkt dieses Treibens überwunden zu haben. Es tut sich was!

Eine Handvoll Winzer befindet sich in einem Prozess der Umkehr. Bekanntere Namen wie Schnaitmann, Wöhrwag, Aldinger oder Knauß sollen aber nicht davon abhalten in die – wenn auch ungern so bezeichnete – zweite Reihe zu schauen. Ganz im Sinne dessen, dass der Wein im Weinberg entsteht, verzichten viele mittlerweile auf den hölzernen Schmuck und machen im Keller nur was nötig, nicht alles was möglich ist. weingut fischer heilbronn

Die Arbeit wird wieder dort konzentriert, wo sie verrichtet werden muss: im Weinberg. Am Ende profitieren davon alle Weine, nicht nur die württembergische Nationalrebe Lemberger.

 

In´s Netz gegangen

Vom Aufbruch nicht ausgeschlossen sind natürlich auch die Weißweine. Weißweine werden in Württemberg gern schnell und kalt vergoren, prahlen schon mal mit plakativer Frucht und bleiben selten im Gedächtnis. Auf der Suche nach diesem Wandel ist mir ein Riesling aufgefallen.
Der Riesling Kabinett aus dem Heilbronner Stiftsberg vom Weingut A. Fischer ist angenehm anders, glaube einen Wein gefunden zu haben, der eben von jenem Württemberg im Aufbruch erzählt.

weingut fischer heilbronn

Der mit 11,5% Alc. optimal gerüstete Kabinett zeigt in der Nase Aprikosen und Pfirsiche, am Gaumen frische Birne. Sicher keine Avantgarde, keine Spontangärung und auch kein Holzfass; für das schwierige 2013 aber dann doch gekonnt! Einfach ein Riesling für den Moment, klar, direkt. Körper leichter Schmelz, der aber einer soliden Frische nicht im Weg steht. weingut fischer heilbronn

Der vom VDP klassifizierte Heilbronner Stiftsberg wird gern als Heilbronns beste Lage gehandelt. Kalkhaltiger Boden und viel Gipskeuper lassen Assoziationen an fränkische Weine zu; intuitiv dachte ich beim ersten Schluck an den mir recht vertrauten Würzburger Stein.

Und damit schafft das Weingut mit seinem Riesling das Wesentliche. Authentizität nicht im Sinne von gebietstypischem Einerlei. Denn genau das ist A. Fischer im leider so einheitlich wirkenden Württemberg mit diesem Riesling nicht. Vielmehr geht es um Herkunft. Mit enormer Frische im Glas, einem kräftigen Säurekick für Rieslingfans und Nachhall mit viel Grapefruit ein echter Kandidat in der Kategorie „geht immer!“

  • A. Fischer, Riesling Kabinett trocken, Heilbronner Stiftsberg, Württemberg 2013. Zu haben im Weinlädle für gerade mal 6€ weingut fischer heilbronn

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